LONDON (IT BOLTWISE) – Der neue S&P Pantera Digital Asset Index ist am 21. Juli gestartet und nimmt weder Bitcoin noch XRP in seine 18 Basiswerte auf. Der Benchmark bewertet Blockchains nach Protokollumsatz aus Nutzergebühren und verlangt das in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Bitcoin scheitert dem Bericht zufolge am Umsatzkriterium für Token-Inhaber; XRP erfüllt die Schwellen für die Rangliste dagegen nicht. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob ein ETF-orientierter Index die Bewertung von Coins mit echten Wertzuflüssen nachweisbar beeinflusst.

Mit der Veröffentlichung des „S&P Pantera Digital Asset Index“ entsteht für den Krypto-Markt ein neues Messinstrument, das weniger auf Tech-Storys setzt als auf nachprüfbare Zahlungsströme. Am 21. Juli ging der Index an den Start – und ausgerechnet zwei der größten Krypto-Assets, Bitcoin und XRP, sind nicht in den 18 zulässigen Bestandteilen. Genau diese Lücke macht das Thema für viele Anleger brisant, weil der Index nicht nur eine Rangliste sein will: In der Quelle wird beschrieben, dass S&P bereits als Grundlage für spätere börsengehandelte Fonds (ETFs) dienen möchte. Wenn ein Benchmark künftig in passive Produkte übersetzt wird, kann das reale Kapitalflüsse auslösen – und eine Nichtaufnahme wirkt dann wie ein Vorabfilter.
Technisch betrachtet ordnet der Index die einbezogenen Blockchains danach, wie viel „protocol revenue“ sie erzielen. Dabei handelt es sich um Gebühren, die Nutzer für Transaktionen im jeweiligen Netzwerk zahlen. Die Logik dahinter ist klar: Nicht jede Kette verdient aus Sicht der Indexmethodik ausreichend, und nicht jede Kette stellt den entstehenden Gegenwert auch den Token-Inhabern in der benötigten Größenordnung zur Verfügung. Zusätzlich gelten harte Eintrittsregeln: Nur Coins, die Schwellenwerte für Größe und Liquidität erfüllen, können überhaupt in die Bewertung kommen. Außerdem muss laut Beschreibung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen positiver Protokollumsatz vorliegen – erst dann beginnt die eigentliche Rangbildung nach Höhe des Protokollumsatzes.
Beim eigentlichen Ranking spielt neben dem Umsatz vor allem die Gewichtung relativ zur Marktkapitalisierung eine Rolle. In der Quelle wird zudem erklärt, dass der Index so lange weitere Kryptowerte hinzufügt, bis er „fast den gesamten“ Umsatz des jeweils berechtigten Universums abdeckt. In der aktuellen Runde endet dieses berechtigte Feld bei 18 Coins und setzt sich jedes Quartal neu zurück. Für Bitcoin ist die Begründung dabei überraschend nüchtern: Es passiert zwar laut Darstellung die Prüfung nach Größe und Liquidität, fällt aber beim Umsatztest durch, weil die Transaktionsgebühren an Miner fließen und nicht an Inhaber des Coins. Bei XRP lautet das Problem ebenfalls nicht „zu wenig Aktivität“ in einem generischen Sinn, sondern ein konkreter Zahlenabstand: Für 2025 wird eine kettenbasierte Revenue von 2,3 Millionen US-Dollar genannt, während Ethereum im letzten Jahr 285,4 Millionen US-Dollar an Protokollumsatz erzielt haben soll. Damit liegt XRP in der Ranglogik offenbar nicht hoch genug, um in die begrenzte Zahl der Indexplätze zu kommen.
Damit stellt sich weniger die Frage, ob Bitcoin oder XRP „schlecht“ sind – sondern ob die Art der Wertverteilung im jeweiligen Modell für den Index entscheidend ist. XRP erhält in der Quelle eine Einordnung, die über den reinen Umsatz hinausgeht: Ripple habe über Jahre das XRP Ledger (XRPL) als Infrastruktur für verschiedene Zwecke im Finanzumfeld positioniert. Insofern wirkt die Nichtaufnahme als Signal dafür, dass die aktuelle Indexlogik vor allem dort ansetzt, wo Gebühren in messbarer Größenordnung zu Token-Inhabern fließen. Gerade dieser Punkt wird im Text betont: Zwar würden XRP-Gebühren Coins verbrennen und damit die zirkulierende Supply reduzieren, aber die Gebührenvolumina seien so klein, dass der Effekt auf die zirkulierende Menge kaum ins Gewicht falle. Für das Asset bedeutet das eine Art methodischen „Werttransfer-Test“: Nicht die Existenz von Gebühren zählt, sondern deren Umfang und damit indirekt, wie viel ökonomischer Nutzen sich in Token-Preisen abbilden könnte.
Der Markt gewinnt dadurch eine neue Vergleichsachse, aber auch eine neue Fehlerquelle für Erwartungen. Die Quelle argumentiert, dass der wesentliche Risikohebel für XRP darin liegt, in Zukunft weiter Marktanteile zu verlieren – insbesondere, wenn ein Asset-Manager den Index in eine Krypto-ETF-Strategie überführt. Dann könnte Kapital schrittweise in die Indexbestandteile fließen, während XRP leer ausgeht und damit potenziell über längere Zeit weniger „passiven Rückenwind“ erhält. Interessant ist dabei, dass zum Zeitpunkt der Meldung noch kein Fonds existiert, der den Index direkt nachbildet; die Sorge bleibt daher zunächst hypothetisch. Trotzdem adressiert die Schlussfolgerung einen realen Anlegerkonflikt: Wenn alle wichtigen Krypto-Werte außer Bitcoin plötzlich zusätzliche, potenziell große passive Käufe über ETFs erfahren, wirkt die Nichtaufnahme für XRP-Anleger doppelt ungünstig – selbst wenn die Technologie und die Roadmap weiterhin Fortschritte versprechen.
Für Bitcoin wird dagegen eine eher beruhigende Perspektive geliefert: Der neue Index ändere „nichts“, weil Bitcoin als Wertaufbewahrung (store of value) betrachtet werde und nicht als quasi-unternehmerisches Modell mit laufendem Protokollumsatz, der gezielt an Token-Inhaber ausgeschüttet oder in deren Nutzen übersetzt wird. XRP hingegen bekommt eine differenzierte, tendenziell skeptische Einordnung: Es gebe weiterhin mögliche Katalysatoren und einen Fahrplan, um die Nutzung der Kette durch zusätzliche institutionelle Nutzer sowie mehr Kapital zu steigern. Aber die Nichtaufnahme gilt als offenes Indiz dafür, dass die aktuelle Ausgestaltung der Wertakkumulation für Token-Inhaber im Vergleich zum Wettbewerb noch nicht im gewünschten Maß stattfindet. Wichtig ist schließlich der letzte Realitätscheck der Quelle: Wer XRP hält, wird nicht automatisch durch die Indexentscheidung sofort geschadet, weil die Nichtaufnahme keinen direkten Preis-Schlag auslöst. Trotzdem kann genau die gleiche Ursache – die methodische Bewertung von Wertzufluss statt bloßer Existenz einer Kette – langfristig dafür sorgen, dass das Halten für manche Investoren weniger lukrativ wird, falls die Ambitionen zwar ankommen, die Gebührenverteilung aber nicht schnell genug in größere, ETF-taugliche Dimensionen übersetzt.
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