LUXEMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Der SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hält angesichts des anhaltenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran wirtschaftliche Risiken für Deutschland für möglich. Er verweist dabei nicht nur auf Benzinpreise, sondern auch auf mögliche Störungen ganzer Wertschöpfungsketten. Als Reaktion nennt er staatliche Unterstützung in Schlüsseltechnologien und den Rückgriff auf bewährte Kriseninstrumente wie Kurzarbeitergeld. Einen Preisdeckel für Kraftstoffe hält er ebenfalls für denkbar, wie er ihn aus Luxemburg kennt.

Matthias Miersch, SPD-Fraktionschef, stellt den anhaltenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran in einen wirtschaftlichen Kontext, der weit über Schlagzeilen zu einzelnen Energiepreisen hinausgeht. In seiner Bewertung geht es um die Kettenwirkung: Wenn Handelswege in der Region um die Straße von Hormus nicht wie gewohnt funktionieren, kann das den gesamten Takt globaler Lieferflüsse aus dem Rhythmus bringen. Miersch macht dabei deutlich, dass er die Debatte nicht auf den einzelnen Tankstellenpreis verengen will, sondern auch die Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Prozesse im Blick hat.
Besonders betont er Störungen bei Grundstoffen, die in Europa meist nicht direkt „von heute auf morgen“ substituierbar sind. Als Beispiel nennt er Helium und sagt sinngemäß, dass die Versorgung mit bestimmten Rohstoffen schwer gestört werden könnte. Genau diese Art von Engpassrisiko ist technisch und wirtschaftlich relevant: Selbst wenn ein Endkunde „nur“ steigende Energiekosten spürt, können Unternehmen durch Lieferverzögerungen, langsamere Produktionsanläufe oder fehlende Vorprodukte in eine Kosten- und Planungsfalle geraten. Für die Industrie bedeutet das meist weniger Flexibilität, weil Alternativen entweder erst qualifiziert werden müssen oder der Austausch schlicht nicht kurzfristig gelingt.
Für den Krisenfall zieht Miersch eine klare Schlussfolgerung: Der Staat müsse notfalls erneut deutlich in die Wirtschaft eingreifen. Er nennt als Instrumente eine massive wirtschaftliche Unterstützung in bestimmten Schlüsseltechnologien und verweist dabei auf Mechanismen, die in früheren Krisen bereits Wirkung gezeigt hätten. Konkret spricht er den möglichen Einsatz von Kurzarbeitergeld an und ordnet das in einen präventiven Ansatz ein, statt erst dann zu reagieren, wenn Betriebe bereits in die Liquiditätsfalle geraten. Hintergrund: Die Bundesregierung hatte die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes wegen der anhaltenden Wirtschaftsschwäche bis zum 31. Dezember 2026 auf bis zu 24 Monate verlängert; danach gilt wieder die reguläre Bezugsdauer von zwölf Monaten. Das zeigt, dass auch politische Instrumente zunehmend auf längere Krisenpfade ausgelegt werden, anstatt nur für kurze Ausschläge zu funktionieren.
Daneben adressiert Miersch die Preisfrage unmittelbar. Einen Preisdeckel auf Kraftstoffe schließt er nicht aus und verweist als Referenz auf den „Tankrabatt“ als Erfolgsgeschichte mit gesunkenen Preisen. Als Modell nennt er einen Preisdeckel wie in Luxemburg: Dort legt das Wirtschaftsministerium regelmäßig landesweite Höchstpreise für Benzin und Diesel fest, Tankstellen dürfen diese Preise nicht überschreiten, können aber weiterhin günstiger anbieten. Wirtschaftspolitisch ist das ein Eingriff in die Preissetzung, der kurzfristig Entlastung bringen kann, zugleich aber Fragen nach Finanzierung, Zielgenauigkeit und möglicher Nebenwirkung auf Nachfrage und Beschaffung aufwirft. Entscheidend ist damit weniger die Idee an sich, sondern die konkrete Ausgestaltung für Zeitdauer, Messlogik und Finanzierung.
Über die Finanzierung neuer Hilfen wollte sich Miersch nicht festlegen. Er verwies auf die Möglichkeit, in einer wirtschaftlichen Notlage Ausnahmeregelungen zu nutzen, die das Grundgesetz vorsieht. Gleichzeitig betont er, keine Debatte über neue Schulden anstoßen zu wollen. In dem Zusammenhang wird auch die politische Spannungsachse erkennbar: Einerseits braucht es in einer Liefer- und Preis-Schocklage schnelle Handlungsspielräume, andererseits bleibt die Frage nach fiskalischer Tragfähigkeit. Genau diese Gemengelage bestimmt häufig, ob Regierungen im Verlauf einer Krise eher auf zeitlich begrenzte Preismaßnahmen setzen oder stärker auf Struktur- und Investitionsprogramme.
Auch mit Blick auf den Ton der öffentlichen Debatte setzt Miersch eine Grenze gegen Alarmismus. Er verweist auf aktuell vorhandenes Wirtschaftswachstum und macht klar, dass es ihm um Vorsorge für den Fall einer Zuspitzung geht. Diese Abwägung ist für die Unternehmensrealität besonders relevant, weil Planungsentscheidungen selten nur auf dem Worst-Case basieren dürfen. Wenn der Staat in einer solchen Lage „gegensteuert“, geschieht das also idealerweise entlang klarer Trigger: etwa wenn Engpässe bei Rohstoffen sichtbar werden, wenn Energiepreise stark und dauerhaft steigen oder wenn sich eine Arbeitsmarktbelastung in den Daten zeigt. Für Unternehmen bedeutet das perspektivisch vor allem, ihre Risikoannahmen in der Lieferkette zu aktualisieren, Szenarien für Energie- und Vorproduktkosten zu verfeinern und gleichzeitig die möglichen staatlichen Entlastungsmechanismen technisch und organisatorisch vorzubereiten.
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