LONDON (IT BOLTWISE) – Forscher haben den Ressourcen-Benchmark für eine zentrale Quantenoperation, die mit einem potenziellen Angriff auf Bitcoin und Ethereum in Verbindung steht, deutlich abgesenkt. Ihr neu optimierter Schaltkreis kommt auf 1.151 logische Qubits und 1,30 Millionen Toffoli-Gates. In einem öffentlichen Challenge-Programm sank der berechnete Cost-Score in etwa zwei Monaten um 86 Prozent. Damit wächst der Druck, Post-Quantum-Sicherheit langfristig und ohne Rückwärtskompatibilitätsversprechen einzuplanen.

Wer sich in der Kryptografie-Debatte bislang vor allem an der Frage „Wie schnell kommt die Quantenmaschine?“ festgehalten hat, bekommt mit dem neuen Benchmark einen zweiten, technischeren Maßstab. Ein Forscherteam hat den geschätzten Ressourceneinsatz für eine Schlüsseloperation reduziert, die in Szenarien diskutiert wird, in denen klassische Public-Keys durch Quantenverfahren angreifbar werden könnten. Der Ansatz ist bewusst keine „Angriffsbotschaft“, sondern ein Rechenmodell: Der Schaltkreis wird so beschrieben, dass man daraus die benötigten Quanten-Ressourcen ableiten kann.
Im Zentrum stehen zwei Kennzahlen, die das Paper zusammenführt. Erstens die Zahl der logischen Qubits, die als Arbeits-„Speicher“ des Schaltkreises fungieren. Zweitens die Anzahl der Toffoli-Gates, also der Mehrfach-„Kontroll“-Operationen, die in vielen Implementierungen den Laufzeitanteil stark prägen. Beide Größen werden zu einem einzigen Score kombiniert, indem man sie multipliziert; je kleiner der Wert, desto effizienter der Schaltkreis. In der öffentlichen Challenge sank dieser Score laut den Angaben von 10,75 Milliarden auf 1,496 Milliarden – das entspricht einem Rückgang um 86 Prozent binnen rund zwei Monaten.
Interessant ist auch, wie die neue Zahl in Relation zu früheren Benchmarks gestellt wird. Das Team nennt, dass die finale Ressourcenschätzung weniger als die Hälfte eines zuvor berichteten Benchmarks von Google Quantum AI beträgt. Gleichzeitig betont das Paper die Grenzen der Vergleichbarkeit: Google hatte im März eigene Schätzungen veröffentlicht und dabei ein Ziel für die Migration auf Post-Quantum-Kryptografie bis 2029 genannt, jedoch keinen konkreten Schaltkreis offengelegt. Außerdem arbeitete Google offenbar mit anderen Schnittstellen und Buchungskonventionen, weshalb der neue Wert eher als numerischer Kontext zu verstehen sei – nicht als formaler Beleg, dass der Schaltkreis in jeder Rechnungslogik „besser“ als der Google-Ansatz sei.
Für die Einordnung ist außerdem entscheidend, was der Schaltkreis nicht leistet. Die Autoren stellen klar, dass ihr Prozess keine Quanten-Attacke im engeren Sinne darstellt. Der Schaltkreis berücksichtige insbesondere keine physische Fehlerkorrektur und bilde auch keine vollständige Implementierung des bekannten Shor-Algorithmus ab. Das ist mehr als eine Fußnote, weil gerade die Fehlerkorrektur (Stichwort: wie viele physische Qubits benötigt werden, um logische Qubits zuverlässig zu realisieren) den Ressourcenbedarf in der Praxis massiv verschieben kann. Ein weiteres Detail: Auch wenn in der Challenge ein „Verifier“ veröffentlicht wurde, um andere Schaltkreise zu prüfen und ihren Cost zu berechnen, zeigt das Vorgehen vor allem, wie man die Rechenkette transparent macht – nicht, wie unmittelbar ein realer Angriff abläuft.
Die öffentliche Challenge selbst zog mehr als 100 Beitragende an – darunter Teams, die mit Ethereum-Ökosystemen, verschiedenen Kryptografie- und Infrastrukturprojekten sowie akademischen Einrichtungen verbunden sind. Praktisch relevant war dabei auch der Anschluss an bereits existierende Softwarewerkzeuge: Ein Team nutzte die veröffentlichte Verifier-Umgebung, um den Zusammenhang zu einer Anwendungsebene herzustellen, indem ECDSA als „Fail on May 30“-Kontext für das Test-Setup genannt wurde. Nach dem Paper-Cutoff gingen außerdem weitere Verbesserungen ein: Ein Entwurf erreichte 952.707 Toffoli-Gates, ein anderer fiel auf 813 logische Qubits. Allein diese Bandbreite zeigt, dass der „Kostenraum“ offenbar noch nicht ausgereizt ist – und dass die Optimierung an mehreren Stellen ansetzt, etwa bei der Schaltkreisstruktur und der Art, wie Logikbausteine verknüpft werden.
Während solche Ergebnisse die Quantenangst in eine messbare Engineering-Frage übersetzen, läuft parallel die klassische Vorbereitungsarbeit an Post-Quantum-Sicherheit. Bei Bitcoin wird der konkrete Handlungsdruck etwa über öffentliche Schlüssel-Risiken adressiert: Ein unabhängiges Beratungsgremium rund um Coinbase hatte im Juni geschätzt, dass etwa 7 Millionen BTC in Adressen liegen, deren Public Keys für eine zukünftige Quantenattacke angreifbar sein könnten, weil sie on-chain sichtbar sind – inklusive Coins aus Legacy-Adressbereichen und solchen, die durch Address-Reuse auffallen. Wichtig bleibt allerdings der Status quo: Laut denselben Angaben ist heute keine Quantenmaschine vorhanden, die Blockchain-Kryptografie unmittelbar „knacken“ kann.
Auf Ethereum zielt man längerfristiger und breiter: Das Ökosystem arbeitet darauf hin, bis Dezember 2029 vollständige Post-Quantum-Sicherheit über Ausführung, Konsens und Datenebene bereitzustellen. Genau hier passt das Statement von Theta Labs’ CTO Jieyi Long in die technische Logik der Studie: Es sei nicht „dringend, weil eine Attacke unmittelbar bevorsteht“, sondern dringend, weil die Gegenmaßnahmen mehrere Jahre dauern und nicht nachträglich für bereits existierende Konstrukte rückwirkend angewendet werden können. StarkWare-Mitgründer und CEO Eli Ben-Sasson brachte das inhaltliche Signal der Benchmark-Reduktion ebenfalls auf den Punkt: Wenn sich die Kosten zum Brechen von Bitcoin-Kryptografie halbieren, müssten auch die zuvor als „komfortabel“ betrachteten Zeitleitmodelle entsprechend korrigiert werden.
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