LONDON (IT BOLTWISE) – Die Erdumlaufbahn wird zunehmend von menschlichen Objekten bevölkert, was das Risiko von Kollisionen erhöht. Forscher des Lawrence Livermore National Laboratory haben ein neues Modell entwickelt, das eine Million Umlaufbahnen simuliert, um potenzielle Gefahren zu identifizieren und zu vermeiden.

Der Weltraum rund um die Erde wird immer dichter bevölkert. Mit über 45.000 von Menschen geschaffenen Objekten, die unseren Planeten umkreisen, wird das Risiko von Kollisionen zunehmend zu einer ernsthaften Herausforderung. Diese Objekte umfassen nicht nur die zahlreichen Satelliten, die für Internet, GPS und andere Kommunikationsdienste genutzt werden, sondern auch Weltraummüll aus früheren Raumfahrtmissionen. Angesichts der geplanten Startpläne für neue Technologien bis 2026 wird die Vermeidung von Kollisionen immer wichtiger.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben Forscher des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) in Kalifornien ein innovatives Modell entwickelt, das die Umlaufbahnen in der cislunaren Region, also dem Raum zwischen Erde und Mond, simuliert. Mit Hilfe eines offenen Datenbankcodes und der enormen Rechenleistung der Supercomputer des Labors wurden eine Million Umlaufbahnen über einen Zeitraum von sechs Jahren modelliert. Diese Simulation ermöglicht eine detaillierte Analyse der Stabilität und Lebensdauer von Umlaufbahnen.
Die Ergebnisse der Simulation sind vielversprechend. Etwa die Hälfte der modellierten Umlaufbahnen blieb mindestens ein Jahr stabil, während knapp 10% der Umlaufbahnen die gesamte sechsjährige Simulationsdauer stabil blieben. Diese Erkenntnisse könnten in Zukunft helfen, besonders frequentierte Bereiche im Weltraum zu identifizieren, die ein erhöhtes Kollisionsrisiko darstellen. Da immer mehr Länder Satelliten ohne weltweite Koordination starten, könnte dieses Modell ein wertvolles Werkzeug zur Kollisionsvermeidung werden.
Die Simulation erforderte eine enorme Rechenleistung: Insgesamt wurden 1,6 Millionen CPU-Stunden benötigt, was auf einem einzelnen Computer mehr als 182 Jahre dauern würde. Dank der Supercomputer Quartz und Ruby des LLNL konnte die Simulation jedoch in nur drei Tagen durchgeführt werden. Diese technologische Leistung unterstreicht die Bedeutung leistungsfähiger Rechenressourcen in der modernen Raumfahrtforschung.
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