LONDON (IT BOLTWISE) – Sonos bringt mit der App-Version „Sonos 27“ ein Bündel neuer Funktionen: Die Navigation wird überarbeitet und soll die Steuerung im Alltag beschleunigen. Zusätzlich lassen sich zwei passende mobile Sonos-Lautsprecher als rückwärtliche Surrounds nutzen, ohne eine feste Heimkino-Installation. Im Early Access koppelt Sonos zudem KI-Assistenzsysteme an die Lautsprecher, während „Headphone Linking“ den Ton zwischen Nahbereich und Ohren flexibel verschiebt. Später in diesem Jahr soll außerdem „Sonos 27 Voice“ folgen.

Mit dem Update auf die „Sonos 27“-App verschiebt Sonos den Schwerpunkt spürbar weg von großen, redesign-orientierten App-Revolutionen hin zu konkreten Alltagsszenarien. Laut dem Rollout über den App Store ist die neue Version zunächst für „all Sonos S2 products“ verfügbar, wobei Sonos gleichzeitig betont, dass die Funktionsverfügbarkeit je nach Produkt variieren kann. Für Nutzer ist damit vor allem relevant, dass sich Änderungen nicht nur in Menüs abspielen, sondern auch im Zusammenspiel mit bestehender Hardware – etwa bei der Frage, wie flexibel sich Lautsprecher in unterschiedlichen Raum- und Hörsituationen einsetzen lassen.
Technisch wirkt die Aktualisierung vor allem an zwei Stellen: an der Bedienoberfläche und an der Gerätekopplung. In der neuen App-Navigation setzt Sonos auf ein vereinfachtes Layout mit Swipe-Gesten sowie „pinned rooms“, also angepinnten Räumen, die sich schneller erreichen lassen sollen. Das klingt nach UX-Feintuning, ist aber in Haushalten mit mehreren Zonen realitätsnah: Je weniger Taps und Scroll-Schritte bis zur passenden Quelle und zum Lautstärke-Setup nötig sind, desto häufiger wird eine Multiroom-Nutzung tatsächlich im Tagesbetrieb stattfinden. Ergänzt wird das Ganze durch eine neue Logik für Surrounds mit tragbaren Geräten.
Hier kommt eine Funktion ins Spiel, die vor allem Bestandskunden ansprechen dürfte: „Portable Surrounds“. Sonos beschreibt, dass zwei identische portable Lautsprecher – konkret etwa „Move 2“ oder „Sonos Play“ – als rückwärtige Surrounds funktionieren können, sobald sie mit einer kompatiblen Soundbar gekoppelt sind. Der entscheidende Punkt: Diese rückwärtige Rolle soll sich laut Sonos wieder zurücknehmen lassen, wenn die Lautsprecher an einen anderen Ort gebracht werden. Damit adressiert Sonos ein klassisches Problem in kleineren Wohnungen und in dynamischen Setups: Man möchte den Effekt eines Heimkinos, ohne dafür dauerhaft ein zweites fest montiertes Lautsprecherpaar einplanen zu müssen.
Parallel erweitert Sonos den Funktionsrahmen Richtung „Private Listening“, also die nahtlose Umstellung zwischen Raumlautsprechern und Kopfhörern. Im Early Access „Headphone Linking“ koppelt die „Ace Ultra“-Kopfhörer-Generation an das Sonos-System, sodass sich Audio zwischen nahe beieinander liegenden Lautsprechern und den eigenen Ohren „push and pull“ verlagern lässt – und zwar ohne Telefon als Zwischenstation. Für die Praxis bedeutet das: statt separate Apps oder Umwege zu nutzen, soll die Schaltstelle zwischen „im Raum“ und „bei mir“ stärker an die Sonos-Ökosystemlogik gebunden sein. Gerade hier zeigt sich, dass Sonos nicht nur einzelne Funktionen nachliefert, sondern versucht, die Systemsteuerung als durchgängige Schicht über verschiedenen Geräten zu denken.
Deutlich strategischer wird es im gleichen Atemzug mit „Sonos 27 mcp“: Im Early Access sollen KI-Assistenten wie ChatGPT und Claude an Sonos angebunden werden, damit Hörer mehr Auswahl haben, statt auf genau einen Assistenten festgelegt zu sein. Technisch ist das eine Abkehr vom reinen „App-Features“-Ansatz hin zu einer Schnittstellenlogik, die unterschiedliche Sprach- und Assistenzmodelle in eine gemeinsame Bedienwelt einbetten kann. Für Unternehmen und Entwickler ist das auch ein Signal, wie Sonos seine KI-Funktionen künftig positionieren will: nicht als geschlossene Insel, sondern als orchestrierbaren Bestandteil eines Haushalts-Setups, in dem der Nutzer die Assistenzebene austauschen kann.
In der Vorschau nennt Sonos zwei weitere Stufen, die das Bild abrunden. „Sonos 27 voice“ soll „später in diesem Herbst“ kommen und als musikfokussierter Assistent auftreten – mit dem erklärten Ziel, dass nicht „ein einzelnes KI-System“ den gesamten Haushalt dominiert, sondern Konsumentenwahl im Vordergrund steht. Für einen längeren Zeithorizont kündigt Sonos außerdem „Sonos Custom Agents“ für 2027 an: Nutzer sollen eigene Agents im System erstellen können, jeweils mit eigenem Modell, eigener Persona und eigener Stimme. Diese Richtung ist aus Branchensicht bemerkenswert, weil sie die Interaktion nicht nur als Sprachbefehl versteht, sondern als anpassbare Agenten-Instanzen, die im Alltag wiedererkennbar und damit nutzbarer werden können.
Nach den größeren Kontroversen rund um ein früheres App-Redesign wirkt die heutige Schwerpunktsetzung weniger riskant: Die neue Navigation wird zwar sichtbar, aber sie verändert nicht zwangsläufig die gesamte Nutzungslogik radikal. Für die nächsten Monate dürfte daher die Frage wichtiger werden, wie stabil die Kopplung zwischen Soundbar, tragbaren Surrounds und Headphone Linking im realen Betrieb ist. Ebenso entscheidet sich am frühen Erfolg von „mcp“ und an der Alltagstauglichkeit der KI-Interaktion, ob sich der Ansatz über Pilotnutzer hinaus durchsetzt. Wer Sonos-Geräte im S2-Ökosystem betreibt, sollte das Update damit nicht nur als neue Oberfläche ansehen, sondern als Vorbereitung auf eine stärker vernetzte Interaktion zwischen Unterhaltung, Sprachsteuerung und personalisierten Agenten.
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