GREENBELT / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Nancy Grace Roman Space Telescope hat das Wide Field Instrument erfolgreich im Orbit hochgefahren. Das 300-Megapixel-Infrarot-Subsystem durchläuft nun die nächsten Schritte der mehrmonatigen Inbetriebnahme, nachdem die Heizung abgeschaltet und die Detektoren stark heruntergekühlt wurden. Parallel haben Teams auch erste Checks am Coronagraphen abgeschlossen, einschließlich der Kommunikations- und Fernsteuerbarkeit mehrerer Baugruppen. Ziel bleibt, die ersten wissenschaftlichen Bilder Anfang 2027 zu veröffentlichen.

Der nächste Meilenstein im Betrieb des Nancy Grace Roman Space Telescope wirkt auf den ersten Blick unspektakulär: „eingeschaltet“. Technisch steckt dahinter jedoch ein kompletter Funktionsnachweis für zwei zentrale Instrumente, die später sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen sollen. Laut den Missionsteams wurde das Wide Field Instrument (WFI) nach einem ersten thermischen und technischen Aufbau so weit stabilisiert, dass die 18 Infrarot-Detektoren aktiv werden konnten. Damit kann das Teleskop künftig nicht nur große Himmelsareale systematisch abscannen, sondern gleichzeitig Details erfassen, die für schwache Signale weit über dem Hintergrundrauschen entscheidend sind.
Das WFI ist für einen ungewöhnlichen Spagat ausgelegt: eine breite Sicht auf den Himmel und eine Schärfe, die an klassische Weltraumteleskope erinnert. In der Planung soll jede einzelne Aufnahme einen Himmelsbereich abdecken, der größer ist als der scheinbare Durchmesser eines Vollmonds. Genau diese Kombination macht die Instrumentierung für große kosmische Vermessungen interessant, weil die Mission damit statistisch belastbare Datenmengen zusammenbekommt, ohne jedes Ziel einzeln „abzuarbeiten“. In den kommenden Monaten steht deshalb nicht nur „Betrieb“ auf dem Programm, sondern eine gestufte Inbetriebnahme im Rahmen des Commissionings, während Roman sich weiter etwa eine Million Meilen Richtung Zielorbit am zweiten Lagrange-Punkt (L2) bewegt.
Bevor Ingenieure das Instrument überhaupt in den eigentlichen Messbetrieb schicken konnten, mussten sie die Detektoren kontrolliert herunterkühlen und von möglichen Rückständen befreien. Im beschriebenen Ablauf verbrachte das WFI 10 Tage damit, auszutrocknen und eine Decontamination zu durchlaufen, während die Detektoren bei minus 85 Fahrenheit (minus 65 Celsius) „warm im Vergleich“ zur Endtemperatur gehalten wurden. Am 11. September schaltete das Team den Instrumenten-Heater ab und ließ das WFI auf minus 225 Fahrenheit (minus 143 Celsius) abkühlen; erst in diesem Temperaturfenster konnten die 18 Infrarotdetektoren aktiviert werden. Danach kam der nächste Schritt: Am selben Abend wurde das Kalibrationssystem eingeschaltet, anschließend sendeten die Teams Testdaten durch das WFI und ließen die Ergebnisse zur Auswertung auf die Erde zurückfließen.
Die Inbetriebnahme wurde zudem durch mechanische und optische Teilfunktionen ergänzt, die für die Bildqualität entscheidend sind. So wechselten die Teams zur Prüfung des sogenannten Element Wheels, das Filter, Prismen und weitere optische Komponenten enthält. Dieses System bestimmt, welche Lichtwellenlängen die Detektoren erreichen, und kann Licht aus kosmischen Quellen in einzelne Farben bzw. Spektralbereiche aufteilen. Auffällig ist dabei der Hinweis, dass es sich um den ersten Test ohne Gravitation handelte. Noch wichtiger für die Langzeitmission: Bis zum Sonntag wurde auch die Fokussiermechanik geprüft, die später dafür sorgen muss, dass die erwarteten hunderttausenden Aufnahmen korrekt fokussiert und reproduzierbar scharf werden. Währenddessen kühlten die Detektoren weiter Richtung der Zieltemperatur von etwa minus 300 Fahrenheit (minus 183 Celsius) ab, und die Ergebnisse zeigten, dass das WFI „wie erwartet“ arbeitet.
Für den Ausblick zählt vor allem die Terminlogik des Projekts: Roman soll weiterhin planmäßig seine ersten wissenschaftlichen Bilder Anfang 2027 bereitstellen. Im gleichen Betriebsschnitt läuft parallel der erste Teil der Testkette für den Coronagraph Instrument. Dieser ist auf die direkte Abbildung von Planeten ausgelegt, die andere Sterne umkreisen, und adressiert dabei ein Kernproblem der Exoplanetenforschung: Der Glanz eines Sterns überstrahlt das sehr viel schwächere reflektierte Licht eines Planeten massiv. Der Coronagraph kombiniert dafür Optiken, Masken, selbstverformende (self-flexing) Spiegel und Sensorik, um das störende Sternlicht gezielt zu unterdrücken und damit überhaupt eine Beobachtung im „dunkleren Restbereich“ zu ermöglichen.
Auch hier stand zunächst der technische Nachweis im Vordergrund. Teams am Coronagraph Commanding Center am Caltech/IPAC in Pasadena prüften, dass die Kommunikation mit allen wesentlichen Teilen des Instruments funktioniert. Dazu zählen Softwarekomponenten, thermische Steuerungen, Mechanismen, Kameras sowie die Avionik, die die Systeme betätigt und überwacht. „Praktisch“ übersetzt heißt das: Die Bodenmannschaft kann die verschiedenen Baugruppen aus der Ferne steuern, inklusive der beweglichen Mechanismen, die Masken, Farbfilter, Linsen und Prismen positionieren. Zusätzlich wurde die Thermik getestet, sodass das Hardwarepaket auf die Betriebstemperatur gebracht werden kann; im Text wird dabei von etwa 72 Fahrenheit (22 Celsius) gesprochen. Da der Coronagraph – abgesehen von seinen Detektoren – nahe Raumtemperatur betrieben werden soll, lassen sich Tests effizienter durchführen und gleichzeitig die Materialeigenschaften bewahren, die bei den deformierbaren Spiegeln nötig sind. Selbst die Decontamination-Strategie wird weitergeführt: Die Detektoren sollen 30 Tage in bestimmten Zuständen verbleiben, damit sich Rückstände wie Wasser oder Spuren von Chemikalien vorzugsweise wieder lösen können. Insgesamt zeigt der Fortschritt, wie eng bei Weltrauminstrumenten Mechanik, Thermodynamik und Datenpipeline zusammenwirken: Erst wenn Temperaturkurven, Schaltvorgänge, Kalibrierlogik und optische Mechanismen koordiniert zusammenspielen, wird aus „Instrument an“ ein wirklich nutzbares Beobachtungssystem.
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