ALASKA / LONDON (IT BOLTWISE) – Rocket Lab hat von der Space Force einen festpreisgebundenen Vertrag über 266 Millionen US-Dollar erhalten, um suborbitale Starts von Alaska aus durchzuführen. Das Programm umfasst 12 Starts mit einer Option auf 6 weitere Starts. Arbeiten am Pacific Spaceport Complex sind bis spätestens 31. Dezember 2028 geplant. Für die Raumfahrtbranche ist vor allem wichtig, dass suborbitale Testkapazität damit planbar skaliert und in den staatlichen Beschaffungszyklus eingebettet wird.

Rocket Lab baut seine Rolle als Test- und Startanbieter für sicherheitsrelevante Flugprofile weiter aus: Die Space Force hat einen festpreisgebundenen Auftrag über 266 Millionen US-Dollar vergeben, der suborbitale Starts vom Pacific Spaceport Complex in Alaska umfasst. Konkret soll das Unternehmen 12 suborbitale Startfahrzeuge fliegen; zusätzlich gibt es eine Option für sechs weitere. Damit wird aus einem eher punktuellen Testgeschäft ein stärker planbares Subsystem innerhalb der militärischen Versuchsarchitektur, in der möglichst schnell Messdaten über Flugverhalten, Aerodynamik und Testziel-Interaktionen benötigt werden.
Der Zeitplan wirkt wie ein Signal für die Art von Beschaffung, die derzeit im US-Verteidigungsumfeld bevorzugt wird: Die vertraglich vereinbarten Arbeiten sollen bis zum 31. Dezember 2028 abgeschlossen sein. Finanziell wird das Vorhaben zum Zeitpunkt der Vergabe mit 112 Millionen US-Dollar an Mitteln aus dem Budgetjahr 2025 für Forschung, Entwicklung, Erprobung und Bewertung unterlegt. Der Vertrag wurde nach einem wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren vergeben und liegt damit nicht nur als „Einzelentscheidung“ auf dem Tisch, sondern folgt einem Prozess mit mehreren Angeboten. Zuständig ist das Contracting Office der Space Systems Command, angesiedelt am Kirtland Air Force Base in Albuquerque, New Mexico.
Technisch knüpft die suborbitale Fähigkeit an eine bestehende Entwicklungs- und Testlinie an: Rocket Lab hat in seinem Aufbau eines suborbitalen Testgeschäfts die Hypersonic Accelerator Suborbital Test Electron-Plattform, kurz HASTE, in den Mittelpunkt gestellt. HASTE ist ein Testbed, das aus der Electron-Kleinststart-Rakete abgeleitet wurde, und wurde 2023 eingeführt. Rocket Lab nutzt diese Plattform, um hypersonische Testflüge zu unterstützen – und zwar nicht nur als generisches „Testflugprogramm“, sondern bereits für Regierungs- und Behördenkunden, inklusive Arbeiten, die mit der Defense Innovation Unit sowie mit dem Targets- und Countermeasures-Programm der Missile Defense Agency verknüpft sind.
Damit passt der neue Auftrag in ein Gesamtbild, das sowohl den Start als auch die Datenlieferkette adressiert: Suborbitale Missionen sind für solche Testreihen attraktiv, weil sie hochdynamische Profile relativ schnell abbilden und im Vergleich zu orbitalen Missionen schneller in iterativen Zyklen zu belastbaren Ergebnissen führen können. Für Unternehmen wie Rocket Lab bedeutet das, dass sie nicht nur Trägerkapazitäten bereitstellen, sondern eine wiederholbare Test-Infrastruktur betreiben müssen: Dazu zählen die Integration von Nutzlasten, die betriebliche Vorbereitung am Raumhafenstandort und die Fähigkeit, Hypersonik- und Ziel-/Gegenmaßnahmen-Tests so zu unterstützen, dass nach dem Flug die gewonnenen Daten zuverlässig in die nächste Ausbaustufe fließen. Genau diese Kombinationslogik erklärt, warum der Vertrag als „Suborbital Launches“-Leistung beschrieben wird und nicht lediglich als einzelner Start.
Auch in den breiteren Markt- und Portfolio-Bezug lässt sich die Entscheidung einordnen. Rocket Lab verfolgt laut dem vorliegenden Kontext eine wachsende Bundes-Pipeline: Im Juni wurde das Unternehmen von NASA ausgewählt, um zwei Sun- und Earth-Science-Missionen mit Electron-Raketen zu starten. Gleichzeitig verschärft Rocket Lab seine Wachstumsstrategie über Zukäufe und strategische Beteiligungen. Ende Mai wurde zunächst die Übernahme des Raumfahrt-Robotics-Anbieters Motiv Space Systems angekündigt, und im gleichen Zeitraum stimmte das Unternehmen einem Deal zur Akquise des Satellitenkommunikationsbetreibers Iridium in einer Größenordnung von rund 8 Milliarden US-Dollar in Form von Barmitteln und Aktien zu. Aus Sicht des Managements soll dabei insbesondere die Kombination aus Iridium-Spektrum und -Netzwerk mit Rocket-Lab-Start- und Fertigungskompetenz neue Märkte öffnen.
Für die Raumfahrtindustrie ist dabei weniger die einzelne Vertragssumme entscheidend als die Wiederverwendbarkeit des Geschäftsmodells: Wenn 12 Starts plus Option auf weitere 6 in einem festen Zeitraum beschafft werden, entsteht für Zulieferer, Integrationspartner und auch für die Betreiberseite am Standort eine planbare Auslastung. Das reduziert für Auftragnehmer typischerweise das Risiko, Kapazitäten nur „nach Bedarf“ hoch- und wieder herunterfahren zu müssen. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb innerhalb des suborbitalen Segmentes: Wer Testbed-, Start- und Integrationskompetenz eng genug verzahnt, kann Ausschreibungen eher als durchlaufendes Programm bedienen. In diese Wettbewerbssituation fällt auch, dass suborbitale Testkapazitäten zunehmend als Baustein für weitere Zielbilder genutzt werden – etwa für die Vorbereitung von Sensorik-, Abwehr- oder Gegenmaßnahmenkonzepten.
Abschließend lässt sich aus dem Auftrag eine klare Stoßrichtung ableiten: Rocket Lab positioniert sich nicht nur als Raketenhersteller, sondern als Anbieter einer wiederholbaren Teststrecke – vom Standort in Alaska über das HASTE-basierte Testprofil bis hin zur Abwicklung im Rahmen staatlicher Beschaffung. Der Vertrag mit Abschlussziel bis 2028 schafft eine konkrete operative Perspektive, während die Finanzierung aus Mitteln des Jahres 2025 den unmittelbaren Entwicklungs- und Bewertungsbedarf abdeckt. Parallel zeigt die Kombination aus NASA-Electron-Missionen, Robotics-Zukauf und Iridium-Integration, dass Rocket Lab die industrielle Kette breiter macht – und damit die Chancen erhöht, dass suborbitale Fähigkeiten in Zukunft stärker mit Kommunikations- und Systemkomponenten zusammengeführt werden.
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