BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel soll im nächsten Sommer erste Bereiche wieder für Besucher öffnen. Im Fokus steht auch der Saal mit dem Pergamonaltar, der nach der Sanierung mit überarbeiteter Wandfarbe und wieder funktionierendem Tageslichtkonzept präsentiert werden soll. Parallel laufen die Arbeiten an weiteren Gebäudeteilen, denn die komplette Öffnung ist erst für 2037 geplant. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz rechnet für das Projekt mit 1,5 Milliarden Euro.

Nach Jahren der Schließung nimmt die Museumsinsel Fahrt auf: Das Pergamonmuseum soll im nächsten Sommer erste Teile wieder öffnen. Laut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geht es dabei nicht nur um Randbereiche, sondern ausdrücklich auch um den Saal mit dem Pergamonaltar. Die Ankündigung ist deshalb mehr als ein Terminupdate, weil sie ein komplexes Sanierungspaket zeitlich entflechtet: Ein Bauprojekt dieser Größenordnung besteht aus mehreren Bauteilsträngen, die sich nicht beliebig parallelisieren lassen, ohne Risiko für Bauabläufe und spätere Ausstellungskonzeptionen zu erzeugen.
Technisch betrachtet hängt der Erfolg der Wiedereröffnung an zwei Faktoren: der Bausubstanz und der musealen Inszenierung. Die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Marion Ackermann, betont in einem Interview, dass die Wandfarbe überarbeitet wurde und wieder dem originalen Ton entsprechen soll – einem kühleren Blauton. Ebenso hebt sie hervor, dass die Oberlichter hergerichtet und gereinigt wurden und das Tageslichtkonzept wieder funktioniert. Für die Praxis bedeutet das: Lichtführung ist im Museumsbau nicht nur ästhetisch, sondern beeinflusst auch Materialverhalten, Wartungszyklen und die Ausstellungsplanung im laufenden Betrieb. Wenn Oberlichter und Tageslichtkonzept wieder an die ursprüngliche Gestaltung gekoppelt werden, wird der Besucherraum spürbar anders wahrgenommen als in einer Baustellen- oder Zwischenzustandsphase.
Parallel erweitert sich der Blick vom Pergamonmuseum auf die nächste Baustelle auf der Museumsinsel. Ackermann nennt das Alte Museum als Kandidaten für eine dringende Generalsanierung, nachdem dort mittlerweile Risse in den Wänden aufgetreten seien. Historisch ist das Gebäude eng mit der Architektur von Karl Friedrich Schinkel verknüpft; es wurde 1830 eröffnet. Genau diese historische Substanz macht Generalsanierungen oft technisch anspruchsvoller als moderne Neubauten: Tragwerksanpassungen, Schadstoffthemen, Abdichtungen sowie die Abstimmung mit denkmalpflegerischen Vorgaben sind in der Regel langsamer, weil sie in enger Abstimmung erfolgen müssen und weil Prüf- und Freigabeprozesse stärker wirken als bei rein technischen Neubauten. Zudem ist die Sanierung zeitlich in die 2030er Jahre eingeplant, wodurch sich für die Gesamtplanung der Museumsinsel ein mehrphasiger Takt aus Rückbau, Ausbau und Wiederherstellung ergibt.
Für das Pergamonmuseum liefert die Wiedereröffnung auch inhaltliche Hinweise darauf, wie sich Ausstellungstechnik im Museumsbetrieb verändert. Neben dem Altarsaal will die Stiftung laut Angaben zum „Museum für Islamische Kunst“ ein neues Konzept umsetzen. Ackermann sagt: „Es werden zum Beispiel alle Sinne eingebunden, im Aleppo-Zimmer etwa auch der Geruchssinn, und man sieht endlich die kulturellen Verbindungen im gesamten Mittelmeerraum.“ Solche Aussagen sind für Entscheider relevant, weil sie über klassische Raumgestaltung hinausgehen: Wenn zusätzliche Sinneskanäle einbezogen werden, müssen Technik, Hygiene, Wartung und Betriebskonzept zusammengedacht werden. Der Geruchssinn etwa verlangt spezifische Infrastrukturen, klare Steuerungslogik und definierte Abläufe, damit sich das Erlebnis reproduzierbar gestaltet und gleichzeitig Sicherheits- und Qualitätsanforderungen im Alltag erfüllen lässt.
Der Zeitplan ist dabei lang genug, um die Dimension der Investition zu verdeutlichen. Die Sanierung des zweiten Gebäudeteils dauere noch ein Jahrzehnt, vollständig öffnen soll das Pergamonmuseum dann 2037. Für die Sanierungskosten wird mit 1,5 Milliarden Euro kalkuliert – eine Zahl, die in der öffentlichen Debatte oft als Gesamtpaket wahrgenommen wird, die im Baualltag jedoch in Teilbudgets, Leistungsstände und technische Meilensteine zerfällt. Dass in Berlin gleichzeitig andere Kulturprojekte unter Druck stehen, zeigt außerdem die strukturelle Lage: Auch die Staatsbibliothek nahe des Potsdamer Platzes soll saniert werden und ab 2030 für elf Jahre schließen. In solchen Konstellationen konkurrieren Ressourcen – etwa Planungs- und Fachkapazitäten, Baustellenlogistik und Lieferketten – zwangsläufig um Aufmerksamkeit und Kapazität, wodurch Zeitverläufe oft nicht nur von der Technik, sondern auch vom Baustellenökosystem beeinflusst werden.
Für die Branche der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft sowie für technische Dienstleister im Gebäudebetrieb ergibt sich daraus ein konkreter Auftrag: Wer sich mit Museumsinfrastruktur, Licht- und Medienplanung, Oberflächen- und Materialkonzepten sowie Betriebsschnittstellen auskennt, hat in den nächsten Jahren eine klare Nachfragekurve. Das gilt nicht nur für Bauleistungen, sondern auch für die Phase zwischen „Öffnung von Teilen“ und „vollständiger Betrieb“, in der Ausstellungsteams, Haustechnik und Wartungssysteme wieder in einen stabilen Rhythmus finden müssen. Die anstehende Wiedereröffnung 2027 ist damit auch eine Art Testlauf für die späteren Teilabschnitte bis 2037: Wenn Tageslicht, Farbton und Raumwirkung wie angekündigt funktionieren, reduziert das das Risiko für Nacharbeiten und stärkt die Akzeptanz bei Besuchern, die nach langer Schließung besonders genau hinschauen.
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