LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsvorfälle zeigen, dass eine kritische Schwachstelle in der ServiceNow KI-Plattform bereits aktiv ausgenutzt wird. Betroffen ist eine Sandbox-Umgehung, die ohne Authentifizierung beliebigen Code ermöglichen kann. Laut Angaben zur Beobachtung richtet sich der Angriff auf denselben Vorab-Endpunkt wie im öffentlich verfügbaren Proof-of-Concept. Für Betreiber von Self-Hosted-Instanzen steht jetzt vor allem die schnelle Patch-Einspielung im Vordergrund.

Angriffe auf Unternehmenssoftware werden gerade in einem Bereich besonders heikel, in dem viele Organisationen ohnehin auf KI-Funktionen setzen: Eine kritische Schwachstelle in der ServiceNow AI Platform wird nach jüngsten Warnhinweisen bereits „in-the-wild“ ausgenutzt. Im Zentrum steht CVE-2026-6875 mit einem CVSS-Score von 9,5. Die technische Kernidee dahinter ist nicht nur ein klassischer Authentifizierungsfehler, sondern eine Sandbox-Escape-Fähigkeit, die einen Angreifer so aus dem geschützten Ausführungsrahmen herausmanövrieren kann, dass schließlich eine primitive zur Codeausführung entsteht.
Aus administrativer Sicht ist dabei entscheidend, dass die Ausnutzung offenbar ohne vorherige Anmeldung („unauthenticated“) funktioniert. Die Angriffslogik zielt auf einen konkreten Pre-Authentication-Endpunkt, der in den Hinweisen als „/assessment_thanks.do“ beschrieben wird, und nutzt HTTP-POST-Requests. Damit wird das Risiko für Betreiber von Self-Hosted-Installationen besonders hoch, weil die Angriffsfläche nicht erst nach erfolgreichem Login entsteht, sondern bereits vor dem eigentlichen Nutzerkontext. Dass die Sandbox-Umgehung dennoch zu derselben Code-Ausführungsfähigkeit führt, aber über einen anderen Weg als ein publiziertes Proof-of-Concept-Paket, erklärt zugleich, warum reine IOC-basierte Blocklisten allein oft zu spät kommen.
Die Gegenmaßnahmen laufen parallel: ServiceNow hat laut den vorliegenden Angaben im Verlauf des Juni mehrere Patch-Releases und Hotfixes für verschiedene regionale bzw. Release-Linien bereitgestellt. Genannt werden unter anderem „Brazil EA“ und „Brazil GA“, dazu „Australia Patch 2“ sowie „Zurich Patch 7b“ und „Zurich Patch 9“. Weitere Fixstände sind „Yokohama Patch 12 Hot Fix 1b“ und „Yokohama Patch 13“, die damit eine Art zeitliche Rollout-Kette für unterschiedliche Installationsstände abbilden. Für Sicherheits- und Plattformteams heißt das praktisch: Nicht „irgendeinen“ Patch einspielen, sondern den für die eigene Instance zugehörigen Fixlevel prüfen und nachziehen.
Technisch betrachtet versucht ServiceNow die Angriffsfläche zusätzlich nicht nur durch Patchen einzelner Schwachstellen zu schließen, sondern die Ausführungsumgebung selbst stärker zu begrenzen. In den Hinweisen wird explizit beschrieben, dass die Instanzsicherheit verbessert wird, indem die Art von Code, die in Sandbox-Kontexten laufen darf, deutlich restriktiver gehandhabt wird. Genau an dieser Stelle wird der Unterschied zwischen „Blockieren“ und „Absichern“ sichtbar: Ein Sandbox-Policy-Ansatz wirkt wie ein zweiter Schutzring, weil selbst dann, wenn ein Angriffsvektor eine Escape-Falle berührt, die erlaubte Funktionalität stark eingeschränkt bleibt. Das ist besonders wichtig, weil die beobachtete Ausnutzung den gleichen Endpunkt nutzt, aber über eine abweichende Gadget-/Trigger-Route zu einer Code-Ausführungsprimitive gelangt.
Für die Risikoeinschätzung ist auch die Meldung weiterer technischer Details relevant: Eine Security-Firma hatte demnach zusätzliche Informationen geliefert, inklusive der Einordnung, dass es bei erfolgreicher Ausnutzung zu einem vollständigen Kompromittieren der ServiceNow-Instanz kommen kann, sowie zu Kompromittierungen von verbundenen Proxy-Servern. Solche Aussagen verändern die Priorisierung in der Incident-Response deutlich. Es reicht dann nicht, nur die betroffene KI-Funktion oder den Sandbox-Mechanismus zu isolieren; es muss vielmehr angenommen werden, dass ein Angreifer danach lateral zu anderen Systemen vordringen kann, insbesondere wenn Netzwerkpfade, Proxys oder Forwarding-Regeln existieren. Wer Self-Hosted betreibt, sollte daher zusätzlich zur Patch-Kontrolle nach Anzeichen für erfolgreiche Sessions, ungewöhnliche Requests zum genannten Endpunkt und auffällige Prozess-/Codeausführungsmuster suchen.
Parallel bleibt für viele Unternehmen die wichtigste operative Linie klar: vorhandene Self-Hosted-Instanzen sollen die genannten Fixes zeitnah einspielen, falls noch nicht geschehen. Auch wenn Cloud-Modelle gewisse Risiken durch zentral gesteuerte Updates abfedern können, hängt der tatsächliche Schutz im Self-Hosted-Betrieb an der konkreten Version und dem Patchlevel. Für Teams, die ServiceNow als Betriebsplattform nutzen, bedeutet das zudem, dass Patchfenster und Freigabeprozesse nicht nur als „Routine“ betrachtet werden sollten: Der Angriff zeigt, wie schnell eine kritische Schwachstelle vom Proof-of-Concept in den realen Betrieb rutschen kann. In der Folge wird die Kombination aus kurzfristiger Härtung (Patch + Policy-Anpassungen) und längerfristigem Sicherheitsbetrieb (Monitoring für pre-auth Aktionen, strenge Netzwerksegmentierung) zum entscheidenden Hebel, um die Angriffsfläche von KI-Funktionen nicht zum Einfallstor werden zu lassen.
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