FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deka, Fondsdienstleister der Sparkassen, geht in den Preiskampf um das geförderte Altersvorsorgedepot und bietet das Standarddepot für 0,1 Prozent Kosten pro Jahr an. Zusätzliche laufende Posten für die Depoführung fallen laut Angaben nicht an. Die Sparkassen setzen dabei auf eigene börsennotierte Indexfonds (ETFs) für Aktien und Anleihen und ermöglichen den Abschluss digital auch über die Sparkassen-App. Damit versuchen sie, den Wettbewerb gegen Neobroker im Neugeschäft gezielt abzufedern.

Im Wettbewerb um das neue geförderte Altersvorsorgedepot versuchen die Sparkassen, früh und sichtbar Kosten als Entscheidungsfaktor zu besetzen. Der zentrale Fondsdienstleister der Gruppe, die Deka, will dafür das Standarddepot mit 0,1 Prozent Gebühren pro Jahr platzieren. Entscheidend ist dabei die klare Kostenstruktur: Für das Standarddepot nennt die Deka keine weiteren laufenden Kosten für die Führung des Depots. Für viele Haushalte ist gerade diese Kombination aus niedriger laufender Belastung und planbarer Produktlogik ein starkes Argument, weil sie die Wirkung der Förderung über die Jahre hinweg direkt tangieren kann.
Technisch betrachtet verlagert die Deka den Kern ihrer Lösung in die Ausgestaltung des ETF-Baukastens. Für das Standarddepot sollen eigene börsennotierte Indexfonds (ETFs) eingesetzt werden, darunter ein internationaler Aktien-ETF sowie ein Anleihe-ETF. Damit folgt das Konzept einem klassischen Index-orientierten Ansatz: Statt aktiv gemanagter Fonds steht die Abbildung definierter Marktsegmente im Vordergrund. Für Sparkassen-Kundinnen und -Kunden bedeutet das zugleich eine Standardisierung, die in der Beratung und im Produktbetrieb Vorteile bringt, weil Zusammensetzung und Kostenkennzahlen über viele Abschlüsse hinweg vergleichbar bleiben.
Auch die Vertriebsseite ist Teil des Wettbewerbs: Der Abschluss ist laut Angaben digital möglich, also nicht nur über Filialen, sondern auch über die Sparkassen-App. Damit adressieren die Sparkassen ein typisches Nutzerverhalten, das Neobroker häufig stärker abdecken, nämlich das schnelle, app-basierte Onboarding. Gleichzeitig bleibt die klassische Filiale als Alternative bestehen, denn die Lösung soll in den 340 Sparkassen angeboten werden. Für die Praxis ist das relevant, weil das geförderte Altersvorsorgedepot zwar standardisierte Bausteine nutzt, die individuellen Fragen zur Passung aber weiterhin stark variieren können.
Historisch sind bei der Altersvorsorge in Deutschland vor allem zwei Spannungsfelder prägend: lange Laufzeiten und die Tendenz, Kosten, Steuervorteile und Produktkomplexität erst im Rückblick richtig zu bewerten. Der Preisdruck im Fonds- und Depotbereich ist dabei nicht neu, aber er bekommt durch neue digitale Wettbewerber zusätzliche Dynamik. Neobroker setzen häufig auf niedrige Einstiegshürden und einfache Produktflächen; Banken reagieren dann typischerweise mit angepassten Preis- und Prozessmodellen. Dass die Deka nun explizit ein Standardprodukt mit besonders niedrigen Gebühren adressiert, zeigt, dass der Markt die Kostenseite inzwischen als wettbewerbsentscheidend behandelt.
Marktstrategisch verschiebt sich damit die Diskussion weg von reinen Serviceversprechen hin zu messbaren Produktkennzahlen. Eine laufende Gebühr von 0,1 Prozent pro Jahr wirkt im Vergleich zu höheren Preisniveaus nicht nur rechnerisch, sondern auch in der Wahrnehmung: Kundinnen und Kunden können das Kostenargument früh im Entscheidungsprozess greifen, statt es erst im Kleingedruckten oder beim Vergleich mit Alternativen zu erkennen. Daneben bleibt jedoch die Frage offen, wie sich die tatsächliche Depotnutzung über die Zeit entwickelt, etwa durch Umschichtungen, Zuzahlungen oder die Kombination mit weiteren Vorsorgebausteinen. Die Deka positioniert hier zunächst das Standarddepot – die Anschlusslogik an individuelle Profile wird damit zum zentralen Thema für Beratung und Produktkommunikation.
Für die weitere Entwicklung in der Branche ist vor allem die Skalierung interessant: Ein für das gesamte Sparkassen-Verbundmodell einheitlich definiertes Standarddepot senkt Betriebsaufwände, vereinfacht die Prozessintegration in Apps und reduziert Abweichungen in der Umsetzung. In der Folge können Vertriebsteams schneller arbeiten, und technische Systeme profitieren von wiederkehrenden Musterprozessen. Gleichzeitig entsteht ein Wettbewerbsspielraum für Differenzierung jenseits der reinen Depotkosten, etwa über Informationsqualität, Automatisierung von Abläufen oder die Erfahrung bei der digitalen Kontoeröffnung. KI spielt in solchen Kontexten zwar nicht als eigenständiger Produktbaustein in der Meldung eine Rolle, wird aber in vielen Bankenprojekten zunehmend für Beratungshilfen, Dokumentenverständnis oder Risikokommunikation eingesetzt; hier entscheidet sich am Ende, ob solche Funktionen die niedrigen Kosten nur begleiten oder tatsächlich zu besseren Entscheidungen führen.
Unterm Strich zielt der Schritt der Deka darauf, Sparkassen für das geförderte Altersvorsorgedepot schneller und kostenseitig konkurrenzfähig zu machen, insbesondere gegenüber digitalen Anbietern. Die Kombination aus ETF-basierter Standardisierung, einem klar kommunizierten 0,1-Prozent-Kostenmodell und einem digitalen Abschlussweg über die Sparkassen-App erhöht die Chance, dass sich das Angebot im Neugeschäft ähnlich einfach präsentiert wie Lösungen von Neobrokern. Wie gut das Produkt im Alltag angenommen wird, hängt jedoch auch davon ab, wie verständlich die Nutzerführung ist und wie Sparkassen ihre Kundinnen und Kunden bei der langfristigen Orientierung unterstützen. Genau dort wird der Preiskampf langfristig über die reine Gebühr hinaus Wirkung entfalten.
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