ORLANDO / LONDON (IT BOLTWISE) – NASA und SpaceX wollen am Dienstagmorgen den Frachtraumflug CRS-35 mit dem Dragon-Kapselmodul zur Internationalen Raumstation starten. Die Mission bringt über 6.300 Pfund an Experimenten und Ausrüstung, darunter die letzten Roll-Out Solar Arrays (IROSAs). Rund um die Rückkehr des Falcon-9-Boosters auf dem Startplatz sind Schallknalle entlang der Florida-„Space Coast“ möglich. Zusätzlich kann die Startzeit in der Dämmerung oder im frühen Morgengrauen eine „space jellyfish“-Erscheinung erzeugen, wenn der Raketenabgasstrahl von der Sonne angestrahlt wird.

Die CRS-35-Mission von NASA und SpaceX ist für Dienstagmorgen angesetzt und richtet sich mit der Dragon-Frachtraumkapsel auf einen festen Rendezvous-Zeitplan mit der Internationalen Raumstation aus. Start ist um 6:33 Uhr (EDT) auf einer Falcon-9-Rakete vom Space Launch Complex 40 an der Cape Canaveral Space Force Station. Laut Plan gibt es bei einer Verzögerung einen Backup-Start um 6:08 Uhr (EDT) am Mittwoch – wichtig, weil die nachgelagerte Docking-Zeit rund 52 Stunden später bereits wieder in ein eng getaktetes Missionsfenster fällt.
Während der eigentliche Transport der Nutzlast im Mittelpunkt steht, rückt bei CRS-35 auch die Bodensichtbarkeit der Start- und Rückkehrphasen in den Fokus. SpaceX beschreibt, dass der Falcon-9-First-Stage-Booster nach der Trennung vom Trägerraketen-Oberteil zurück zu Cape Canaveral kommt und auf Landing Zone 40 landet. Genau diese Rückkehroperation kann Schallknalle erzeugen, die laut Meldung an Teilen der Florida-„Space Coast“ hörbar sein könnten – ein Effekt, der in der Praxis besonders dann relevant wird, wenn Starts in empfindlichen Tagesrandzeiten stattfinden oder wenn die lokale Ausbreitung durch Wind- und Temperaturprofile verstärkt wird.
Mindestens ebenso auffällig ist die mögliche „space jellyfish“-Erscheinung. Dieses Phänomen tritt typischerweise rund um Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang auf: Beobachter am Boden bleiben in der Dunkelheit, während die Rakete bereits in Sonnenlicht klettert. Wird der sich ausbreitende Abgasplume-Strahl dabei von der Sonne angestrahlt, kann eine helle, „schwimmende“ Wolke im Morgengrau entstehen – im Extremfall wirkt sie aus Sicht der Zuschauer wie ein leuchtender Organismus. NASA habe die Erscheinung bei früheren SpaceX-Starts dokumentiert, allerdings habe weder NASA noch SpaceX für CRS-35 eine „space jellyfish“ konkret vorhergesagt; ob sie zu sehen ist, hängt von Flugbahn, Beleuchtung und Wetterbedingungen ab.
Technisch betrachtet nutzt die Mission die Mikrogravitation als Forschungsmaschine, und die Dragon-Nutzlast folgt genau diesem Ansatz. An Bord befinden sich mehrere Experimente, die die besonderen physikalischen Randbedingungen der Raumstation ausnutzen: LambdaVision-1 soll die Herstellung künstlicher Retinas im All testen und dabei auf die Hoffnung setzen, dass die Mikrogravitation gleichmäßigere Schichten hervorbringen kann – ein Weg, der perspektivisch für Implantate bei degenerativen Netzhauterkrankungen relevant werden könnte. Stellar Spheroids untersucht dagegen, wie sich dreidimensionales menschliches Herzkerngewebe in Mikrogravitation entwickelt und wie sich dabei auch Netzwerke von Blutgefäßen bilden können; daraus könnten sich bessere Modelle für Herzkrankheiten sowie Möglichkeiten zur Medikamentenprüfung ergeben. Für Werkstofffragen ist ELF-Unconventional Glass 2 gedacht, das ungewöhnliche Glasbildungsprozesse in Mikrogravitation untersuchen soll, um potenziell Materialien mit verbesserten Eigenschaften bei Festigkeit, Haltbarkeit und optischen Merkmalen zu identifizieren.
Daneben adressiert MINDS die Neurobiologie über sogenannte Gehirn-Organoide. Das Experiment zielt darauf ab, Entzündungsprozesse zu untersuchen, die im Zusammenhang mit Alzheimer, Parkinson und multipler Sklerose stehen, und es soll dabei helfen, mögliche Zielstrukturen für spätere Therapien zu identifizieren. Ergänzend zur Forschung transportiert Dragon auch stationstechnische Hardware: Mit der finalen Paarung der International Space Station Roll-Out Solar Arrays (IROSAs) wird ein Upgrade des Stromsystems abgeschlossen. Dadurch sollen die Betriebsphasen der Raumstation durch die restliche Missionsdauer besser unterstützt werden, inklusive der späteren kontrollierten Deorbit-Phase.
Abseits der großen Forschungsthemen sorgt die Mission auch für praktische Wartungs- und Supportaufgaben. Dazu zählt unter anderem eine vorgezeigte Demonstrationseinheit für ein zusammenklappbares Urinal im Kontext von NASA-Artemis III, außerdem Wartungsequipment sowie Komponenten, die für die Rückführung eines fehlgeschlagenen Canadarm2-Roboterarmgelenks zurück zur Erde benötigt werden. Das Dragon-Fahrzeug für CRS-35 fliegt dabei die vierte Mission: Es war zuvor bereits auf CRS-26, CRS-29 und CRS-33 im Einsatz. Nach dem Start sind rund 11:00 Uhr (EDT) am Donnerstag, 15. Oktober, automatische Docking-Operationen mit der Raumstation vorgesehen, begleitet von NASA-Astronaut Anil Menon und dem kanadischen Astronauten Joshua Kutryk.
Für die Daten- und Auswerteprozesse ist dabei entscheidend, dass ein Teil der Arbeit erst nach der Rückkehr auf die Erde abgeschlossen wird. Dragon soll etwa einen Monat an der Raumstation bleiben und dann Mitte November im Pazifik abtauchen („splash down“). Zurückkommen sollen wissenschaftliche Proben und Hardware – inklusive Analyse- und Refurbishment-Material wie dem fehlgeschlagenen Canadarm2-Gelenk sowie Ausrüstung aus Wasser- und Abfallverarbeitungssystemen der Station, darunter auch ein Spacesuit. Für Unternehmen und Forschungsteams, die sich mit Produktion, Werkstoffverhalten oder Medizin-Modellierung beschäftigen, ist das Zusammenspiel aus Hardware-Transport, Mikrogravitationsmessungen und späterer Rückkopplung ein Muster, das auch für KI-gestützte Auswertungspipelines relevant bleibt: Die Raumdaten liefern Input, aus dem sich später statistisch belastbare Modelle ableiten lassen, während die Mission gleichzeitig Infrastruktur-Upgrades wie IROSAs für die nächste Betriebsphase absichert.
In Summe zeigt CRS-35, wie eng bei kommerziellen Resupply-Missionen Forschung und Stationsbetrieb miteinander verflochten sind. Das gilt besonders, weil ein Booster-Return nicht nur zur Startlogistik gehört, sondern auch lokale Effekte wie Schallknalle und sichtbare Startphänomene in den Alltag am Boden trägt. Gleichzeitig bleibt der Kern der Mission klar: mehr als 6.300 Pfund an Experimenten, Supplies und Ausrüstung in Richtung Mikrogravitation zu bewegen, damit die Raumstation weiter als Testfeld für Biologie, Materialwissenschaft und Medizintechnologie dienen kann – bei zugleich planbarer Wartung und Stromversorgung für den verbleibenden Lebenszyklus.
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