BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Alte Museum auf der Museumsinsel bekommt nach dem Pergamonmuseum die nächste Großbaustelle. Marion Ackermann kündigt Rissbildungen als akuten Sanierungsanlass an und nennt eine Generalsanierung für die 2030er Jahre. Während das Pergamonmuseum teilweise ab dem kommenden Sommer wieder öffnet, soll das Altes Museum anschließend Schritt für Schritt in einen neuen bautechnischen Zustand überführt werden. Offen bleibt dabei vor allem, wie sich Bau- und Sicherheitslogik über die denkmalgeschützte Museumsinsel hinweg in den Betrieb übersetzen lassen.

Auf der Berliner Museumsinsel verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Sanierungswelle nicht nur ein planerischer Zusatz, sondern eine zwingende Antwort auf den baulichen Zustand ist. Neben dem bereits seit mehreren Jahren geschlossenen Pergamonmuseum rückt das Alte Museum von Architekt Karl Friedrich Schinkel als nächste größere Baustelle in den Fokus. Laut Angaben von Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zeigen sich in den Wänden mittlerweile Risse, die eine dringende Maßnahme erforderlich machen. Damit trifft die Museumsinsel als UNESCO-Welterbe gleich zwei Herausforderungen: den Denkmalschutz mit hoher Substanztreue und gleichzeitig den praktischen Betrieb, der aus Sicherheitsgründen zuverlässige Tragfähigkeit und Oberflächenbeständigkeit verlangt.
Technisch betrachtet ist die Ausgangslage bei einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert oft komplexer als eine einzelne „Schadenstelle“: Rissbildungen können auf mehrere Ursachen hindeuten, etwa auf Alterungsprozesse von Mauerwerk und Putz, auf Feuchte- und Temperaturschwankungen oder auf unterschiedliche Setzungen. Gerade Schinkels Bauweise verlangt bei solchen Befunden eine genaue Bestandsaufnahme, bevor geplant wird, welche Schichten und Bauteile behandelt oder ersetzt werden müssen. Ackermann ordnet die Generalsanierung dabei in die 2030er Jahre ein. Für die Projektplanung bedeutet das: Die nächsten Jahre werden vermutlich nicht nur für statische Untersuchungen und denkmalpflegerische Konzepte genutzt, sondern auch, um Sanierungsphasen so zu takten, dass Besucherströme, Sicherheitszonen und Werkstätten im laufenden Museumsbetrieb sinnvoll integriert bleiben.
Parallel dazu läuft das Pergamonmuseum in eine Phase, die für die Nutzererwartung entscheidend sein dürfte. Dort soll im nächsten Sommer erstmals wieder geöffnet werden, und zwar in Teilen, darunter der Saal mit dem Pergamonaltar. Die Wiedereröffnung folgt einer Logik, die für viele große Museumsprojekte typisch ist: Erst werden zentrale Räume mit hoher Besucherwirkung und sensiblen Ausstellungsobjekten technisch „stabilisiert“, bevor das Gesamtgefüge wieder vollständig in den Publikumsbetrieb übergeht. Ackermann nennt als konkrete Qualitätsdetails die überarbeitete Wandfarbe, die wieder dem originalen Ton entsprechen soll, und beschreibt zudem, dass die Oberlichter hergerichtet und gereinigt wurden. Interessant ist außerdem, dass das Tageslichtkonzept wieder funktionieren soll – ein Hinweis darauf, dass Lichtführung und Materialwirkung im Ausstellungsdesign nicht als Nebensache behandelt werden.
Auch das Museum für Islamische Kunst im Gebäude des Pergamonkomplexes soll laut den Angaben neu gedacht werden. Hier geht es nicht nur um technische Sanierung, sondern um eine Anpassung des Nutzungskonzepts: Ackermann betont, dass alle Sinne eingebunden werden sollen und nennt als Beispiel das Aleppo-Zimmer, bei dem auch der Geruchssinn berücksichtigt werden soll. Für die Umsetzung ist das mehr als eine Inszenierungsfrage. Duftkonzepte verlangen in der Regel definierte Bedingungen für Freisetzung, Wartung und Rückkopplung an Raumklima und Hygieneanforderungen. Gleichzeitig müssen historische Texturen, Vitrinen und Besucherführung so geplant sein, dass die multisensorische Dramaturgie nicht mit konservatorischen Restriktionen kollidiert. In der Praxis entscheidet oft das Zusammenspiel aus Haustechnik (Lüftung, Klimatisierung, Filtertechnik), Museumspädagogik und Restaurierungsstandards darüber, ob „neues Erleben“ langfristig stabil bleibt.
Die Planung überträgt aber nicht nur den Blick auf den kommenden Sommer, sondern zeigt auch, wie lange die Sanierungsdauer im Bestand sein kann. Der zweite Gebäudeteil des Pergamonmuseums soll noch ein Jahrzehnt dauern; vollständig geöffnet werden soll es dann 2037. Kostenmäßig wird für die Sanierung mit 1,5 Milliarden Euro kalkuliert – ein Betrag, der die Dimension des Eingriffs im denkmalgeschützten Umfeld unterstreicht. Zum Vergleich: Bei kleineren Sanierungsabschnitten reicht häufig eine relativ kurze Bauzeit mit lokal begrenzten Eingriffen. Hier dagegen geht es um ein Gesamtkonzept aus Bauphysik, Restaurierung, Modernisierung und Betriebsfähigkeit. Die hohe Gesamtsumme spricht außerdem dafür, dass nicht nur „Instandhalten“ betrieben wird, sondern die Infrastruktur (etwa für Licht, Klima, Erschließung und Sicherheit) an ein modernes Anforderungsprofil gebracht werden soll.
Für Berlin und die Museumsinsel ergibt sich daraus ein eng getaktetes Koordinationsproblem: Während das Pergamonmuseum abschnittsweise wieder öffnet, wird das Alte Museum ab den 2030er Jahren voraussichtlich zur nächsten Hauptbaustelle. In solchen Konstellationen entscheidet die Projektsteuerung häufig darüber, ob die Besucherunterbrechungen akzeptabel bleiben und ob die Objektlogistik funktioniert. Parallel ist laut den Angaben in der Stadt nicht nur die Museumsinsel betroffen: Auch die Staatsbibliothek in der Nähe des Potsdamer Platzes soll saniert werden und ab 2030 für elf Jahre schließen. Diese Häufung von Kulturbaustellen macht deutlich, dass Berlin langfristige Betriebskonzepte braucht – etwa für Ausweichflächen, digitale Vermittlung und Leihverkehr. Für das Personal bedeutet das wiederum, dass Recruiting, Fortbildung und interne Prozesse über mehrere Jahre stabil organisiert werden müssen, nicht erst „im Moment der Schließung“.
Wer die Baustellenlandschaft strategisch betrachtet, erkennt zwei sich ergänzende Trends: Erstens werden Sanierungen immer stärker zu ganzheitlichen Projekten, die Architektur, Technik und Ausstellungspraxis gemeinsam denken. Zweitens verschiebt sich der Zeithorizont in die Dekadenplanung; 2030, 2037 und die „2030er Jahre“ für das Alte Museum zeigen, dass solche Vorhaben selten in einem einzigen Budget- oder Projektzyklus aufgehen. Für Entscheider in Kulturinstitutionen und für Technologiepartner, die an Mess-, Steuerungs- und Erhaltungskonzepte gekoppelt sind, liegt darin ein klarer Bedarf: stabile Schnittstellen, präzise Bestandsdaten und wiederholbare Bau- und Prüfprozesse. Die Museumsinsel zeigt damit zugleich, wie sich Denkmalschutz im 21. Jahrhundert praktisch übersetzen lässt – nicht als statisches Etikett, sondern als kontinuierliche, technisch fundierte Instandsetzung.
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