DEUTSCHLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Redcare Pharmacy zeigt im dritten Quartal eine spürbar bessere Entwicklung als vom Markt erwartet. Der Umsatz stieg auf 847 Millionen Euro (+18 Prozent), der operative Gewinn (bereinigtes EBITDA) kletterte um 68 Prozent auf 28,7 Millionen Euro. Besonders stark wuchsen in Deutschland rezeptpflichtige Arzneien, getrieben vom anhaltenden E-Rezept-Trend. Gleichzeitig geriet die Aktie nach einer Kurserholung unter Gewinnmitnahmen, während der Konzern die Ziele für das laufende Jahr bestätigte.

Der E-Rezept-Boom in Deutschland wirkt sich nicht nur auf den Apothekenalltag aus, sondern auch direkt auf die Geschäftszahlen von Online-Apotheken. Redcare Pharmacy, in Deutschland unter anderem unter der Marke Shop Apotheke aktiv, hat im dritten Quartal mit einem Umsatzanstieg und einem deutlich höheren operativen Ergebnis geliefert. Laut den vorliegenden Quartalsangaben wurden 847 Millionen Euro umgesetzt, das entspricht einem Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auffällig ist dabei vor allem die Geschwindigkeit, mit der der Konzern nach einer bereits im September erfolgten Prognoseanhebung nachgelegt hat: Die bestätigten Ziele unterstreichen, dass die Nachfrage nicht nur kurzfristig getragen wurde.
Operativ stützt sich das Wachstum auf eine Mischung aus Produktmix und Kostendisziplin. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 68 Prozent auf 28,7 Millionen Euro. Noch stärker spürbar wird der Ergebnishebel über die bereinigte operative Marge: Sie zog um einen Prozentpunkt auf 3,4 Prozent an. In der Begründung wird vor allem auf niedrigere bereinigte Vertriebskosten verwiesen, konkret etwa auf Marketingaufwendungen. Für Anleger und Management bedeutet das: Der Konzern kann die höheren Umsätze nicht nur in mehr Volumen übersetzen, sondern auch in eine bessere Profitabilität – ein entscheidender Faktor in einem Markt, in dem der Wettbewerb laut Darstellung zunehmend intensiver wird.
Ein wesentlicher Treiber liegt im Segment der rezeptpflichtigen Medikamente. Fast ein Viertel der Umsätze stammte in den drei Monaten bis Ende September aus diesem Bereich in Deutschland; dort wuchs der Umsatz um 56 Prozent auf 197 Millionen Euro. Parallel erzielte Redcare im Segment der nicht rezeptpflichtigen Produkte 489 Millionen Euro, was einem Plus von 9 Prozent entspricht. Diese Kombination ist strategisch relevant: Rezeptpflichtige Arzneien gelten als schwerer zu substituieren, während OTC-Produkte stärker über Preis- und Sortimentsdynamiken reagieren. Zudem nennt der Konzern einen spürbaren Kundenzuwachs: Die Zahl aktiver Kunden und Kundinnen stieg innerhalb von drei Monaten um 0,5 Millionen auf 15,2 Millionen.
Die Kapitalmarktreaktion fällt dabei zweigeteilt aus. Die Aktie, im SDAX notiert, stand nach Verlusten von bis zu 7 Prozent am frühen Nachmittag noch mit rund 3 Prozent im Minus bei 76,75 Euro, während sie zuvor seit einem Zwischentief im September bei 50,50 Euro fast 60 Prozent an Wert hinzugewonnen hatte. Solche Muster sind typisch, wenn gute Zahlen zwar die operative Story bestätigen, aber ein Teil der Erwartungen bereits in der Kursentwicklung enthalten war. Auch die Einschätzung durch Analysten ordnet das Quartal ein: Aus der Perspektive von Jefferies wird die Geschäftsdynamik als anhaltend beschrieben, während MWB Research die Neunmonatszahlen als solide bewertet und den Ausblick für das Schlussquartal als vernünftig einordnet. Entscheidend ist für den weiteren Kursverlauf dann weniger der einzelne Quartalswert, sondern die Frage, ob der Konzern die angehobenen Erwartungen aufrechterhält.
Für die nächsten Schritte hat das Management klare Hebel benannt und zugleich konkrete Prognosen genannt. Redcare will an den Ergebnissen anknüpfen, indem der Marketingmix weiter optimiert und die operativen Skaleneffekte verstärkt werden, um die Größe in allen Segmenten in höhere Profitabilität umzusetzen; Konzernchef Peter Schmid von Linstow formulierte: „Wir werden unseren Marketingmix weiter optimieren und die operativen Skaleneffekte verstärken, um unsere Größe in allen Segmenten in eine höhere Profitabilität umzusetzen“. Auf Unternehmensebene ist das vor allem ein Metrik-Thema: Wenn Vertriebskosten weniger stark mitwachsen als der Umsatz, steigt der operative Leverage. Gleichzeitig ist die Ausrichtung auf E-Rezepte in Deutschland für den Planungspfad zentral.
Im Ausblick erwartet der Konzern für 2026 ein Umsatzwachstum von 16 bis 18 Prozent. Das Geschäft rund um E-Rezepte in Deutschland soll dabei besonders stark zulegen. Ergänzend wird für das Gesamtjahr eine bereinigte EBITDA-Marge von 2,5 bis 3,0 Prozent genannt, nachdem 2025 bei 2,0 Prozent gelegen hatte. Diese Spanne ist zugleich ein Benchmark für die nächsten Quartale, weil sie zeigt, dass das Management nicht nur Wachstum in den Vordergrund stellt, sondern auch eine schrittweise Verbesserung der Ergebnisqualität. Für Marktteilnehmer ist außerdem relevant, dass unter dem Strich ein Gewinn von 1 Million Euro ausgewiesen wurde, nach einem Verlust von 7 Millionen Euro im Vorjahr. Damit rückt neben der operativen Marge auch die Stabilisierung beim Bottom-up-Ergebnis ins Blickfeld.
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