LONDON (IT BOLTWISE) – Reco hat 55 Millionen US-Dollar eingesammelt, um seine KI-Agent-Sicherheitsplattform deutlich auszubauen. Im Kern verknüpft das Unternehmen Agents über einen Kontext-Graphen mit Apps, Personen, Konten und Berechtigungen, damit Security-Teams sehen, was ein Agent erreichen kann. Laut CEO Ofer Klein ist der Treiber, dass Unternehmen KI-Agenten schneller bereitstellen als sie sie inventarisieren können. Reco will die Reichweite dafür unter anderem über neue Integrationen und Teams für Vertrieb und Support beschleunigen.

Reco sammelt 55 Millionen für KI-Agent-Sicherheit und Kontext-Graphen
Reco sammelt 55 Millionen für KI-Agent-Sicherheit und Kontext-Graphen (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Begriff „KI-Agents“ klingt für viele Teams noch nach Pilotprojekten, doch in der Praxis werden Agenten zunehmend wie ein weiteres System im Netzwerk behandelt. Genau dort setzt Reco an: Das Startup, das bislang vor allem Software zum Mapping und zur Absicherung von SaaS- und KI-Umgebungen verkauft hat, positioniert sich nach eigenen Angaben stärker als Anbieter für „Agent-Security“ im Sinne eines durchgängigen Ökosystem-Blicks. Während sich traditionelle Sicherheitsmodelle oft auf Zugriffe von Personen oder festen Services stützen, entstehen bei Agenten schnell schwer nachvollziehbare Wege: Tool-Aufrufe, Datenfreigaben, Berechtigungswechsel und Laufzeitentscheidungen können sich parallel zu Unternehmensprozessen verändern.

Mit der neuen strategischen Ausrichtung stellt Reco eine Architektur in den Mittelpunkt, die nicht bei einzelnen Detektionsregeln endet, sondern Agenten in Beziehung zu Identitäten, Systemen und Rechten setzt. Die Plattform arbeitet dabei mit einem Kontext-Graphen, der Agents mit Apps, Menschen, Konten und Permissions verknüpft. Dadurch entsteht für Security-Teams ein abbildbares „Reach“-Modell: Was kann ein Agent erreichen, über welche Tools, und welche Datenflüsse wären möglich? Reco will dieses Bild nicht nur aus den direkt angebundenen SaaS-Anwendungen ableiten, sondern auch Agents außerhalb der eigenen App-Beziehungen über Signale aus Browser- und Netzwerkaktivitäten finden. Gleichzeitig legt die Lösung Kontrollen nach, um nicht benötigten Zugriff zu unterbinden – inklusive der Möglichkeit, Prompts und Tool-Calls zu inspizieren.

Dass das Thema schnell skaliert, begründet Reco mit konkreten Inventarisierungsproblemen. CEO Ofer Klein beschreibt als zentralen Wandel innerhalb des vergangenen Jahres, dass Unternehmen Agenten schneller bauen und ausrollen, als Security-Organisationen mit Monitoring und Bestandsführung nachkommen. In einem Fortune-100-Kundenfall fand die Plattform nach seinen Angaben rund 21.000 Agents, die zuvor nicht bekannt gewesen seien. Bei einem großen Finanzdienstleister identifizierte Reco zudem einen Agenten, den ein ehemaliger Mitarbeiter eingerichtet haben soll, der auf Salesforce zugreifen konnte und Daten an eine Domäne weitergab, die im Unternehmen zuvor offenbar nicht ausreichend sichtbar war. Das unterstreicht eine typische Sicherheitslücke bei Agenten: Selbst wenn das eigentliche Agenten-Framework kontrolliert wird, können Konfigurationen, Berechtigungen und Endpunkte „darüber hinaus“ entstehen.

Der Finanzierungs-Schritt passt in ein Umfeld, in dem sich viele Anbieter um ähnliche Kontrollversprechen gruppieren. Laut Marktüberblicken, die sich auf öffentliche Profile stützen lassen, arbeiten mehrere Startups an Agent-Sicherheitsfunktionen aus unterschiedlichen Winkeln: manche prüfen, welche Tools Agents nutzen; andere helfen beim Governance-Ansatz für Datenzugriffe; wieder andere setzen auf Detektion und Response direkt auf den Devices, auf denen Agents laufen. Hinzu kommt ein Teilbereich, der unautorisierte KI-Nutzung im Unternehmen sichtbar machen soll. Technisch überschneiden sich dabei Konzepte wie Knowledge Graphs, kontinuierliches Monitoring, Runtime-Security, Tool-Access-Kontrollen und Ansätze zur Prüfung von Schnittstellen- oder Modellnutzung. Reco adressiert dieses Feld mit einem klaren Fokus auf Kontext-Verknüpfung und „Cut-off“-Mechanismen, statt nur Einzelereignisse zu melden.

Mit der neuen Kapitalrunde baut Reco diese Positionierung weiter aus. Das Startup meldet, dass es 55 Millionen US-Dollar erhalten hat – aufbauend auf einer Series-B-Runde über 30 Millionen US-Dollar im Februar. Als Investoren werden unter anderem die Beteiligung über die Venture-Sparte von AT& T sowie Forestay und Quadrille Capital genannt. Reco beziffert sein Bewertungsniveau als „mehr als verdoppelt“ seit der Series B und nennt eine grobe Einordnung im „high hundreds of millions“ Bereich, ohne konkrete Zahl. Gleichzeitig nennt das Unternehmen eine Annual Recurring Revenue in den „double-digit millions of dollars“ und erwartet, dass sich diese Kennzahl im laufenden Jahr verdreifachen kann. Für den Markt ist das insofern relevant, als Agent-Security-Software häufig erst dann in Budgetlinien rückt, wenn der Nachweis gelingt, dass zuvor „unsichtbare“ Agenten und Datenwege reale Kosten- und Risikoquellen darstellen.

Operativ will Reco die Mittel für Hiring, Sales, Partnerschaften und Customer Support einsetzen. Das Produkt ist dabei nicht bei einem einzigen Integrationspunkt geblieben: Reco integriert derzeit mehr als 280 Apps, und nach Angaben des CEOs lassen sich neue Integrationen innerhalb von Tagen ergänzen. Technisch nutzt die Plattform laut Darstellung Browser- und Netzwerk-Signale, um Agenten auch dort zu erkennen, wo sie nicht direkt in den angebundenen Apps „sichtbar“ sind. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eine Verschiebung von reaktiver Incident-Response hin zu fortlaufender Kontrolle: Security-Teams sollen nicht erst nach dem ersten Vorfall aufwachen, sondern schon beim Setup und während der Laufzeit Grenzen ziehen können. Ob der Kontext-Graph dabei gegenüber reinen Detektionsansätzen dauerhaft Vorteile bringt, wird sich daran messen lassen, wie schnell sich die „Reach“-Modelle in konkreten Betriebsabläufen mit Genehmigungs- und Abschaltprozessen verbinden lassen.

Unterm Strich zeigt die Runde von Reco, dass Agent-Security zunehmend als Plattformproblem verstanden wird. Nicht „der Agent“ ist allein die Herausforderung, sondern die Kette aus Tools, Berechtigungen, Identitäten, Umgebungen und Datenflüssen, die sich zur Laufzeit zusammensetzen kann. Mit seinem Kontext-Graphen zielt Reco darauf, diese Kette auditierbar zu machen und das Sicherheitsniveau zu erhöhen, bevor Agenten produktiv auf kritische Systeme zugreifen. Für CIOs und CISOs ist das ein Signal, dass sie bei KI-Initiativen künftig nicht nur die Modellqualität betrachten sollten, sondern auch die Betriebsführung der Agenten – inklusive Inventar, Governance und Runtime-Kontrollen.


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