LONDON (IT BOLTWISE) – Der Projestar Cine4K liefert natives 4K (3840 × 2160) per LCD-Panel und startet für Neukunden bei 422 Euro. Im Test zeigt er eine gleichmäßige, detailreiche Bildschärfe, aber die beworbenen 2000 ANSI-Lumen wirken deutlich überzogen. Besonders wichtig: Für satte Ergebnisse braucht der Beamer einen abgedunkelten Raum. Software und Bedienung kommen mit Einschränkungen bei Netflix und Prime Video, dafür laufen viele Streaming-Apps im eigenen Android-13-Ökosystem.

Projestar Cine4K im Test: Natives 4K für 422 Euro, aber zu dunkel
Projestar Cine4K im Test: Natives 4K für 422 Euro, aber zu dunkel (Foto: IT BOLTWISE)
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Für Einsteiger zählt beim Beamer meist zuerst der Preis pro Zoll und danach die erwartete Alltagstauglichkeit. Der Projestar Cine4K versucht beides gleichzeitig: Er verspricht natives 4K, kombiniert eine weiße LED als Lichtquelle und setzt auf Android 13 mit eigenem App-Store. Im Datenblatt taucht er mit 2000 ANSI-Lumen auf, im Test zeigt sich jedoch schnell, dass das Marketing deutlich an der realen Helligkeit vorbei zielt. Genau dort entscheidet sich, ob der Beamer im Wohnzimmer wirklich funktioniert oder nur dann Spaß macht, wenn das Licht konsequent aus bleibt.

Technisch geht der Cine4K einen anderen Weg als viele günstige 4K-Beamer, die häufig auf Pixel-Shift mit einem DLP-Chip setzen. Stattdessen nutzt er ein LCD-Panel, das nativ 3840 × 2160 Pixel darstellen kann. Die Lichtbasis ist eine weiße LED, dazu kommt die Bildverarbeitung mit HDR10+ und einer Zwischenbildberechnung per MEMC. Beim Projektionsverhältnis von 1,37:1 sind 50 bis 300 Zoll drin, wobei weder optischer Zoom noch Lens Shift vorhanden sind; das Bild wird ohne Versatz geradeaus projiziert, und die Bildmitte liegt auf Höhe der Linse. Wer flexibel an die Leinwandposition gehen möchte, muss also entweder sauber aufstellen oder mit digitaler Skalierung leben.

Das Gehäuse ist dabei kein „leichtes Reisemodell“, sondern eher eine Wohnraum-Box: 30 × 26,4 × 18 cm, dazu rund 5,1 kg Gewicht. Auffällig ist außerdem die Optik: vorne Hochglanz-weiß, ein roter Zierring um die Linse, der Rest dunkelgrau und mit Kühllamellen an den Seiten. Hardware-seitig ordnet Projestar zentrale Bedienelemente auf der Seite an, während die Rückseite den Stromanschluss für das eingebaute Netzteil trägt. Für die Optik gibt es eine verschraubte Klappe, unten sitzen vier Füße plus Stativgewinde, und die beiden Lufteinlässe bieten herausnehmbare Staubfilter. Auch die Lieferbox ist eher zweckmäßig: Fernbedienung, Netzkabel, englische Kurzanleitung und ein Reinigungstuch sind dabei, HDMI-Kabel sowie Batterien fehlen.

Im Kern liefert der Cine4K eine moderne „Beamer-Computer“-Kombination: Ein Mediatek MTK9660 mit vier Cortex-A55-Kernen, dazu 2 GB RAM und 32 GB Speicher, von denen 24,6 GB frei sind. Anschlussseitig gibt es HDMI, zweimal USB-A, LAN sowie einen 3,5-mm-Audioausgang; drahtlos funkt das Gerät per Dual-Band-WLAN (Wi-Fi 6) und Bluetooth 5.0, auf Wunsch auch als Bluetooth-Lautsprecher. Der Leistungsmodus zeigt allerdings, dass die Preisstrategie ihren Preis hat: Im Test werden 275,6 W gemessen, während das Datenblatt maximal 295 W nennt. Das ist deutlich mehr als beim sparsameren Xiaomi Laser Projector 3 4K, der in der Praxis grob im Bereich von 63 bis 72 W liegt; entsprechend warm wird das Gehäuse auch. Beim Bild selbst halten die Helligkeitsstufen „ruhig“ und „Leistung“ zwar unterschiedliche Lautstärken und Ergebnisse bereit, doch die beworbenen Werte wirken unrealistisch – im Test liegt die Helligkeitswahrnehmung eher in der Nähe der typischen 1000 Lumen-Angabe.

Für die Bildqualität bleibt der Cine4K trotzdem ein interessanter Kandidat – vorausgesetzt, die Lichtverhältnisse stimmen. In dunklen Szenen gehen Details sichtbar verloren, und große Helligkeitsspitzen bleiben bei HDR eher flach als imposant. Dafür fällt die Schärfe gleichmäßig aus; 4K-Inhalte wirken deutlich detailreicher als Full HD, auch wenn die Kantenleistung nicht ganz an den schärferen Konkurrenten aus der Laser-Klasse heranreicht. Positiv: Die LCD-Technik zeigt keinen typischen „Regenbogeneffekt“, wie man ihn bei DLP-Setups erwartet, und die Automatik arbeitet zuverlässig – Autofokus, Trapezkorrektur und Hindernisvermeidung richten das Bild auf Wunsch passend aus. Die digitale Korrektur kostet jedoch spürbar Schärfe, weshalb sich eine sorgfältige Aufstellung weiterhin lohnt. Praktisch heißt das: Der Beamer spielt seine Stärken in einem kontrollierten Setup aus, etwa im Heimkino am Abend, nicht im Wohnzimmer mit Tageslicht.

Auch die Software ist ein zweischneidiges Kapitel. Der Cine4K kommt mit Android 13 und eigener Oberfläche; Google TV wird nicht eingesetzt. Statt Play Store gibt es einen eigenen App-Store, in dem unter anderem VLC, Kodi, Disney+, Max, Spotify und Tidal zu finden sind. YouTube ist als TV-Version vorhanden. Netflix und Prime Video existieren ebenfalls, lassen sich laut Bedienmuster aber nur per Maus steuern – mit der Fernbedienung ist das unbequem, daher wird eine Bluetooth-Maus bzw. ergänzend eine Tastatur für die Passworteingabe praktisch. Wer lieber ohne Zusatzhardware startet, greift zur HDMI-Erweiterung per TV-Stick, der die Bedienung deutlich vereinfachen kann. Der Ton passt dagegen gut zum Geräteprofil: Zwei 10-W-Lautsprecher mit Dolby Audio liefern klar verständlichen Klang; bei sehr hohen Lautstärken kommt es zu Verzerrungen. Im Modus „ruhig“ bleibt der Lüfter angenehm leise, im Modus „Leistung“ steigt die Geräuschkulisse deutlich.

Unterm Strich richtet sich der Projestar Cine4K an Käufer, die natives 4K zu einem sehr niedrigen Preis wollen und dabei bewusst einen abgedunkelten Raum akzeptieren. Ab 422 Euro für Neukunden ist das Argument stark, denn der Beamer liefert detailreiche, gleichmäßige Schärfe und automatisiert seine Ausrichtung gut. Gleichzeitig bleiben die Kompromisse klar: Helligkeit, Software-Handling bei bestimmten Apps und der insgesamt kräftige Stromverbrauch im Leistungsmodus bremsen die Einsatzbandbreite. Wer eine Laser-Alternative bevorzugt, landet preislich meist deutlich höher – kann dafür aber eher mit besserer Effizienz und insgesamt „stimmigerem“ Bild bei wechselnden Lichtbedingungen rechnen. Für das Ziel „4K im Heimkino“ ist der Cine4K dennoch eine Option, wenn der Plan von Beginn an auf eine dunkle Umgebung hinausläuft.


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