LONDON (IT BOLTWISE) – NVIDIA und Micron Technology sollen laut einer Einschätzung zum S&P 500 im dritten Quartal zusammen einen sehr großen Teil des erwarteten Gewinnwachstums je Aktie liefern. Micron kommt dabei auf einen Beitrag von 19 Prozent, NVIDIA folgt mit 15 Prozent. Zusammen vereinen beide damit 34 Prozent auf sich, gefolgt von Meta, Alphabet und Amazon. Für KI-Anleger rückt damit die Frage nach dem Klumpenrisiko in den Index-Favoriten und nach den nächsten Capex-Signalen in den Mittelpunkt.

Der S&P 500 wirkt auf den ersten Blick breit gestreut, doch die aktuelle Gewinnstory zeigt eine deutliche Konzentration auf wenige KI-Profiteure. In einer Analyse, die sich auf die erwarteten Ergebnisse je Aktie im dritten Quartal bezieht, wird für NVIDIA und Micron Technology zusammen ein Beitrag von 34 Prozent zum Gewinnwachstum genannt: Micron steuert 19 Prozent bei, NVIDIA 15 Prozent. Damit entfallen auf die fünf großen Tech- und KI-nahe Namen NVIDIA, Micron, Meta, Alphabet und Amazon sogar 51 Prozent des erwarteten Gewinnwachstums je Aktie. Für Investoren heißt das: Die Indexrendite hängt nicht nur von der allgemeinen Konjunktur ab, sondern spürbar von einzelnen Segmenten der KI-Infrastruktur.
Dieser Befund ist aus Marktsicht besonders relevant, weil er den Mechanismus der KI-Rally greifbar macht. Die Analyse rechnet vor, dass die beiden Speicher- und Beschleuniger-Player zusammen mehr Wachstum erzeugen sollen als die unteren 490 Unternehmen im Index. Gleichzeitig wird die KI-Infrastruktur als Treiberbreite sichtbar: KI-Infrastrukturfirmen insgesamt sollen auf mehr als die Hälfte des Wachstums kommen. Das passt zu der Erwartung, dass das Gewinnplus im S&P 500 im abgeschlossenen dritten Quartal bei 29,5 Prozent liegt und für das Gesamtjahr 2026 bei 32,4 Prozent. Damit wäre es das achte Quartal in Folge mit zweistelligen prozentualen Gewinnsteigerungen.
Technisch und operativ spielt bei NVIDIA dabei nicht nur die Nachfrage nach KI-Beschleunigern eine Rolle, sondern auch die Profitabilität entlang der Rechenzentrums-Wertschöpfung. NVIDIA meldete für das zweite Geschäftsquartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 106 Prozent zum Vorjahr; das Data-Center-Geschäft steuerte 89,0 Milliarden US-Dollar bei. Für das dritte Quartal wird ein Ziel von 108,0 Milliarden US-Dollar genannt, wobei Umsätze aus Data-Center-Compute in China ausdrücklich ausgenommen sind. Finanzchefin Colette Kress stellte zudem in Aussicht, dass das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent anpeilt; parallel soll die Bruttomarge bei 71 bis 72 Prozent landen, weil die Speicherpreise stärker steigen dürften als zuvor erwartet.
Micron liefert in diesem Umfeld einen zweiten Hebel, der aus Anlegersicht oft unterschätzt wird: der Einfluss des Speicherzyklus auf die gesamte KI-Gewinnkette. Laut den vorliegenden Zahlen stieg der Umsatz im Geschäftsjahr bis zum 3. September 2026 auf 54,23 Milliarden US-Dollar, nach 11,32 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 33,42 US-Dollar, die bereinigte Bruttomarge bei 87,0 Prozent. Für das nächste Quartal werden 61,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 38,15 US-Dollar erwartet; CEO Sanjay Mehrotra spricht dabei von einem noch stärkeren Geschäftsjahr 2027. Damit verstärkt Micron die KI-Erzählung nicht über klassische Software-Monetarisierung, sondern über das Tempo und die Preisniveaus in DRAM- und NAND-ähnlichen Speichersegmenten.
Dass der Index nicht nur an NVIDIA und Micron hängt, sondern die KI-Capex insgesamt antreibt, lässt sich auch an den Folgeterminen und den Segmentdaten großer Plattformen ablesen. Alphabet legt am 28. Oktober 2026 seine Zahlen vor; im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar, während die Google Cloud um 82 Prozent zulegte. Die Investitionen lagen bei 44,9 Milliarden US-Dollar und drückten den freien Cashflow in den negativen Bereich. Apple plant derweil am 2. November die Bilanz für das vierte Geschäftsquartal 2026; die Meldung ordnet außerdem ein, dass Apple als Kunde genannt wird, dessen Private Cloud Compute auf NVIDIA-GPUs setzt. Solche Querverbindungen sind wichtig, weil sie zeigen, dass KI-Workloads nicht auf Rechenzentren allein beschränkt sind, sondern auch in Plattform- und Ökosystemkosten hineinwirken.
Für Anleger ergibt sich daraus ein doppelter Blick: Einerseits ist die KI-Rally dem Text zufolge fundamental untermauert, weil Gewinne und nicht nur Erwartungen die Kursstory treiben. Wer bislang gar nicht investiert war, kann das über gestaffelte Einstiege statt über einen Alles-oder-Nichts-Trade adressieren. Andererseits wächst das Klumpenrisiko. In einem Index sind ETF-Anleger faktisch bereits auf dieselben Trends ausgerichtet; wenn NVIDIA oder Micron bei Ausblick oder Margen enttäuschen, wirkt das nicht nur auf Einzeltitel, sondern auf den gesamten Index. Hinzu kommt, dass Micron als Speicherhersteller einem ausgeprägten Preiszyklus unterliegen kann, sodass Rekordgewinne selten ein Dauerzustand sind.
Das Zinsumfeld wirkt dabei wie ein Bremssignal für hohe Bewertungsniveaus. Zuletzt wird eine Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von rund 5,3 Prozent genannt; bei solchen Niveaus werden künftige Cashflows stärker abgezinst. Deshalb erscheint eine Strategie zwischen Teilhabe und Absicherung plausibel: bestehende KI-Positionen halten, Gewichtungen regelmäßig prüfen und Gewinne teilweise mitnehmen, wenn einzelne Titel das Depot dominieren. Als Ergänzung werden gleichgewichtete Indexprodukte, europäische oder defensive Sektoren sowie Anleihen genannt, die bei diesem Zinsniveau wieder eine ernsthafte Alternative darstellen. Entscheidender Frühindikator bleibt zudem das Investitionsverhalten großer Cloud- und Plattformanbieter wie Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta: Wenn deren Capex-Pläne weiter anziehen, bleibt das Fundament intakt; ein Abflachen wäre nach dieser Logik das deutlichste Warnsignal für die gesamte Kette.
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