LONDON (IT BOLTWISE) – Eine kontrollierte Studie vergleicht 35 Musiker mit 35 Nichtmusikern und findet eine geringere Anfälligkeit für den Ventroloquismus-Effekt. Wenn ein kurzer Ton aus einer Position kommt und ein visueller Blitz aus einer anderen, „zieht“ bei Nichtmusikern die Bildinformation die Ortung des Klangs stärker in Richtung des Blitzes. Bei Musikern verschiebt sich diese Zuordnung im Schnitt um etwa 1,6 Grad weniger. Entscheidend ist dabei offenbar weniger die reine Wahrnehmungsschärfe als eine veränderte Erwartung darüber, wie wahrscheinlich beide Signale aus derselben Quelle stammen.

Wer jemals in einem Konzertsaal stand, kennt den Effekt intuitiv: Der Klang wirkt, als käme er aus der Richtung, in die man gerade „schaut“. Genau dieses Zusammenspiel von Sehen und Hören beschreibt der Ventroloquismus-Effekt als multisensorische Illusion. Eine neue Experimentalstudie legt dabei den Fokus auf eine Frage, die für KI- und Wahrnehmungsmodelle besonders relevant ist: Verschiebt sich die räumliche Klangwahrnehmung bei Menschen mit langjähriger musikalischer Ausbildung anders als bei Personen ohne vergleichbare Trainingshistorie?
Im Kern wurde ein Setting genutzt, das die Aufmerksamkeitsaufteilung zwischen Modalitäten zwingend macht. In einem dunklen Raum saßen die Teilnehmenden vor einem Bildschirm, hinter dem fünf Lautsprecherpositionen verborgen waren. Pro Versuch wurden entweder ein kurzer Lichtblitz, ein Geräusch oder beides gezeigt. Die Versuchspersonen mussten dann mit einer Maus markieren, wo der jeweilige Reiz nach ihrer Einschätzung entstanden ist. Bei den kombinierten Trials lag die visuelle und auditive Quelle nicht immer übereinstimmend: Der Blitz und der Ton kamen nur in 20 % der Fälle aus derselben Position. Dieser Kontrast dient als Grundlage, um Erwartungen („Wie wahrscheinlich ist es, dass die Sinne dieselbe Ursache haben?“) von der reinen sensorischen Auflösung zu trennen.
Das Design vergleicht 35 Musiker mit 35 Nichtmusikern. Die Musiker hatten mindestens sieben Jahre Instrumentenerfahrung und spielten im Mittel über 12 Monate etwa eine Stunde pro Woche; für ihr Hauptinstrument lag die Spielzeit bei rund zwölf Jahren. Die Nichtmusiker wiesen maximal zwölf Monate Instrumentenerfahrung außerhalb der Schule sowie höchstens zwei Jahre verpflichtende Musikstunden auf. Interessant ist auch die praktische Auswertungssituation: Alle Teilnehmenden absolvierten 420 Trials zweimal. Zwischen den Durchläufen erhielten sie eine klare Instruktion, dass Blitz und Ton tatsächlich nur in 20 % zusammenfallen, und diese Information wurde zu Beginn jedes Blocks erneut betont. Damit konnten die Forschenden prüfen, ob die anfängliche Gruppendifferenz aus Erwartungen entsteht, die im Experiment selbst „gelernt“ werden, oder ob sie eher auf dauerhaft andere Wahrnehmungsfähigkeiten zurückgeht.
Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild. Wenn jeweils nur ein Sinneskanal präsent war (nur Blitz oder nur Geräusch), waren Musiker und Nichtmusiker in der Ortsbestimmung ähnlich präzise. Das spricht gegen die simple Annahme, musikalisches Training mache Menschen automatisch grundsätzlich „besser im räumlichen Hören“ oder „besser im räumlichen Sehen“. Dagegen zeigte sich im kombinierten Szenario ein Unterschied: Bei gleichzeitigem Auftreten zog die visuelle Information die Klangortung bei Nichtmusikern spürbarer in Richtung des Blitzes. Im Schnitt lag die Verzerrung bei Musikern etwa 1,6 Grad weniger in Richtung des visuellen Reizes. Die Autoren berichten zudem, dass diese Effektgröße zwar in einer von zwei statistischen Auswertungsvarianten stabil blieb, in der anderen jedoch knapp verfehlte, also nicht in allen Modellannahmen maximal robust wirkte. Nach der Instruktion zur 20%-Wahrscheinlichkeit schrumpfte der Ventroloquismus-Effekt insgesamt bei beiden Gruppen, aber Musiker zeigten weiterhin eine geringere Illusionsausprägung.
Um diese Muster zu erklären, nutzte das Team ein mathematisches Modell, das die Entscheidung der Gehirnverarbeitung als Kombination über zwei Sinne beschreibt. Entscheidend war dabei nicht primär, wie präzise die Menschen hören oder sehen können, sondern wie stark ihre „Prior“-Erwartung darauf setzt, dass Ton und Blitz dieselbe Ursache haben. Die Modellierung führt die Gruppendifferenz auf eine niedrigere Anfangserwartung bei Musikern zurück, dass die Signale aus derselben räumlichen Quelle stammen. Die Instruktion verringerte diese Erwartung im Durchschnitt, allerdings passten offenbar nahezu alle Teilnehmenden ihre Erwartung nach dem Einrasten an die gegebenen Informationen an. Genau diese Anpassungsfähigkeit ist für die Interpretation zentral: Die Daten deuten darauf hin, dass „Top-down“-Einflüsse – also Annahmen, die nicht direkt aus dem Sinnesinput kommen – den Ventroloquismus-Effekt deutlich modulieren.
Die Studie erweitert damit nicht nur das Verständnis des Ventroloquismus-Effekts, sondern liefert auch eine konzeptionelle Brücke zu Bayesianischen Modellen der Kausalinferenz: Das Gehirn wägt ab, ob es plausibel ist, dass zwei Sinneseindrücke denselben Ursprung teilen, und gewichtet diese Hypothese dann bei der räumlichen Rekonstruktion. Für die Praxis bleibt allerdings eine wichtige Einschränkung: Da Musiker nicht zufällig einem Trainingsprogramm zugewiesen wurden, lässt sich nicht sauber beweisen, dass das Musiktraining allein die geringere Illusionsanfälligkeit verursacht. Denkbar sind ebenso andere, bereits vorhandene Eigenschaften, etwa Unterschiede in der Aufmerksamkeitssteuerung oder in der Art, wie Menschen multisensorische Diskrepanzen interpretieren. Hinzu kommt, dass die Musiker verschiedene Instrumente spielten; Teilgruppen wie Orchestermusiker könnten je nach Aufgabenprofil andere Strategien beim Zusammenführen visueller und auditiver Hinweise entwickeln.
Veröffentlicht wurde die Arbeit in
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Studie: Musiker sind weniger anfällig für den Ventroloquismus-Effekt" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Studie: Musiker sind weniger anfällig für den Ventroloquismus-Effekt" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Studie: Musiker sind weniger anfällig für den Ventroloquismus-Effekt« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!