KIEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Ab dem 19. August bietet die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft einen kostenfreien Resilienz-Workshop in Kiel an. Der Kurs richtet sich an Krebsbetroffene und wird von Claudia Artz geleitet. Parallel verschärft sich in Unternehmen die Debatte um hybride Bedrohungen wie Sabotage, Cyberattacken und Drohnenanschläge. Die gleiche Frage steht damit in zwei Welten: Wie schafft man belastbare Sicherheits- und Lebensstrategien, ohne in Perfektionismus zu kippen?

Der Resilienz-Workshop in Kiel ist auf den ersten Blick ein Angebot für Menschen mit einer schweren Diagnose. Genau deshalb ist er technologisch und organisatorisch für viele Entscheider bemerkenswert: Denn die Quelle verknüpft gesellschaftliche Krisenfestigkeit mit konkreten Sicherheitslücken und zeigt, wie sehr „Belastbarkeit“ in den Köpfen an Bedeutung gewinnt. Ab dem 19. August startet die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft mit einem kostenfreien Format, das Krebsbetroffene im Umgang mit Fehlern und Belastungen unterstützen soll. Unter der Leitung von Claudia Artz geht es dabei nicht um die Vermeidung von Rückschlägen, sondern um eine Haltung, die auch nach Störungen handlungsfähig bleibt.
Während im Gesundheitsbereich Selbstmitgefühl statt Perfektionismus in den Vordergrund rückt, zieht die IT- und Security-Welt gleichzeitig härtere Konsequenzen aus einer anderen Art von Stress. Laut einer Bitkom-Umfrage vom 06.08.2026 halten 87 Prozent der Unternehmen eine ernsthafte Krise durch Sabotage, Cyberattacken oder Drohnenanschläge für wahrscheinlich. Trotzdem sieht nur ein Drittel die eigene Lage in Deutschland als ausreichend vorbereitet. Der Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle vom 05.08.2026 wirkt dabei als Katalysator: Bundesweit wird die Frage gestellt, ob kritische Infrastrukturen noch ausreichend gegen physische und digitale Angriffswege geschützt sind und ob Sicherheitskonzepte schnell genug zusammenwachsen.
Dass die Debatte nicht bei der Bedrohungsbeschreibung endet, spiegelt sich in zwei politischen Hebeln wider, die für die Umsetzungslogik entscheidend sind. Zum einen sollen das Infrastruktur-Zukunftsgesetz und das Vergabebeschleunigungsgesetz Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen, damit Modernisierung nicht an Behörden-Takten und Ausschreibungszyklen hängen bleibt. Zum anderen wird mit einem Investitionsbooster ab dem 01.01.2026 die Forschungsförderung konkret angestoßen: Die Bemessungsgrundlage für die Forschungszulage steigt von 10 auf 12 Millionen Euro pro Verbund, kleine und mittlere Unternehmen erhalten einen Fördersatz von 35 Prozent. Dazu kommen degressive Abschreibungen von bis zu 30 Prozent bis 2027 sowie Sonderabschreibungen für Elektrofahrzeuge. In der Praxis bedeutet das für Tech- und Engineering-Teams: Resilienz wird nicht nur als Trainingsziel verstanden, sondern auch als Budget- und Taktfrage.
Das Herzstück der technologischen Umsetzung bleibt jedoch Cyberabwehr, weil sich dort die größten Hebel in kurzer Zeit identifizieren lassen. Die Aon-Studie „Global Risk Management Survey 2025“ ordnet Cyberrisiken und Betriebsunterbrechungen als dominierende Sorgen ein, gleichzeitig hinkt die finanzielle Quantifizierung nach: Nur 17 Prozent der Unternehmen in Österreich beziffern ihre Cyberrisiken finanziell. Positiv ist, dass laut der gleichen Darstellung rund 90 Prozent der Manager Überprüfungsprozesse für Sicherheitsstrategien angestoßen haben. Für Deutschland kommt hinzu, dass die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie bewusst über EU-Mindeststandards hinausgeht („Gold-Plating“) und die Entscheidung dafür bereits im Juni gefallen sein soll. Aus Sicht der Informationssicherheit verschiebt das die Erwartung an Organisationen: Nicht nur Basiskontrollen werden erwartet, sondern eine nachhaltige, besser harmonisierte Cybersicherheitslandschaft.
Technik bleibt dennoch nicht automatisch wirksam, wenn die Menschen darin nur Druck erleben. Die Quelle bringt genau diesen Punkt über Psychologie ins Spiel: Ein wachsender Druck zur Selbstoptimierung lässt sich in vielen Unternehmen beobachten, etwa wenn Performance- und Fehlerkultur immer stärker gegeneinander laufen. Eine Therapeutin der Universität Bremen empfiehlt als Gegenstrategie die Praxis des Selbstmitgefühls – also die Behandlung des eigenen Ichs in Fehlerphasen wie die eines guten Freundes. Das ist für Security-Leader mehr als Wohlbefinden: Wer nach einem Incident reflexhaft in Schuldzuweisungen abrutscht, reduziert Meldebereitschaft und verlangsamt Lerneffekte. Selbstmitgefühl wirkt in diesem Kontext wie eine „kognitive Resilienzschicht“, die es Teams erlaubt, Ursachenanalyse, Dokumentation und Verbesserungsmaßnahmen konsequent durchzuziehen, statt sich emotional zu verkrampfen.
Der Resilienz-Workshop in Kiel passt deshalb auch in den Sicherheitszyklus von Unternehmen. Angeboten werden dort konkrete Hilfen für den Umgang mit schweren gesundheitlichen Belastungen; übertragen gedacht, geht es um die Fähigkeit, mit realen Grenzen zu arbeiten und trotzdem handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig wird in der Quelle auch der Zivilschutz neu diskutiert: Der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein fordert einen umfangreichen Zivildienst von bis zu 12 Monaten, während das DRK auf eine verlässliche Finanzierung für den ehrenamtlichen Katastrophenschutz verweist. Für Tech-Organisationen heißt das: Resilienz ist nicht nur ein Softskill oder ein Cyber-Kontrollkatalog. Sie entsteht auch aus verlässlichen Kapazitäten, aus belastbaren Einsatz- und Unterstützungsstrukturen und aus dem Zusammenspiel zwischen staatlicher Organisation, Infrastrukturbetreibern und Zivilgesellschaft.
Am Ende laufen zwei Diskussionsstränge auf dasselbe Prinzip hinaus. Die politische Agenda zielt auf Tempo bei kritischer Infrastruktur und auf beschleunigte Förder- und Genehmigungsprozesse, während die Sicherheitsagenda gleichzeitig die Lücke zwischen Bedrohungswahrnehmung und tatsächlicher Vorbereitung sichtbar macht. Der Workshop für Krebsbetroffene zeigt dabei exemplarisch, wie wichtig es ist, Rückschläge in einen Lernmodus zu verwandeln – ohne sich selbst zu verurteilen. Wer beides zusammendenkt, kann in Unternehmen neue Prioritäten setzen: Incident-Response nicht nur als Technikprojekt planen, sondern auch als Organisations- und Kulturprozess; Cyberrisiken nicht nur identifizieren, sondern messbar machen und mit realistischen Budgets absichern. Ab dem 19. August startet das Angebot in Kiel – und zugleich liefert die Diskussion um Drohnenfunde, NIS-2-„Gold-Plating“ und fehlende finanzielle Risiko-Quantifizierung einen klaren Auftrag: Belastbarkeit muss in Köpfen, Prozessen und Systemen gleichzeitig gebaut werden.
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