LONDON (IT BOLTWISE) – Apple plant, Rosetta 2 im Jahr 2027 einzustellen und damit die Unterstützung für Intel-Apps auf dem Mac vollständig zu beenden. Mit macOS 26.4 kamen bereits Warnhinweise für betroffene Intel-basierte Anwendungen, und der Emulator soll mit macOS 27 komplett entfernt werden. Wer nach dem Upgrade auf macOS 28 noch ausschließlich Intel-Software nutzt, verliert damit die Funktionsfähigkeit. Parallel arbeiten Entwickler an nativen Alternativen wie CrossOver 27 mit Fokus auf ARM64.

Der angekündigte Abschied von Rosetta 2 ist weniger eine Symbolik-Entscheidung als eine harte technische Zäsur im macOS-Ökosystem. Apple beschleunigt damit den Architekturwechsel hin zu einer „rein ARM-basierten“ Plattform und zieht die Konsequenz daraus, dass Übersetzungsschichten langfristig Wartungs- und Sicherheitskosten verursachen. Genau diese Schicht betrifft Anwendungen, die ursprünglich für Intel-Prozessoren entwickelt wurden, und genau hier setzt der Zeitplan an: Berichten zufolge soll Rosetta 2 im Jahr 2027 eingestellt werden, wodurch ältere Intel-Apps ihre Grundlage verlieren.
Der Fahrplan ist dabei eng an die macOS-Releases gekoppelt. Laut den Angaben im Quelltext soll die Unterstützung mit der Veröffentlichung von macOS 27 enden, das unter dem Codenamen „Golden Gate“ geführt wird. Bereits im Frühjahr dieses Jahres seien mit macOS 26.4 Warnhinweise für Nutzer von Intel-basierten Apps eingeführt worden; das wirkt wie ein erster Migrationsschritt, der Entwickler und Betriebe auf die absehbare Abschaltung vorbereitet. Mit dem Erscheinen von macOS 27 soll der Emulator vollständig entfernt werden; für reine Intel-Anwendungen bedeutet das, dass sie nach einem Upgrade auf die folgende Version macOS 28 nicht mehr funktionsfähig sein sollen.
Damit schließt Apple eine Übergangsphase, die man rückblickend als mehrjährige Brücke zwischen zwei Prozessorwelten lesen kann. Der letzte Mac mit Intel-Prozessor kam im August 2020 auf den Markt, während der Verkauf entsprechender Geräte bereits im Jahr 2023 eingestellt wurde. In der Gegenwart zeigen aktuelle Optimierungen, wie stark das Betriebssystem bereits auf den kommenden Rollout ausgerichtet wird: Das Update macOS Tahoe 26.6 verbessert etwa den Spotlight-Index für die erwartete macOS-27-Generation, während Intel-Macs offenbar keine neuen Funktionsupdates mehr erhalten sollen. Für Unternehmen ist das vor allem dann relevant, wenn Spezialsoftware, Plugins oder Labor-Workflows auf Intel-Abhängigkeiten setzen, weil dann schon das reine OS-Upgrade zum Risiko wird.
Technisch verschiebt sich in der gleichen Linie auch die Chip-Roadmap. Für den Herbst wird die Einführung eines M6-Basischips erwartet; die Varianten Pro, Max und Ultra sollen dabei in dieser Generation übersprungen werden. In der ersten Jahreshälfte 2027 soll der M7 folgen, und für das Jahr 2028 wird ein M7 Ultra als Ziel genannt, dessen KI-Leistung das Niveau von NVIDIA-Blackwell-Systemen erreichen soll. Parallel sei zudem ein Umstieg auf einen 1,4-Nanometer-Fertigungsprozess für 2028 angestrebt. Auffällig ist außerdem die organisatorische Neuausrichtung: Laut Quelle wurde die Leitung der Chip-Entwicklung neu strukturiert, wobei Rony Friedman, der an sechs Generationen des Apple Silicon beteiligt war, nun eine neue globale Initiative für Chip-KI leitet und die Führung des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Israel an Tal Inbar übergeht.
Auch das Software-Ökosystem reagiert, und zwar bereits mit Produkten, die versuchen, die Rosetta-Abhängigkeit zu reduzieren. CodeWeavers hat demnach eine erste Preview-Version von CrossOver mit nativer ARM64-Unterstützung für Apple Silicon veröffentlicht. Ziel ist es, die Notwendigkeit der Rosetta-Übersetzung abzubauen; in Tests auf einem MacBook Air mit M5-Chip wurde eine variierende Leistung bei Anwendungen wie Dota 2 beobachtet, zugleich soll aber die Betriebstemperatur um 16 Grad Celsius höher gelegen haben. Die nächste Version CrossOver 27, die Anfang 2027 erwartet wird, soll ausschließlich Apple Silicon unterstützen; die Preview stößt laut Quelle aktuell auf Einschränkungen wie das Fehlen von D3DMetal sowie darauf, dass sich bestehende Software-Container („Bottles“) nicht konvertieren lassen.
Für die betriebliche Planung ist neben Emulatoren auch die Hardware-Strategie entscheidend. Berichten zufolge hat Apple mehrere Hardware-Projekte aus Effizienz- und Fokusgründen gestrichen, darunter die geplanten High-End-Chips M2 Extreme und M3 Extreme. Zusätzlich sollen zwei unveröffentlichte Mac-Pro-Modelle mit Bezug auf M3 Ultra oder Intel-Prozessoren nicht erscheinen; nach 20 Jahren wird zudem die Produktlinie des Mac Pro eingestellt. Parallel laufen die Systemstände bereits in der Beta-Phase: iPadOS 27 und macOS 27 werden demnach getestet, und Apple habe ein zweites Update für die dritte Beta-Version veröffentlicht (Build-Nummern macOS 26A5378n und iPadOS 24A5380I). Gleichzeitig wurden Sicherheits-Updates für ältere Systeme (14.8.8 und 15.7.8) sowie für macOS Tahoe 26.6 bereitgestellt, die über 100 Schwachstellen schließen; ein Teil davon sei in Open-Source-Komponenten mit KI identifiziert worden.
Unterm Strich treffen die Entscheidungen drei Ebenen gleichzeitig: eine konkrete Abschaltlogik für Intel-Software (Rosetta 2 bis 2027), eine verschärfte Ausrichtung des Betriebssystems auf die neue Architektur und eine Beschleunigung beim Chip- und KI-Fokus. Für Entwickler bedeutet das, dass ARM64-native Builds und sauber getestete Dependencies nicht nur „nice to have“ sind, sondern zeitkritisch werden. Für IT-Abteilungen heißt es vor allem, Inventare zu erstellen: Welche Apps laufen auf Intel, welche sind nur über Spezialcontainer nutzbar, und wie lassen sich Workflows vor macOS 28 umstellen? Wer diese Lücken früh schließt, vermeidet den typischen Engpass, wenn ein Betriebssystem-Upgrade plötzlich nicht mehr nur neue Funktionen liefert, sondern funktionale Unterbrechungen auslösen kann.
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