LONDON (IT BOLTWISE) – Am heutigen Donnerstag werden bis zu 319 Millionen SpaceX-Aktien für den Verkauf handelbar, was rechnerisch rund 44,5 Milliarden US-Dollar potenziellen Verkaufsdruck auslösen kann. Der gestaffelte Freigabeplan verteilt die Sperrauflösung auf mehrere Tage statt auf ein einzelnes Lockup-Ende. Parallel baut SpaceX seine KI-Sparte aus und schließt die Cursor-Übernahme (Anysphere) ab. Für Anleger entsteht damit ein unmittelbarer Abgleich aus Verwässerungsrisiko und operativem KI-Wachstum.

Der nächste Schritt im gestaffelten Freigabeplan der SpaceX-Aktie kommt mit einer klar definierten Mechanik: Heute werden bis zu 319 Millionen Aktien für den Verkauf handelbar, also genau der 70. Kalendertag nach dem Börsengang. Für den Kurs ist das relevant, weil Marktteilnehmer Lockups häufig als potenziellen Liquiditäts- und Verkaufshebel interpretieren. Auf Basis des letzten Schlusskurses von 139,65 US-Dollar wird das in der Berichterstattung als rechnerischer Verkaufsdruck in Höhe von rund 44,5 Milliarden US-Dollar quantifiziert. Auch wenn dieser Wert theoretisch bleibt, verschiebt schon die schiere Größenordnung die Erwartungshaltung – vor allem, wenn zeitgleich keine klaren Kurstreiber dagegenhalten.
Dass SpaceX hier nicht auf einen einheitlichen 180-Tage-Lockup setzt, sondern auf eine neunstufige Staffelung, verändert den Verlauf der Nachfrage- und Angebotskurve über den Zeitraum. Beim Börsengang am 12. Juni platzierte das Unternehmen rund 555,6 Millionen Aktien; damit lag der Anteil bereits unter einem marktüblichen Korridor von häufig 10 bis 25 Prozent. Stattdessen wurde die Verkaufsfreigabe in mehreren Tranchen über verschiedene Termine verteilt. Nach dem heutigen Schritt sollen laut IPO-Prospekt weitere Tranchen mit jeweils rund 319 Millionen Aktien am 90., 105., 120. und 135. Tag folgen, wobei sich ab dem 90. Tag die Intervalle auf 15 Kalendertage verkürzen. Die vollständige Sperrfrist für die übrigen Bestände läuft erst am 8. Dezember aus, während der Anteil von Elon Musk (48,4 Prozent bzw. 6,42 Milliarden Aktien zum 30. Juni) sogar bis Juni 2027 gesperrt bleibt.
Interessant ist dabei weniger nur die Theorie des Verkaufsdrucks, sondern das bereits beobachtete Marktverhalten bei der ersten großen Entsperrung: Am 6. August lief die bislang größte Einzeltranche aus, bei der bis zu 911,5 Millionen Aktien handelbar wurden. Die befürchtete Dynamik in Richtung Ausverkauf blieb aus; stattdessen stieg die SpaceX-Aktie binnen fünf Handelstagen um 35 Prozent und legte um rund 500 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung zu. Der Kurs hatte damit den IPO-Preis von 135 US-Dollar wieder überschritten, was zeigt, dass der Markt das Ende der Sperre nicht automatisch als Verkaufs-Event mit negativer Kurswirkung interpretiert. In der damaligen Kommentierung eines Investors wurde die Entspannung eines zentralen Unsicherheitsfaktors hervorgehoben, nachdem der Testlauf ohne Crash-Szenario verlaufen war. Unterm Strich fällt die Aktie zudem aus einem zuvor spürbaren Rücksetzer heraus: Ausgehend vom untertägigen Allzeithoch gab es einen Rückgang von 55 Prozent bis zum jeweiligen Tiefpunkt, im Rahmen von vergleichbaren, technologiegetriebenen Börsengängen.
Während die Entsperr-Termine die kurzfristige Kursmechanik beeinflussen, liefert SpaceX parallel eine zweite Storyline: KI als operatives Wachstumsthema. Am 14. August schloss der Konzern die rund 60 Milliarden US-Dollar schwere, vollständig in Aktien bezahlte Übernahme des KI-Coding-Anbieters Cursor (Anysphere) ab; Cursor firmiert seitdem als hundertprozentige Tochter in der neuen Sparte SpaceXAI. Operativ meldete SpaceX für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 92 Prozent – bei einem Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar; das bereinigte EBITDA lag bei 3,5 Milliarden US-Dollar, ebenfalls mit deutlichem Wachstum (plus 191 Prozent). Der Ausbau schlägt sich zudem in Investitionssummen nieder: Von 18,4 Milliarden US-Dollar Investitionen entfallen 15,8 Milliarden US-Dollar auf den Ausbau der KI-Rechenkapazitäten. Das sind genau die Budgets, die in der Praxis häufig über die Geschwindigkeit entscheiden, mit der sich KI-Fähigkeiten in Produkte und Services skalieren lassen.
Auch das „klassische“ SpaceX-Geschäft liefert als Gegengewicht Daten: Starlink hat inzwischen 12 Millionen Abonnenten, und der zugehörige Umsatz stieg um 66 Prozent. So entsteht ein doppeltes Fundament aus KI-Infrastruktur auf der einen Seite und Satelliten-Services auf der anderen, was die Bewertung weniger stark von einer einzigen Wachstumsachse abhängig macht. Gleichzeitig bleibt die Aktionärsstruktur ein Faktor für die Marktinterpretation. Alphabet hält nach Angaben zum 30. Juni eine Beteiligung im Wert von rund 94 Milliarden US-Dollar, gewachsen aus einer ursprünglichen Investition von 900 Millionen US-Dollar im Jahr 2015. Das macht den Anteil eines großen institutionellen Akteurs zu einem Stabilitätsanker – zumindest solange das Unternehmen nicht das Timing der Entsperrphasen selbst als Anlass für grundlegende Repositionierungen nutzt.
Für die nächsten Monate dürfte weniger die Frage „Lockup ja oder nein“ entscheiden, sondern „wie gut kompensiert das operative Wachstum das zusätzliche Angebotsrisiko“. Am heutigen Donnerstag wird die Aktie vorbörslich an der NASDAQ zeitweise mit 138,22 US-Dollar geführt, das entspricht etwa minus 1,02 Prozent. Das Analystenbild ist dabei uneinheitlich: Die DZ Bank stuft die Aktie auf Sell zurück, während Arete Research das Kursziel Anfang August auf 450 US-Dollar anhob. Argus Research wechselte die Einstufung von Hold auf Buy und nannte ein Kursziel von 160 US-Dollar, während Piper Sandler das Kursziel in einem ähnlichen Zeitraum auf 140 US-Dollar senkte. Sobald die weiteren Freigabetermine – insbesondere die nach dem 90. Tag verkürzten Intervalle – näher rücken, zeigt sich, ob der Markt den Verkaufsdruck weiter „glättet“, oder ob in einzelnen Tranchen kurzfristige Volatilität zurückkehrt.
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