MANNHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Das von der DGNB initiierte Forum Nachhaltige Architektur findet am 21. Oktober 2026 in Mannheim statt. Im Mittelpunkt stehen Suffizienz und Lowtech sowie die Frage, wie viel Technik Gebäude wirklich brauchen. Die Veranstaltung setzt bewusst auf Erfahrungsberichte aus dem Planungsalltag, nicht auf makellose Projektfolien. Am Abend wird zudem der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur verliehen.

Wer im Bauwesen gerade über Nachhaltigkeit spricht, landet zwangsläufig bei zwei Spannungsfeldern: dem Wunsch nach messbarer Klimawirkung und der Realität, dass Planung im Alltag selten mit Idealbedingungen beginnt. Genau an dieser Stelle setzt das Forum Nachhaltige Architektur an, das die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) am 21. Oktober 2026 in Mannheim ausrichtet. Die Fachveranstaltung richtet sich an Architekturschaffende und ist damit nah an der Schnittstelle, an der Entscheidungen über Materialien, Bauweisen, Betriebsstrategien und den Lebenszyklus getroffen werden. Klimaschutz und Nachhaltigkeit stehen dabei nicht als abstrakte Überschriften im Programm, sondern als Themen, die in konkreten Planungs- und Projektkontexten verhandelt werden.
Dr. Christine Lemaitre, geschäftsführender Vorstand der DGNB, beschreibt das Format vor allem als Einladung an diejenigen, die bereits Schritte umsetzen und dabei lernen: Es soll ein Austausch entstehen, der Diskussionen über die Herausforderungen im Planungsalltag anstößt. Auffällig ist der methodische Anspruch, den sie in den Vordergrund rückt: ehrliche Erfahrungsberichte statt makelloser Projektpräsentationen. Für die Zielgruppe bedeutet das, dass nicht nur technische Konzepte im Fokus stehen, sondern auch das, was zwischen Konzept und Ausführung häufig entscheidet – etwa Schnittstellen zwischen Gewerken, die Wirkung von Randbedingungen vor Ort oder die Frage, welche Annahmen im Projektverlauf tatsächlich belastbar bleiben.
Am Nachmittag bündelt das Programm die inhaltlichen Schwerpunkte Suffizienz und Lowtech. Suffizienz zielt dabei auf das „angemessene Maß“: weniger Bedarf, weniger Verbrauch und damit auch weniger eingesetzte Ressourcen über die gesamte Nutzungsdauer. Lowtech ergänzt diese Perspektive, indem sie Technik nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Mittel mit klarer Rechenschaftspflicht. Im Kern geht es laut Programm darum, den Einsatz von Technik in Gebäuden bewusst zu verantworten und gleichzeitig die Rolle regulatorischer Rahmenbedingungen zu beleuchten. Damit verschiebt sich der Fokus von der Frage „Welche Technologie ist möglich?“ hin zu „Welche Technik ist im konkreten Fall nötig, sinnvoll und umsetzbar?“ Eine passende inhaltliche Klammer liefert in diesem Zusammenhang der Autor und Dramaturg John von Düffel mit dem Titel „Das richtige Maß“, in dem die Frage nach dem essenziellen Bedarf im persönlichen und übertragenen Kontext aufgegriffen wird.
Die Veranstaltung wird gemeinsam von den Architektenkammern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen ausgerichtet. Entsprechend nimmt auch die lokale Fachlandschaft in das Forum Bezug: Die Eröffnung um 13 Uhr wird von den jeweiligen Präsidenten vorgenommen – mit Prof. Amandus Samsøe Sattler, Katja Domschky, Gerhard Greiner und Markus Müller. Fachbeiträge und Diskussionen sind zudem mit einer Reihe von ausgewiesenen Stimmen aus Architektur, Praxis und Recht angekündigt, darunter Florian Dilg (Bundesarchitektenkammer), Andrea Georgi-Tomas (ee concept), Martin Haas (haascookzemmrich STUDIO 2050), Michael Halstenberg (Franßen & Nusser Rechtsanwälte), Andreas Hofer (IBA’27 StadtRegion Stuttgart), Dr. Christine Lemaitre (DGNB) sowie Gö tz Rehn (Alnatura). Gerade die Mischung ist relevant: Suffizienz und Lowtech sind technisch anschlussfähig, aber sie erfordern auch Entscheidungen, die sich organisatorisch, juristisch und planerisch durchhalten lassen.
Im Anschluss an die Vorträge und Diskussionen folgt die 14. Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur. Der Preis wird als Kooperation der DGNB und der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis vergeben und zeichnet herausragende nachhaltige Architekturprojekte aus. Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, moderiert die Prämierungszeremonie. Die Finalisten präsentieren ihre Projekte live auf der Bühne; neu ist in diesem Jahr, dass erstmals auch die weiteren Nominierten dem Fachpublikum vorgestellt werden. Die Bekanntgabe der Finalisten und des Siegerprojekts erfolgt am Veranstaltungstag, während die Auswahl der neun nominierten Projekte in Kürze abgeschlossen wird. Aus Branchensicht ist dieser Ablauf mehr als ein Show-Element: Er koppelt die inhaltliche Debatte über Maß, Technik und Suffizienz direkt an konkrete Projektbeispiele, bei denen sich die Spannungsfelder im Ergebnis verdichten.
Auch für die Teilnehmenden ist das Forum klar ausgerichtet: Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Wer die DGNB Akademie als Weiterbildung nutzt, kann den Eintrittspreis als Bildungsgutschein einlösen. Studierende, Architektinnen und Architekten im Praktikum sowie Mitarbeitende von Non-Profit-Organisationen sind von der Gebühr befreit. Darüber hinaus ist die Veranstaltung bei den beteiligten Kammern als Fortbildung mit fünf Punkten anerkannt. Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, ordnet das Forum als Plattform für den Austausch mit Gleichgesinnten ein, die Klima- und Ressourcenschutz als wesentlichen Trend sehen und ihn durch vernünftige Planung und Bauweise umsetzen wollen. Genau dieser Praxisbezug macht das Format für Entscheiderinnen und Entscheider in Planung, Bauleitung und Investitionsvorbereitung besonders interessant, weil hier Fragen sichtbar werden, die später in der Umsetzung oft über Erfolg oder Nacharbeit entscheiden.
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