SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Quantencomputing könnte die Cybersicherheit schneller als erwartet gefährden. Zwei neue Studien von Google und Oratomic deuten darauf hin, dass Quantencomputer bald in der Lage sein könnten, bestehende Verschlüsselungssysteme zu knacken. Dies hat in der Branche Besorgnis ausgelöst und Diskussionen über die Dringlichkeit von quantensicheren Verschlüsselungstechnologien angestoßen.

Die jüngsten Entwicklungen im Bereich des Quantencomputings haben die Cybersicherheitsbranche in Alarmbereitschaft versetzt. Zwei unabhängige Studien, die am 31. März veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass Quantencomputer in naher Zukunft in der Lage sein könnten, bestehende Verschlüsselungssysteme zu durchbrechen. Diese Erkenntnisse stammen von einem Team bei Google und der Firma Oratomic, einem Startup aus Pasadena, Kalifornien.
Digitale Technologien, die auf Verschlüsselung und Authentifizierung basieren, wie Kreditkartensysteme, Kryptowährungen und Internetkommunikation, könnten bald anfällig für Angriffe durch Quantencomputer werden. Bisher ging man davon aus, dass diese Bedrohung erst in etwa zehn Jahren relevant werden würde. Doch die neuen Studien haben eine erneute Dringlichkeit in der Diskussion um quantensichere Verschlüsselungstechnologien ausgelöst.
Jintai Ding, Mathematiker an der Tsinghua-Universität in Peking, betont die Bedeutung dieser Entwicklungen. Die Ergebnisse haben zahlreiche Diskussionen unter Akademikern, Bankern und Krypto-Enthusiasten ausgelöst. Bas Westerbaan von Cloudflare, einem Unternehmen, das einen erheblichen Teil des weltweiten Internetverkehrs schützt, zeigt sich ebenfalls besorgt über die neuen Erkenntnisse.
Die Studie von Oratomic, einem Spin-off des California Institute of Technology, zeigt, dass die Anzahl der benötigten Qubits zur Entschlüsselung gängiger Sicherheitstechnologien deutlich geringer sein könnte als bisher angenommen. Durch die Kombination von Entwicklungen in der Quanten-Software und -Hardware könnte es möglich sein, die Sicherheitstechnologie P-256 mit nur 10.000 Qubits zu knacken.
Diese Fortschritte im Quantencomputing könnten nicht nur die Cybersicherheit beeinflussen, sondern auch Anwendungen in anderen Bereichen wie Materialwissenschaften, maschinellem Lernen und Optimierung beschleunigen. Experten wie Jens Eisert von der Freien Universität Berlin und Alexandre Dauphin von Pasqal in Paris sehen in diesen Entwicklungen großes Potenzial für die Zukunft.
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