DÜDINGEN (SCHWEIZ) / LONDON (IT BOLTWISE) – Sika nutzt ihren Investorentag im größten Klebstoffwerk, um Wachstumshebel im Konzern sichtbar zu machen. Im Mittelpunkt stehen Klebstoff- und Dichtungstechnologien, die Rolle von „Adhesive Systems“ sowie die Umsetzung der digitalen Marktdurchdringung über das Fast Forward Programm. CEO Thomas Hasler verknüpft Innovation und Go-to-Market-Strategien mit der Akquisition von Akkim. Für das Programm nennt Sika 2026 ein Nutzen-Ziel von CHF 80 Millionen und bis 2028 einen Ergebnisbeitrag von CHF 150 bis 200 Millionen.

Dass Sika gerade in Düdingen seine Wachstumserzählung besonders stark auf Klebstoffe und digitale Marktdurchdringung ausrichtet, ist mehr als eine Standortinszenierung: Das Management stellt den Investorentag ausdrücklich in den Kontext des eigenen Klebstoffgeschäfts und verknüpft die Technologiesicht mit dem Kundenzugang. Damit rückt „Adhesive Systems“ in den Fokus, also ein Bereich, der laut Angaben im Konzern in den meisten der acht Zielmärkte zum Einsatz kommt. Für Entscheider ist das relevant, weil sich an solchen Kerntechnologien nicht nur Produktperformance, sondern auch die Skalierbarkeit der Vertriebs- und Serviceprozesse entscheidet.
Technisch betrachtet geht es bei Klebe-, Dicht- und verwandten Systemlösungen häufig um die Kombination aus Materialchemie, Prozessstabilität und Anwendungssicherheit. Sika positioniert diese Kompetenz als zentrale Wettbewerbsstärke und nutzt den Tag, um den Zusammenhang zwischen Innovation, Produktion und dem späteren Markterfolg zu erklären. Der Rundgang durch den Produktionsstandort liefert dabei den operationalen Teil der Story: Moderne Fertigung, operative Exzellenz und ein klarer Fokus auf Innovation sollen zeigen, dass Wachstum nicht nur aus dem Marketing, sondern aus belastbarer Liefer- und Qualitätsfähigkeit entsteht. Genau diese Kopplung ist in Branchen mit langen Qualifizierungszyklen entscheidend, weil Kundenfreigaben häufig an gleichbleibende Eigenschaften und reproduzierbare Produktionsparameter gebunden sind.
Im finanziellen Kern baut Sika die Wachstumslogik auf zwei Strängen auf: organische Weiterentwicklung und Zukäufe mit skalierbaren Plattform-Effekten. CEO Thomas Hasler hebt dabei die Akquisition von Akkim hervor, die als „hoch skalierbare Plattform“ beschrieben wird. Der Plan: den Wachstumskurs beschleunigen und den Umsatz von Akkim innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Gleichzeitig wird eine starke Innovationspipeline betont, die nachhaltige und leistungsstarke Lösungen liefern soll, die einen „erheblichen Mehrwert“ für Kunden schaffen. Für die Praxis bedeutet das: Unternehmen erhalten nicht nur ein Material, sondern ein Set aus Anwendung, Support und Umsetzungskompetenz, das sich in Ausschreibungen und technischen Spezifikationen leichter argumentieren lässt.
Parallel dazu geht Sika das Thema Digitalisierung über das Fast Forward Programm an, das als digitale Transformation mit Beitrag zum profitablen Marktanteilswachstum beschrieben wird. Laut Angaben soll Fast Forward 2026 einen Nutzen von CHF 80 Millionen erzielen und bis 2028 einen Ergebnisbeitrag von CHF 150 bis 200 Millionen leisten. Interessant ist dabei weniger der Zahlenrahmen allein, sondern die Verbindung zu Innovation, der Erschließung zusätzlicher Vertriebskanäle und konkreten Go-to-Market-Strategien. Digitalisierung in der Chemie- und Bauzulieferindustrie heißt in der Regel nicht „mehr Software“, sondern bessere Steuerung entlang des gesamten Wertstroms: von Angebots- und Produktkonfiguration über Projekt-Tracking bis hin zu Customer-Insights, die die richtige Lösung zur richtigen Zeit in den Vertrieb bringen. Wenn Sika diese Kette als Teil des Programms adressiert, kann das den Hebel erklären, mit dem Marktanteile profitabel ausgebaut werden sollen.
Auch die Markt- und Wettbewerbsdynamik spielt hinein, selbst wenn keine konkreten Wettbewerbernamentlich genannt werden. Kleb- und Dichtungssysteme sind in der Bauindustrie sowie in mehreren industriellen Anwendungen ein Wachstumstreiber, weil sie in vielen Wertschöpfungsketten Materialkombinationen, Montageprozesse und Lebenszyklusanforderungen beeinflussen. Wer hier Marktanteile gewinnt, profitiert oft davon, dass sich Systemlösungen leichter standardisieren lassen als einzelne Komponenten. Sikas Ansatz legt nahe, dass der Konzern genau an dieser Stelle ansetzt: „Adhesive Systems“ als wiederholbarer Technologie- und Vertriebsbaustein, ergänzt durch digitale Prozesse aus Fast Forward. Dadurch kann der Konzern stärker auf unterschiedliche Zielmärkte zugeschnittene Vertriebswege entwickeln, ohne jedes Mal bei Null zu beginnen.
Für Entscheider in Unternehmen, die mit Sika als Lieferant planen oder selbst in Bau- und Industriewertschöpfung eingebunden sind, ergibt sich daraus eine klare Implikation: Die kommenden Jahre werden stärker als bisher von System- und Plattformlogiken geprägt. Wenn Akkim als skalierbare Plattform verstanden wird, heißt das in der Lieferpraxis meist, dass Prozesse, Produktportfolios oder Serviceleistungen schneller in größere Vertriebsstrukturen überführt werden sollen. Gleichzeitig deuten die genannten Zielwerte für Fast Forward auf einen Zeithorizont hin, in dem digitale Initiativen nicht nur als „Transformation“, sondern als messbarer Ergebnishebel behandelt werden. Genau diese Verschiebung von Projekten hin zu nachverfolgbaren Wirkungen entscheidet über die reale Umsetzbarkeit in Einkauf, Projektplanung und technischen Freigaben.
Unterm Strich zeigt der Investorentag in Düdingen einen konsistenten Plan: Wachstum entsteht aus Klebstoff- und Dichtungskompetenz, wird über Innovation und operative Exzellenz abgesichert und im Vertrieb durch digitale Marktdurchdringung verstärkt. Die Akquisition von Akkim liefert laut Management einen klaren Beschleunigungsmechanismus, während Fast Forward als Rahmenprogramm den Zeithorizont mit konkreten Nutzen- und Ergebnisbeitragszielen absteckt. Für den Markt bleibt entscheidend, ob Sika die Verknüpfung aus Technologie, Skalierung und Go-to-Market in der Fläche stabil ausrollt. Wenn das gelingt, könnten Klebstoff- und Systemlösungen im Konzern noch stärker zu einem differentiierenden Wachstumsfaktor werden, statt nur Teil des Portfolios zu sein.
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