LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU-Geldwäscheverordnung AMLR (Verordnung (EU) 2024/1624) ersetzt ab dem 10. Juli 2027 nationale Regelwerke durch ein harmonisiertes Vorgehen gegen AML/CFT. Zentrale Neuerung ist der strengere Beweisstandard: Verpflichtete Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihre Kontrollen wirksam sind. Für viele Marktteilnehmer rückt dabei die Identitätsverifizierung nach dem eIDAS-Referenzpunkt in den Fokus. Zusätzlich wird KYB durch wiederkehrende Prüfungen zur dauerhaften operativen Aufgabe.

EU AMLR 2027: Warum Identitätsverifizierung und KYB zur Pflicht werden
EU AMLR 2027: Warum Identitätsverifizierung und KYB zur Pflicht werden (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit dem Stichtag 10. Juli 2027 wechselt die EU von heterogenen nationalen Vorgaben zu einem einheitlichen AML/CFT-Regelwerk: Die AMLR (Verordnung (EU) 2024/1624) tritt laut Meldung in allen 27 Mitgliedstaaten in Kraft und unterstellt die Umsetzung der Aufsicht der neu geschaffenen europäischen Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AMLA). Entscheidend für die Praxis ist dabei weniger die reine Rechtsvereinheitlichung als der verschärfte Nachweischarakter: Verpflichtete Unternehmen sollen nicht nur „machen“, sondern auch belegen können, dass ihre AML-Kontrollen effektiv sind. Das verändert die technische Architektur von Compliance-Prozessen spürbar, weil Auditierbarkeit und lückenlose Prüfpfade vom Nebenprodukt zur Kernanforderung werden.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Identitätsverifizierung als grundlegender Baustein im gesamten Customer-Lifecycle. In Artikel 22 werden Unternehmen angehalten, auf verlässliche und unabhängige Quellen zurückzugreifen; parallel liefert der Entwurf der technischen Regulierungsstandards der AMLA nach Artikel 28(1) die Verifizierung als Referenzpunkt im eIDAS-Umfeld. In der Meldung wird dieser Ansatz mit den Sicherheitsniveaus der Customer Due Diligence (CDD) und der erweiterten Due Diligence (EDD) verknüpft: Eine eIDAS-orientierte Verifizierung soll demnach „substantielle“ Sicherheit für CDD und „hohe“ Sicherheit für EDD abbilden. Damit stellt sich für IT- und Compliance-Teams die Frage, wie sich eine eIDAS-konforme Identitätskette technisch in bestehende Onboarding- und Prüfprozesse integrieren lässt – nicht als Einmalfunktion, sondern so, dass sie auch später im Rahmen risikobasierter Kontrollen nachvollziehbar bleibt.

Für die Umsetzung spielt zusätzlich die zeitliche Kopplung an eIDAS 2.0 und die EUDI-Wallets eine Rolle: Unter eIDAS 2.0 sollen EU Digital Identity (EUDI) Wallets ab Ende 2026 verfügbar sein, und Unternehmen müssen sie nach der Einführung ab 2027 akzeptieren. Das trifft besonders diejenigen, die bislang stark auf manuelle Dokumentenprüfungen oder auf punktuelle Identitätsanbieter gesetzt haben. Denn mit der Wallet-Logik steigt der Bedarf an standardisierten, digital verwertbaren Verifikationssignalen, die sich in Workflows wie Remote-Onboarding, Freigabeentscheidungen und späteres Monitoring überführen lassen. In der Meldung wird zudem hervorgehoben, dass die AMLR nicht bei neuen Kunden stehen bleibt: Für bestehende Kunden verlangen Artikel 26 eine risikobasierte Aktualisierung von Aufzeichnungen. Genau hier drohen in vielen Organisationen „Compliance-Schulden“ aus älteren Prozessen, wenn Systeme nicht so umgebaut werden, dass sie auch Bestandsdaten mit neuen Verifizierungs- und Überwachungsanforderungen konsistent verknüpfen. Im Rahmen der europäischen Vorgaben zur Geldwäscheprävention gewinnt eine strukturierte AMLR Readiness an Bedeutung – spezialisierte Anbieter wie S+P Compliance begleiten Institute bei der praktischen Umsetzung.

Am anspruchsvollsten wird KYB (Know Your Business), weil sich Eigentümer- und Managementstrukturen über die Zeit ändern können. Die Meldung verweist darauf, dass Eigentum und Unternehmensführung nicht nur einmal beim Onboarding geprüft werden, sondern bei wesentlichen Änderungen erneut verifiziert werden müssen; damit wird KYB von einem Ereignis zu einer fortlaufenden Verpflichtung. Artikel 51 und 52 nennen außerdem die wirtschaftlich Berechtigten (Ultimate Beneficial Owners, UBO) als Zielobjekt, wobei mindestens 25 % Beteiligung relevant sind. Technisch bedeutet das: Unternehmensregister-Daten und UBO-Logiken müssen regelmäßig neu auswertbar sein, und die Ergebnisse müssen als prüfbarer Verlauf gespeichert werden. Wer dafür nur auf ein „einmaliges“ Daten-Refresh-Zyklus-Konzept setzt, wird schnell an Grenzen stoßen, sobald Ereignisse (z. B. Strukturänderungen) auftreten und die Überwachung in Echtzeit oder nahe an Echtzeit gefordert wird.

Ein weiterer Hebel liegt in der Verschiebung von Due Diligence hin zu laufender, risikobasierter Prüfung mittels Überwachung und Verhaltensindikatoren. Damit wird das klassische Modell „Onboarding plus periodische Reviews“ zu einem kontinuierlichen Prozess, in dem Identitätsrisiken im Zeitverlauf neu bewertet werden. In der Meldung wird zugleich betont, dass die Rechenschaftspflicht beim verpflichteten Unternehmen bleibt: Artikel 18 erlaubt zwar die Auslagerung von AML-Aufgaben, aber Verantwortung und Nachweisbarkeit können nicht vollständig delegiert werden. Praktisch heißt das, dass Anbieter zwar Prozesse übernehmen können, Unternehmen jedoch weiterhin sicherstellen müssen, dass Anbieter und Subanbieter die Kontrollen wirksam durchführen – und diese Wirksamkeit gegenüber einer Aufsicht belegbar bleibt. Für die IT-Organisation bedeutet das vor allem: Integrationen müssen nicht nur funktionieren, sondern auch nachvollziehbare Prüfpfade und exportierbare Evidenz bereitstellen.

Vor diesem Hintergrund positioniert sich Shufti in der Meldung als Plattformansatz, der mehrere AMLR-Bausteine in einem Workflow bündeln soll. Dazu zählt Remote-Onboarding mit eIDAS-Standard: Das System soll ID-Dokument und NFC-Chip auslesen, das Gesicht prüfen und eine lebendige Person über passive iBeta PAD-Level-3-Lebendigkeitserkennung bestätigen, mit Fokus auf die Erkennung von Deepfakes sowie Präsentations- und Replay-Angriffen. Ergänzend integriert die Meldung qualifizierte elektronische Signaturen (QES) direkt in denselben Prozess; so soll eine verifizierte Identität in einem Schritt in eine rechtsverbindliche Signatur übergehen, die im EU-/EWR-Kontext nach eIDAS anerkannt ist, inklusive einer zeitgestempelten Gewahrsamskette für den späteren Prüfnachweis. Außerdem werden Unternehmensverifizierung und laufende erneute KYB-Verifizierung über offizielle Register sowie AML-Screening und ständige Überwachung mit umfangreichen Datenquellen genannt, inklusive Verknüpfung von Warnungen mit verifizierten Identitäten und der Erzeugung STR-/SAR-fähiger Nachweise.

Wie sich diese Funktionsbreite in einen beurteilbaren Compliance-Standard übersetzen lässt, wird in der Meldung auch mit Blick auf die Auditierbarkeit adressiert. Shufti beschreibt einen automatisierten AML-Compliance-Lifecycle, bei dem Nutzer-/POC-Daten eingereicht werden und der End-to-End-Prozess bis hin zu fortlaufender Überwachung und erneuter Verifizierung in einem prüfbaren Pfad aufgezeichnet wird. Für Teams ohne interne Compliance-Funktion wird zusätzlich ein MLRO als Dienstleistung erwähnt. Den Kern der Erwartung, die hinter dem verschärften Beweisstandard steckt, bringt die Meldung über eine direkte Aussage des CEO Shahid Hanif auf den Punkt: „Wir haben Shufti als eine einzige Plattform für den gesamten Kunden-Lifecycle errichtet, damit Unternehmen diesen Standard mit einem einzelnen, zuständigen Anbieter einhalten und das auch nachweisen können.“ Für Unternehmen heißt das am Ende: Der organisatorische Aufwand verschiebt sich von „Toolauswahl“ hin zu „Nachweisfähigkeit“ – und die KI-/Identitäts- und Screening-Komponenten müssen so zusammenspielen, dass sich Entscheidungen im Ernstfall konsistent erklären und belegen lassen.


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