VANCOUVER / LONDON (IT BOLTWISE) – SideFX und NVIDIA stellen auf der Siggraph 2026 KI-Agenten vor, die Character-Rigging in Houdini 22 automatisieren sollen. Im Zentrum steht das Apex Script Comfort Package in SideFX Labs, das prozedurales Rigging-Code per KI aus einer kuratierten Apex-Syntax-Bibliothek erzeugen soll. Die Integration nutzt das Model Context Protocol (MCP) und zielt auf weniger manuelle Handarbeit bei gleichzeitig hoher Flexibilität. Zusätzlich setzt NVIDIA mit DGX Spark auf optionale lokale Inferenz, um Latenz und Datenschutzanforderungen besser handhaben zu können.

Siggraph 2026: SideFX und NVIDIA automatisieren KI-Rigging in Houdini 22
Siggraph 2026: SideFX und NVIDIA automatisieren KI-Rigging in Houdini 22 (Foto: IT BOLTWISE)
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Auf der Siggraph 2026 in Vancouver verschiebt sich der Fokus im 3D-Workflow spürbar: SideFX und NVIDIA adressieren nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern den Kern der Rigging-Produktionskette in Houdini 22. Character-Rigs bestehen im Alltag häufig aus vielen prozeduralen Bausteinen, die TDs (Technical Directors) mit Skripten, Nodes und Rig-Logik zusammensetzen. Genau hier setzen die angekündigten KI-Agenten an, die komplexe Rigging-Aufgaben künftig weitgehend automatisch übernehmen sollen – mit dem Anspruch, dass die prozedurale Houdini-Umgebung weiterhin vollständig nutzbar bleibt. Für Teams, die heute schon an virtuellen Produktionen und Simulationen arbeiten, ist das vor allem deshalb relevant, weil Rigging-Latenzen und iteratives Anpassen bei neuen Assets oft den Takt der gesamten Pipeline bestimmen.

Technisch beginnt das Vorhaben mit einem Werkzeugpaket aus SideFX Labs: Das Apex Script Comfort Package liefert den KI-Agenten eine kuratierte Bibliothek aus Apex-Script-Syntax sowie Beispiele. Damit wird prozeduraler Code nicht “ins Blaue” geraten, sondern in eine strukturierte Vorlage überführt. In der Praxis bedeutet das: Der Agent soll aus Anforderungen für Character-Rigging eigenständig Code-Lösungen generieren, die anschließend in Houdini 22 weiterverarbeitet werden können. Wichtig ist dabei die Zielsetzung “weniger manuelle Arbeit bei voller Flexibilität”: Rigging ist selten vollständig standardisiert, und gerade deshalb brauchen Studios im Produktionsalltag neben Automatisierung auch Variantenfähigkeit – etwa für unterschiedliche Proportionsmodelle, Animationstypen oder Produktionsregeln.

Für die Integration wählen SideFX und NVIDIA das Model Context Protocol (MCP) und verknüpfen es mit einer neuen Art, Agenten in professionelle Softwareumgebungen einzubetten. Der entscheidende Teil liegt laut Quelle in einer architektonischen Überarbeitung hin zu einer zustandslosen (stateless) Architektur, die Unternehmensbereitstellungen in großem Maßstab ermöglichen soll. Konkrete Änderungen werden mit header-basiertem Routing, cachebaren Listenergebnissen sowie Multi-Round-Trip-Anfragen beschrieben. Für Entwicklerteams ist das vor allem dann ein Vorteil, wenn sie Agentenverhalten reproduzierbar machen wollen: Statt dass jede Anfrage implizit auf frühere Kontexte angewiesen bleibt, lässt sich der Kontext in kontrollierten Datenflüssen organisieren. Gleichzeitig unterstützt ein besseres Caching bei Listenergebnissen das Einsparen von wiederholter Berechnung – ein Punkt, der bei prozeduralen Workflows schnell messbar wird, weil derselbe “Wissensstand” für ähnliche Rigging-Schritte häufig erneut benötigt wird.

Damit KI-Agenten nicht automatisch als “Cloud-Problem” in die Produktionsumgebung rutschen, positioniert NVIDIA den DGX Spark als optionale Hardware-Lösung für lokale Inferenz. Studios können damit KI-gesteuerte Rigging-Prozesse ohne zwingende Cloud-Anbindung verarbeiten – insbesondere relevant, wenn große Datenmengen oder iterative Entwicklungsschleifen mit kurzen Feedback-Zyklen zusammenkommen. In der Signalwirkung ist das eine klare Antwort auf zwei typische Engpässe: Latenzzeiten bei Echtzeit- oder Near-Echtzeit-Workflows und Datenschutzfragen, die in Medien- und Produktionsumgebungen oft über strengere interne Regeln laufen als in klassischen Web-Anwendungsfällen. Parallel baut NVIDIA zudem den “Physical AI”-Ansatz aus: Jetson-Module mit Thor-Architektur und Blackwell-GPUs sollen in Richtung robotischer Edge-Anwendungsfälle gehen, wobei das T3000-Modul mit 865 FP4-Teraflops explizit für Hochleistungsrobotik und Edge-AI genannt wird. Die Verfügbarkeit wird für das erste Quartal 2027 in Aussicht gestellt – ein Hinweis darauf, dass der Agenten-Gedanke nicht bei 3D-Content stehenbleibt, sondern auch den Übergang zu physischen Systemen adressiert.

Auf der Softwareseite wächst das Agent Toolkit von NVIDIA ebenfalls: Mit neuen Omniverse-Bibliotheken wie ovrtx und CAD-to-SimReady sollen KI-Agenten 3D-Inhalte für physikalische Simulationen vorbereiten können. Ergänzend wird ein Weltmodell namens Cosmos 3 vorgestellt, das Weltverständnis und Aktionsgenerierung zusammenführen soll; hinzu kommt eine “Dreams”-Komponente für geschlossene Simulationen, die im Umfeld autonomer Fahrfunktionen eine Rolle spielen soll. Für die “Edge”-Perspektive wird außerdem eine Echtzeit-Variante angekündigt, die auf Endgeräten laufen soll. In Summe ergibt sich damit ein Stack, der von der Modellvorbereitung über die Simulation bis zur Aktionsebene reicht – und genau dort wird der Agentenansatz in der Industrie interessant, weil Rigging, Simulation und anschließende physikalische Plausibilitätschecks oft in getrennten Tools stattfinden. Wenn sich diese Schritte stärker koppeln lassen, sinkt nicht nur die Anzahl der manuellen Übergaben, sondern auch das Risiko, dass Annahmen zwischen Tools auseinanderlaufen.

Siggraph-relevant ist diese Bewegung aber nicht nur für Houdini-User, sondern auch im Wettbewerb der Agentenplattformen. Laut Quelle startet Google DeepMind am 30. Juli Gemini Robotics 2, ein Vision-Language-Action-Modell für Ganzkörper-Robotersteuerung sowie Multi-Roboter-Kollaboration; parallel wird eine “Embodied Reasoning”-Variante genannt, die laut Unternehmensangaben bei Aufgaben wie Fortschrittsklassifizierung und Moment-Finding hohe Genauigkeit erreichen soll. Außerdem wird bereits am 29. Juli eine agentische Plattform für Physical AI erwähnt, die bei einem Unternehmen intern seit 2025 im Einsatz sein soll. Daneben kündigen Rockwell Automation und Augury am 30. Juli eine Partnerschaft zur Integration KI-gestützter Wartungstools in industrielle Managementsysteme an, während Kawasaki Heavy Industries mit NVIDIA an einer digitalen Werft arbeitet, in der Roboter in virtuellen Umgebungen für Schweiß- und Inspektionsaufgaben trainieren. Für Unternehmen in DACH bedeutet das: Die Frage verschiebt sich von “Ob Agenten kommen” zu “Wie robust und auditierbar Agenten in bestehende Toolchains integriert werden”. MCP mit seiner beschriebenen Architektur ist dafür ein sichtbarer Baustein, weil er sich eher als Integrationsstandard denn als Einzelmodell verhält.

Für die deutsche Kreativ- und Games-Branche, die laut Quelle stark auf Houdini setzt, ist der unmittelbare Nutzen vor allem prozessual: Wenn Rigging-Schritte schneller in funktionsfähigen prozeduralen Code überführt werden, sinkt der Zeitaufwand für Iterationen, und die TDs können sich stärker auf künstlerische Vorgaben, Edge-Cases und Qualitätssicherung konzentrieren. Gleichzeitig entsteht ein neues Planungsfenster für Teams, die Agenten in Produktion einsetzen wollen: SideFX und NVIDIA liefern mit dem MCP-Integrationsteil sowie der Option lokaler Inferenz Bausteine, um nicht alles an eine einzelne Ausführungsumgebung zu koppeln. Am Ende steht damit ein klarer Trend, der über Rigging hinausgeht: Agentische KI wird zunehmend zum “Arbeitskollegen” in Produktionspipelines, von Content-Erstellung über Simulation bis hin zur physischen Welt. Entscheidend wird sein, wie gut sich diese Agenten in der Praxis in Studio-Standards, Caching-Strategien und Validierungsroutinen einbetten lassen – und wie schnell sich die Teams bei Fehlerbildern aus Automatisierungsschritten zurück in einen kontrollierten Entwicklungsmodus navigieren können.


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