LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Samsung hat auf seinem Unpacked-Event in London KI-Brillen angekündigt, die Fotos und Videos der Umgebung aufnehmen und per Spracheingabe mit KI interagieren. Das Unternehmen adressiert dabei gezielt die Kritik an sogenannten „Perversling-Brillen“ und will heimliches Filmen erschweren. Kernstück ist eine sichtbare Status-LED neben der Kamera, die bei Manipulation die Aufnahme deaktivieren soll. Zusätzlich setzt Samsung auf die Verknüpfung mit Smartphone und Smartwatch sowie auf eine KI-Strategie über Googles Gemini.

Samsung will KI-Brillen mit Datenschutz-LED und Kamera-Deaktivierung gegen heimliches Filmen absichern
Samsung will KI-Brillen mit Datenschutz-LED und Kamera-Deaktivierung gegen heimliches Filmen absichern (Foto: IT BOLTWISE)
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Auf dem Unpacked-Event in London machte Samsung deutlich, dass es die nächste Hardware-Welle nicht nur als Consumer-Gadget, sondern als neues Interaktionsmodell positioniert. Neben faltbaren Displays zeigte das Unternehmen einen Ausblick auf smarte Brillen mit Künstlicher Intelligenz, die sich im Alltag wie „normale“ Sehhilfen tragen lassen sollen. Entscheidend ist dabei jedoch weniger die Form als die Frage, wie die Geräte mit einer extrem sensiblen Erwartungslage im öffentlichen Raum umgehen: Noch bevor Nutzer sich an die Technik gewöhnen, steht sie wegen möglicher Überwachung und sozialer Stigmatisierung in der Kritik.

Technisch knüpft Samsung an ein bekanntes Referenzmuster an: Wie es bereits aus der Smart-Glasses-Welt von Meta bekannt ist, setzen die Brillen auf eine Kamera sowie Lautsprecher und Mikrofon. Damit können sie nicht nur Bild- und Videoinhalte erfassen, sondern auch per Sprachinteraktion gesteuert werden. Für die KI-Komponente nennt Samsung Gemini als die Grundlage, und der Software-Unterbau basiert auf Googles Android XR. Dazu kommt die Kopplung an das Ökosystem: Primär soll das Smartphone die Konnektivität und die KI-Workflows liefern, außerdem ist die Anbindung an Smartwatches vorgesehen. Über diese zweite Geräteschicht lassen sich Funktionen wie das Auslösen der Kamera aus dem Handgelenk heraus steuern.

Besonders klar adressiert Samsung das Datenschutzthema über physische und sicherheitsnahe Signale. Denn in der Praxis entsteht das Problem häufig nicht durch „echte“ Aufnahmen allein, sondern durch die Unklarheit, ob gerade gefilmt wird. Deshalb platzieren die Brillen vorderseitig, neben der Kamera, eine LED, die den Aufnahmestatus sichtbar machen soll. Samsung ergänzt diese Anzeige mit einer Schutzlogik: Wenn jemand die LED vorsätzlich beschädigt, manipuliert oder verändert, wird die Kamera deaktiviert. Das ist ein Ansatz, der vom Prinzip her an die Idee anknüpft, Nutzer und Umstehende über den Gerätezustand zuverlässig zu informieren – statt nur auf Vertrauen in Einstellungen oder Software-Bedienoberflächen zu setzen.

Dass solche Schutzmaßnahmen nötig sind, liegt auch an der gesellschaftlichen Reibung rund um Brillencam-Produkte. Berichte aus sozialen Medien drehen sich wiederholt um Beschimpfungen und in Einzelfällen sogar um handgreifliche Auseinandersetzungen; die Geräte werden dabei umgangssprachlich als „Perversling-Brillen“ bezeichnet. Samsung versucht, die Hürde nicht allein durch Technik zu nehmen. Jaein Choi, Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Bereich XR bei Samsung, stellt laut Beschreibung in Aussicht, dass die Akzeptanz nicht über Nacht kommt. Gleichzeitig geht es aber um eine langfristige Einordnung: Die KI-Brillen sollen das Smartphone nicht ersetzen, sondern als „natürlicheren Weg“ dienen, um auf mobile KI zuzugreifen. Damit versucht Samsung, den Use-Case von „Überwachung im Vorbeigehen“ hin zu „Assistenz im Kontext“ zu verschieben.

Bei der Hardware selbst setzt Samsung auf Tragekomfort und unaufdringliche Integration. Im Rahmen des Events konnte man die Brillen zwar in die Hand nehmen, ausprobieren und aufsetzen war jedoch nicht erlaubt; auch der funktionsfähige Prototyp durfte nicht fotografiert werden. Sichtbar war trotzdem eine zentrale Designentscheidung: Die Bügel sind deutlich breiter als bei herkömmlichen Brillen, dort sitzt ein Großteil der Elektronik und der Akkus. Samsung will diese Komponenten jedoch nicht komplett verstecken. Auf der Innenseite sind die Bügel leicht transparent, sodass man das Innenleben erkennen kann – ein Detail, das zugleich Transparenz schafft und das Interesse an der Gerätearchitektur erklärt. Ergänzend nennt Samsung für den Prototyp eine Laufzeit von rund 9 Stunden im kontinuierlichen Betrieb.

Geladen wird die Brille über das Case, das selbst einen Akku integriert. Samsung spricht dabei von der Möglichkeit, die Brille bis zu 7 Mal vollständig aufzuladen. Solche Werte sind in der Kategorie besonders wichtig, weil smarte Brillen im Gegensatz zu Smartphones nicht „über Nacht“ in einer Tasche verschwinden, sondern typischerweise tagsüber getragen werden. Entsprechend wird die Frage nach Energieprofil, Temperaturmanagement und dauerhafter Sensorik schnell zum Kaufargument. Auch beim Preis bleibt Samsung zunächst zurückhaltend: Choi verweist darauf, dass die Preisgestaltung derzeit durch Herausforderungen am Markt für Speicherchips „extrem komplex und herausfordernd“ sei. Außerdem müssten smarte Brillen und selbst Smartphones zu Beginn als teure Einstiegslösungen eingeordnet werden. Im Ergebnis will Samsung zumindest verhindern, dass die erste Generation „verrückt teuer“ ausfällt, während man sich gleichzeitig gegenüber der Konkurrenz selbstbewusst positioniert.

Als Zeitplan nennt Samsung den Herbst als Markteinführung der ersten KI-Brillen; in welchen Ländern sie starten, sei noch in Abstimmung mit den Partnern. Für Unternehmen, die solche Wearables beobachten, bedeutet das vor allem: Es wird ein Produktsegment geben, das sofort in bestehende Plattform- und Security-Diskussionen eintritt, weil Kamera-, Audio- und KI-Funktionen gleichzeitig aktiv werden können. Entscheidend wird sein, ob Samsung den beschriebenen Datenschutzmechanismus zur LED-Statusanzeige und zur Kamera-Deaktivierung in der Serienfertigung robust umsetzt und wie konsequent die Kopplung an Smartphone und Smartwatch in der Praxis funktioniert. Gerade weil die Geräte „wie normale Brillen“ aussehen sollen, wird die sichtbare Statuskommunikation ein Kernelement der Nutzer- und Umgebungsakzeptanz bleiben – und damit auch ein Faktor, der darüber entscheidet, ob KI-Brillen tatsächlich zum Alltagstool werden oder als Streitpunkt im öffentlichen Raum hängen bleiben.


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