LONDON (IT BOLTWISE) – Siemens Healthineers will in der vor dem Carve-out stehenden Diagnostik-Sparte zusätzliche 400 Millionen Euro einsparen. Finanzchef Jochen Schmitz knüpft das Ziel an eine angestrebte EBIT-Marge im mittleren Zehnerprozentbereich. Belastet wird das Geschäft vor allem durch den Umbau im chinesischen Gesundheitswesen, der den Markt laut Unternehmen fast halbiert hat. Parallel arbeitet das Management auf Konzernebene an einem Produktivitätsprogramm, das ab 2028 Kosten von insgesamt über 300 Millionen Euro kompensieren soll.

Siemens Healthineers setzt vor dem geplanten Carve-out der Diagnostik-Sparte auf ein deutliches Kostensignal: In der Phase, in der Olyrian Diagnostics als eigenständiges Unternehmen vorbereitet wird, sollen zusätzlich 400 Millionen Euro Einsparungen generiert werden. Finanzchef Jochen Schmitz stellte das in einer Analystenkonferenz so in den Mittelpunkt, dass das Programm nicht nur kurzfristige Ergebniskorrektur ist, sondern direkt an das Margenziel gekoppelt wird: „Wir beabsichtigen, zusätzliche 400 Millionen Euro an Einsparungen zu generieren“, sagte Schmitz. Hintergrund ist, dass das Diagnostics-Geschäft nach Unternehmensangaben aktuell mit strukturellen Gegenwinden ringt und die bereinigte EBIT-Marge zuletzt nur noch 3,2 Prozent erreichte.
Technisch und operativ lässt sich diese Margenlücke vor allem als Folge von Prozess- und Portfolio-Umstellungen im klinischen Workflows-Kontext verstehen. Das Unternehmen verweist darauf, dass das Diagnostik-Geschäft unter den Folgen des Umbaus im chinesischen Gesundheitswesen leidet. Dieser Umbau habe den Markt „fast halbiert“, wodurch sowohl die Auslastung der Vertriebs- und Serviceorganisation als auch die Volumenplanung für Labor-Setups unter Druck geraten. Zusätzlich kommt der gewollte Rückzug aus alten Laboranalyseplattformen als weiterer Belastungsfaktor hinzu: Wer bestehende Systemgenerationen zurückfährt, trägt zunächst typischerweise Übergangskosten, während neue Installationen im Rollout-Takt hochfahren müssen.
In der Ergebnislogik ist das Timing besonders sensibel, weil der Markt die „Spannweite“ zwischen Umsetzungsgeschwindigkeit und Bewertungsanspruch bei einem Spin-off gleichzeitig beobachten dürfte. Siemens Healthineers bereitet deshalb nicht nur ein Sparprogramm innerhalb von Diagnostics vor, sondern plant zusätzlich ein Konzernprogramm, das die Kosten abfedern soll, die aus mehreren gleichzeitigen Einschnitten entstehen: der Abspaltung selbst, der Trennung vom bisherigen Mutterkonzern Siemens und auch der Verkleinerung des bisherigen Ultraschall-Geschäfts. Insgesamt will Healthineers dabei mehr als 300 Millionen Euro in den Jahren ab 2028 kompensieren, wobei die konkreten Maßnahmen des Produktivitätsprogramms „Transform for Future“ noch erarbeitet werden müssen.
Gerade diese Mehrschichtigkeit unterscheidet das aktuelle Vorgehen von klassischen Kostensparrunden. In der Praxis verschiebt ein Programm dieser Größenordnung den Fokus von einzelnen Projekten hin zu einer Plattform- und Prozessarchitektur: Beschaffung, Shared Services, Service-Exzellenz, Fertigungs- und Logistikketten sowie die IT-nahe Betriebsorganisation werden entlang messbarer Produktivitätshebel ausgerichtet. Dass Stellenabbau dabei nach Worten des Finanzchefs „durchaus wahrscheinlich“ ist – insbesondere dort, wo sich Tätigkeiten automatisieren ließen – deutet auf eine stärkere Gewichtung von Automatisierung und standardisierten Abläufen hin. Gleichzeitig stellt der Hinweis auf „Gratwanderung“ in der Bewertungspolitik klar, dass jede harte Maßnahme auch die Wahrnehmung beim Kapitalmarkt beeinflusst: „Wir werden hoffentlich einen guten Weg finden, diese Gratwanderung zwischen Geschwindigkeit und Bewertung zu meistern“, sagte Schmitz weiter.
Für den Markt ist außerdem relevant, dass Healthineers bereits ein weiteres Sparprogramm laufen hat, um Belastungen aus US-Zöllen teilweise abzufedern. Dieses Programm verfügt laut Angaben über ein Sparvolumen von 200 Millionen Euro und zeigt, dass das Unternehmen die Kostenkurve nicht erst jetzt dreht, sondern parallel auf mehrere Risikotrigger reagiert. Strategisch will sich das DAX-Unternehmen künftig stärker auf Bildgebung und Präzisionstherapie konzentrieren. Die bereits angezeigte Trennung vom Diagnostik-Geschäft, das nach Unternehmenssicht keine Synergien mit dem Restportfolio hat, bringt der Vorstand damit zeitlich in eine konkrete Ausführungsphase.
Der Carve-out selbst soll nach Planungen bis zur Jahresmitte 2028 über die Bühne gehen. Schmitz bezeichnete den dafür nötigen Schritt als frühestmöglichen Zeitpunkt für die „echte Trennung“: „Das ist sozusagen der früheste Zeitpunkt für eine echte Trennung“. Für die Umsetzung heißt das typischerweise, dass organisatorische und finanzielle Trennungsbausteine frühzeitig in die operative Planung integriert werden müssen – von der Zuordnung von Personal- und Prozessverantwortung bis hin zur Ausgestaltung von Service-Leveln und Schnittstellen zwischen verbleibenden und abgehenden Einheiten. Unmittelbar offene Frage bleibt, wann die tatsächliche Trennung im operativen Alltag den größten Effekte zeigt; Schmitz wollte sich hierzu jedoch nicht weiter äußern.
Aus Unternehmenssicht dürfte die entscheidende Herausforderung darin liegen, die Einsparziele so zu erreichen, dass der Produkt- und Servicebetrieb für Labor- und Diagnostik-Kunden stabil bleibt. Denn gerade in der Medizintechnik hängt wirtschaftliche Performance stark von Verfügbarkeit, Wartung und Turnaround-Zeiten ab. Wenn sich die Diagnostik-Margen erst nach einem Optimierungspfad in Richtung „mittlerer Zehnerprozentbereich“ bewegen sollen, müssen Einsparungen eng mit Qualitäts- und Lieferkettenstabilität verknüpft werden. Für Branchenbeobachter ist damit weniger die Frage „ob“ gespart wird, sondern „wie schnell“ und „mit welchen Schutzmechanismen“ das Unternehmen den Übergang zur eigenständigen Diagnostics-Einheit schafft.
Wenn das Sparprogramm über 400 Millionen Euro und das Konzernprogramm „Transform for Future“ ab 2028 tatsächlich Wirkung entfalten, verändert das die Zielbilder für Capex, Opex und die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Diagnoseplattformen. Gleichzeitig bleibt der operative Gegenwind aus Regionen mit marktstrukturellen Umbauten ein wesentlicher Faktor, weil Volumen- und Serviceplanung dort nicht linear auf eine neue Plattformgeneration skalieren. In Summe sendet Healthineers jedoch ein klares Signal: Der Carve-out wird nicht als reines Strukturprojekt verstanden, sondern als wirtschaftlicher Umbau, der gleichzeitig die Profitabilitätsbasis von Diagnostics neu aufsetzt und die verbliebenen Segmente disziplinierter ausrichtet.
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