LONDON (IT BOLTWISE) – Rumble rückt im August seine Q2-Zahlen nach dem Konzernumbau in den Fokus. Im Zentrum steht Quake AI, das mit rund 22.000 NVIDIA-GPUs und mehr als 200 Megawatt Energiekapazität Cloud-Services für KI-Anwendungen anbieten will. Parallel treibt das Video-Geschäft mit Rumble Shorts das Wachstum, unter anderem gestützt durch einen Werbedeal mit Tether über 50 Millionen US-Dollar pro Jahr. Anleger schauen besonders auf die Entwicklung der monatlich aktiven Nutzer, bevor der offizielle Finanzbericht Mitte August veröffentlicht wird.

Rumble geht mit einem klaren Prüfstein in den August: Die für das zweite Quartal 2026 angekündigten Zahlen gelten als erste echte Bewährungsprobe nach dem großen Konzernumbau. Die Aktie reagierte bereits im Vorfeld auf den bestätigten Veröffentlichungstermin und legte am Montag um 7,30 Prozent zu, während der Kurs zeitweise bei 5,44 Euro notierte. Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der reinen Strategieerzählung hin zur Frage, ob der neue Zuschnitt auch in den operativen Kennzahlen sichtbar wird.
Technisch betrachtet wird der Umbau konkret, weil Rumble nach der Übernahme der Northern Data AG im Juni in zwei Geschäftsbereiche operiert: Das Videogeschäft bleibt beim Kernformat, während die Sparte Quake AI die Cloud-Infrastruktur verantwortet. Quake AI soll die vorhandene Rechenpower nicht nur intern nutzen, sondern künftig auch als Dienstleistung vermarkten. Dafür stellt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 22.000 Grafikprozessoren von NVIDIA bereit und ergänzt diese Infrastruktur durch Energiekapazität von mehr als 200 Megawatt. Der zentrale Hebel dahinter ist der Übergang von „Rechenleistung als Kostenblock“ zu „Rechenleistung als Umsatzquelle“, also ein KI-Cloud-Modell, bei dem Kunden Rechenzeit oder Kapazitäten für ihre KI-Anwendungen einkaufen.
Diese Logik trifft in der Praxis auf ein zweites Standbein, das kurzfristig die Umsatzseite stützen soll: das Video-Geschäft. Rumble setzt dabei auf das Kurzfilm-Format „Rumble Shorts“, das im Mai laut Unternehmensangaben einen Bestwert von zwei Millionen täglichen Abrufen erreicht hat. Ergänzend wirkt ein Werbedeal mit dem Krypto-Unternehmen Tether: Der Vertrag soll jährlich 50 Millionen US-Dollar in die Kassen spülen. Für die Investorenseite ist das relevant, weil solche Werbeumsätze oft zeitnah in die Ergebnisrechnung durchschlagen können, während die Monetarisierung von KI-Infrastrukturdiensten typischerweise an Nachfragezyklen, Vertragslaufzeiten und Auslastungsquoten gekoppelt ist.
Auch die Liquiditätslage spielt in der Übergangsphase eine Rolle, weil der Aufbau und Betrieb großer KI-Infrastruktur typischerweise kapitalintensiv ist. Rumble nennt insgesamt rund 256 Millionen US-Dollar Liquidität und führt einen Teilbestand von 210 Bitcoin an. Das wirkt nicht automatisch wie ein „Sicherheitsnetz“ für den Umbau, aber es kann den Spielraum für technische Skalierung, weitere Rechenzentrumsinvestitionen und die Vermarktung von KI-Services erhöhen, gerade wenn Kunden über Pilotphasen hinausgehen. Gleichzeitig bleibt der Markt skeptisch, weil Reserven allein noch keinen tragfähigen Nachweis liefern, dass die KI-Sparte nachhaltig ausgelastet und profitabel wird.
Für die unmittelbare Bewertung sind daher zwei Messgrößen besonders eng miteinander verknüpft: Zum einen die Nutzerzahlen der Videoplattform, zum anderen der Fortschritt bei der KI-Cloud. Zuletzt verzeichnete Rumble monatlich 56 Millionen aktive User, und genau an dieser Kennziffer dürfte sich ablesen lassen, ob die Reichweitenentwicklung die Werbe- und Vermarktungslogik tatsächlich stützt. Zum anderen kommt Quake AI eine Art „Wirkungsnachweis“ zu: Entscheidend wird sein, ob aus der Infrastruktur mit 22.000 NVIDIA-GPUs und der erwähnten Energieleistung ein Dienstleistungsangebot wird, das Verträge, Auslastung und wiederkehrende Einnahmen erzeugt. Der offizielle Finanzbericht wird Mitte August erwartet, und damit verschiebt sich auch die Frage, wie stark sich die neue Struktur bereits in der Kosten- und Ertragsseite niederschlägt.
Insgesamt spiegelt der Schritt das breitere Branchenmuster wider, dass Medien- und Plattformunternehmen zunehmend versuchen, eigene Rechenressourcen in KI-Produkte zu überführen. Für Rumble ist der Weg dabei ungewöhnlich direkt: Während viele Anbieter KI lediglich als „Feature“ in Plattformen integrieren, steht hier mit Quake AI eine eigenständige Infrastruktur- und Service-Einheit im Vordergrund. Ob das Modell langfristig funktioniert, wird sich weniger an der Rechenleistung als an der Vermarktungsfähigkeit entscheiden – also daran, ob Kunden tatsächlich KI-Workloads auf der angebotenen Cloud-Infrastruktur platzieren und ob sich daraus für die Berichtslage der nächsten Quartale eine robuste Dynamik ergibt. Bis dahin bleibt der Umbau für Anleger ein Versprechen, dessen Substanz ab Mitte August in den Zahlen sichtbar werden muss.
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