LONDON (IT BOLTWISE) – ScaleFlux stellt ab 1. August 2026 eine neue Drive-Level-Speicherlösung für KI-Workloads in NVIDIA-CMX-Umgebungen vor. Der Ansatz soll den SSD-Verschleiß durch KV-Cache-Churn reduzieren, indem eine Context-Insight-Workload-Telemetrie mit mehr als 200 FDP-Write-Streams pro Laufwerk gekoppelt wird. Für die Plattform nennt der Hersteller eine Ausdauer von 7-10+ DWPD über fünf Jahre. Ergänzend kündigt ScaleFlux einen PCIe-Gen6-SSD-Controller mit 28 GB/s Lesegeschwindigkeit an.

ScaleFlux bringt KI-SSD mit KV-Cache-Schutz und 28-GB/s-Controller
ScaleFlux bringt KI-SSD mit KV-Cache-Schutz und 28-GB/s-Controller (Foto: IT BOLTWISE)
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ScaleFlux will die Speicherseite von KI-Clustern nicht länger als „Black Box“ behandeln, sondern als aktiv regelbares Laufwerk. Der Hardwarehersteller kündigt für den 1. August 2026 eine Drive-Level-Speicherlösung an, die sich ausdrücklich an KI-Workloads in NVIDIA-CMX-Umgebungen richtet. Im Kern geht es um ein bekanntes Leistungs- und Haltbarkeitsproblem: Wenn Anwendungen stark rechenintensiv sind, entsteht durch den häufigen Austausch von Daten im Key-Value-Cache (KV-Cache) ein „Churn“, der die SSDs mit Schreibvorgängen belastet. Diese Lastverschiebung ist besonders deshalb heikel, weil sie nicht nur Latenzen betrifft, sondern über lange Laufzeiten auch die Ausdauergrenze typischer Flash-Medien in Reichweite rücken kann.

Technisch setzt ScaleFlux laut Ankündigung auf eine Kombination aus Context-Insight-Workload-Telemetrie und einer sehr granularen Write-Charakterisierung. Die Konfiguration umfasst mehr als 200 FDP-Write-Streams pro Laufwerk, die gemeinsam dazu beitragen sollen, die Belastung der Datenträger zu minimieren, statt die SSDs „blind“ gegen die Last laufen zu lassen. Übertragen auf den Praxisbetrieb bedeutet das: Das Laufwerk soll Muster erkennen, wie ein KI-System während Inferenz oder Training auf Cache-Daten zurückgreift und diese laufend aktualisiert. Je besser das Storage-Subsystem die tatsächliche Zugriffsdynamik in Form von getrennten Datenströmen abbildet, desto eher lässt sich Write-Amplification drücken – also jenes Phänomen, bei dem für eine logische Änderung im Flash intern mehr programmier- und erase-bezogene Arbeit anfällt, als der Anwendungsfall vermuten lässt.

Für die Dimensionierung im Rechenzentrum liefert ScaleFlux auch konkrete Endurance-Werte. Der Hersteller gibt für die Plattform eine Ausdauer von 7-10+ DWPD (Drive Writes Per Day) über einen Zeitraum von 5 Jahren an. Diese Zahl ist in der Einordnung wichtig, weil sie die „Endurance Tax“ adressiert, die in vielen KI-Architekturen entsteht, wenn Schreiblasten durch Cache-Offload-Szenarien die Hardware schneller verschleißen als geplant. In solchen Setups wird Storage häufig zum Ausweichziel, etwa wenn Cache-Inhalte nicht vollständig im flüchtigen Speicher gehalten werden können. Dadurch steigt die Schreibrate, und mit ihr die Notwendigkeit, intern mehr Block-Operationen zu managen. Wenn ScaleFlux hier eine mehr als zweifache Reduzierung der Write-Amplification durch vorläufige Tests nennt, zielt die Aussage vor allem auf genau diese Kausalkette: weniger interne Arbeit pro effektiver Änderung, mehr Lebensdauer, geringere Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Ausfälle.

Zusätzlich zur Haltbarkeit positioniert sich das Unternehmen über einen schnellen Datenpfad. ScaleFlux veröffentlicht am 1. August Details zu einem neuen PCIe-Gen6-SSD-Controller, der eine Lesegeschwindigkeit von 28 GB/s erreicht. Für KI-Workloads ist das relevant, weil viele Pipelines parallel aus mehreren Quellen Daten nachladen – etwa Modellgewichte, Trainingsshards oder auch zwischengespeicherte Feature- und Embedding-Blöcke. Selbst wenn KV-Cache-„Churn“ in erster Linie eine Write-Problematik ist, bleibt die Gesamtperformance von Storage stark davon abhängig, wie schnell das System Daten wieder lesen und damit Rechenphasen versorgen kann. In der Praxis kann eine höhere Read-Bandbreite zudem helfen, Wartezeiten zu verringern, während das Laufwerk die intern notwendige Flash-Logik verarbeitet.

Beim Markt- und Ökosystemkontext setzt ScaleFlux auf eine enge Abstimmung mit NVIDIA-Technologien. Im Material wird eine Einordnung von Jason Hardy von NVIDIA genannt, der die Relevanz der ScaleFlux-Plattform für entsprechende Systemumgebungen hervorhebt. Auch Hao Zhong, CEO von ScaleFlux, stellt die Bedeutung der Ankündigung für den Markt KI-optimierter Speicherlösungen heraus. Damit wird weniger eine isolierte SSD-Verbesserung verkauft, sondern ein kompatibler Baustein für eine KI-Infrastruktur, die ausgerechnet dort ansetzt, wo Cache-Verhalten in Kombination mit Storage die Lebensdauer dominiert. Für IT-Entscheider ist das der Punkt: In vielen Beschaffungsprozessen wird Storage zwar als Kosten- und Kapazitätsthema behandelt, selten jedoch als „Lebensdauer-Feature“ mit messbarer Auswirkung auf Total Cost of Ownership in KI-Clustern.

Interessant ist außerdem, wie die Integration nach außen kommuniziert wird. Laut Ankündigung wird Hao Zhong am 5. August gemeinsam mit Jason Hardy eine Keynote auf der Branchenkonferenz FMS 2026 halten. Dabei sollen Einblicke in die Integration der ScaleFlux-Technologien in KI-Infrastrukturen und deren Auswirkungen auf Leistungsparameter moderner Rechenzentren gegeben werden. Das deutet auf eine Roadmap-Strategie hin: Erst werden die technischen Eckdaten veröffentlicht (DWPD, Controller-Bandbreite, Telemetrie-Ansatz), anschließend wird die Einbettung in Referenz- oder Praxisumgebungen demonstriert. Für Teams, die KI-Workloads betreiben, bedeutet das konkret, dass Evaluierungen nicht bei synthetischen Benchmarks stehen bleiben sollten. Stattdessen lohnt ein Lastprofiling unter realen KV-Cache-Mustern, um zu prüfen, ob die genannten Effekte bei Write-Amplification und Dauerlast im eigenen Setup reproduzierbar sind.

Unterm Strich richtet sich die ScaleFlux-Ankündigung an eine typische Schmerzstelle der KI-Infrastruktur: Viele Verbesserungen in Rechenbeschleunigern erhöhen den Output pro Zeiteinheit, aber das Storage-Subsystem wird bei hoher Cache-Dynamik zum Engpass und zum Verschleißtreiber. Genau hier setzt die Kombination aus Drive-Level-Telemetrie, vielen FDP-Write-Streams und einem neuen PCIe-Gen6-Controller an. Wenn ScaleFlux die mehr als zweifache Reduzierung der Write-Amplification sowie 7-10+ DWPD über fünf Jahre tatsächlich in der Produktreife bestätigt, dürfte das die Planbarkeit von Auswechslungszyklen verbessern und die Betriebskosten senken. Gleichzeitig bleibt der wichtigste Praxischeck: Welche Workload-Charakteristika (Cache-Mix, Offload-Intensität, parallele Streams) im eigenen Cluster auftreten, bestimmen am Ende, ob sich die „Endurance Tax“ spürbar reduzieren lässt oder ob zusätzliche Tuning-Parameter im Cache-Management, in der Job-Verteilung oder in der Storage-Nutzung nachgeschärft werden müssen.


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