NEW YORK CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Das STAR-System (Sperm Tracking and Recovery) soll bei stark verminderter Spermienzahl Spermien entdecken, die unter dem Mikroskop mit bloßem Blick leicht übersehen werden. Das Verfahren nutzt eine KI-gestützte Bildanalyse, um einzelne Zellen in einem mikrofluidischen Chip gezielt zu separieren. Im klinischen Alltag wird die Methode dadurch deutlich schneller als klassische manuelle Suche beschrieben. Für viele Betroffene bedeutet das die Chance auf eine Befruchtung mit weniger invasiven Schritten als bisher.

STAR-System findet „versteckte“ Spermien bei extrem niedriger Spermienzahl
STAR-System findet „versteckte“ Spermien bei extrem niedriger Spermienzahl (Foto: IT BOLTWISE)
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Für viele Paare beginnt Unfruchtbarkeit nicht mit Zahlen, sondern mit der Diagnose, die Urologen und Reproduktionsmediziner im Gespräch schnell auf den Punkt bringen müssen. Laut dem Text liegt der Anteil männlicher Infertilität bei bis zu 40 Prozent der Fälle, wobei besonders harte Konstellationen mit extrem niedriger Spermienzahl auftreten: Bei Azoospermie sind im Ejakulat entweder gar keine oder nur sehr wenige Spermien nachweisbar. In der Praxis entscheiden solche Befunde häufig über den nächsten Weg – ob eine Behandlung auf die Suche nach verbliebenen Spermien setzt oder ob die Hoffnung auf einen biologischen Nachwuchs zunächst praktisch ausgedünnt wird. Genau an dieser Stelle will das an der Columbia University Fertility Center entwickelte STAR-System ansetzen: nicht, indem es die Biologie grundsätzlich „repariert“, sondern indem es die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass vorhandene Spermien überhaupt gefunden werden.

Technisch betrachtet besteht STAR aus einem Kettenprozess aus Mikrosystem, Hochgeschwindigkeitsbildgebung und KI-Entscheidung. Die Samenprobe wird per Spritze in einen mikrofluidischen Chip eingebracht, der in der Größe mit einem Kaugummi vergleichbar ist. Entscheidend ist die Geometrie: Der Kanal ist dünner als ein menschliches Haar, sodass das Material kontrolliert an einer optischen Einheit vorbeiströmt. Während die Probe durch den Kanal läuft, fertigt ein hochvergrößerndes Linsensystem an, das mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gekoppelt ist – der Text nennt dabei rund 300 Bilder pro Sekunde. Im Anschluss bewertet eine KI die Bilder. Wenn das System eine Spermienzelle erkennt, löst es eine technische Aktion aus: Über ein kleines Seitenventil wird die entsprechende Zelle aus dem Hauptstrom abgezweigt und gezielt im System erfasst.

Diese Kombination adressiert ein sehr praktisches Problem der bisherigen Diagnostik. Übliche Verfahren zur Suche nach Spermien bei vermuteter Azoospermie setzen auf manuelles Durchsuchen des Ejakulats unter dem Mikroskop. Das ist laut Text nicht nur zeitaufwendig: Das Scannen einer einzelnen Probe kann etwa acht Stunden dauern, und selbst erfahrene Techniker finden manchmal nicht die vorhandenen Spermien – wobei die Erklärung im Text ziemlich klar ist. Ejakulat enthält Milliarden von Fragmenten und zellulärem „Debris“. Für Männer mit Millionen Spermien ist dieses Durcheinander beherrschbar, weil die Zellen häufig genug vorkommen. Bei Proben mit nur zwei oder drei Spermien wird die Suche jedoch zu einer Art Nadel-im-Heuhaufen-Szenario: In der zellulären Unordnung sind einzelne Treffer für das menschliche Auge schwer zuverlässig zu separieren. STAR versucht genau diese Schwäche zu umgehen, indem es den visuellen Suchraum nicht nur durch bessere Vergrößerung bearbeitet, sondern durch KI-gestützte Mustererkennung auch die Trefferquote unter niedrigen Signalbedingungen erhöht.

Auch die klinische Einordnung im Text macht sichtbar, warum das Verfahren als Ergänzung und nicht als Ersatz für alle Optionen beschrieben wird. STAR wurde nach Angaben des Textes nach etwa sieben Jahren Entwicklung „offiziell“ Ende 2025 am Fertility Center eingeführt. Als Anwendungsszenario dienen zunächst Fälle, in denen Männer nach klassischer Einordnung als azoospermisch gelten, aber möglicherweise einzelne „versteckte“ Spermien vorhanden sind. Der Text beschreibt dafür Beispiele: In einer publizierten Fallgeschichte, verfasst von Dr. Zev Williams und Kollegen, wurden Spermien gefunden, nachdem die Probe durch STAR analysiert worden war; in einem weiteren Fall wurde ein micro-TESE-Suchprozess über zwei Tage ohne Treffer berichtet, während STAR innerhalb einer Stunde 44 Spermien in derselben Probe identifizierte. Über insgesamt 175 Fälle nennt der Text eine Treffer- und Wiedergewinnungsrate von 26 Prozent. Ab diesem Punkt läuft der normale Prozess zur Befruchtung über In-vitro-Fertilization (IVF), und der Text erwähnt zusätzlich eine laufende Schwangerschaft, die dadurch ermöglicht worden sei, dass STAR nur zwei Spermien in einer Probe gefunden habe.

Für die Markt- und Strategieperspektive ist dabei weniger die einzelne Kennzahl entscheidend als die Frage, welche Engpässe STAR adressiert: Zeit, Automatisierungsgrad und die Verfügbarkeit qualifizierter Teams. Der Text betont, dass STAR aktuell nur am Columbia University Fertility Center verfügbar ist, dort mit einem dedizierten Team, das drei Systeme betreibt. Das lässt erkennen, dass Skalierung nicht allein eine Softwarefrage ist, sondern auch eine Frage des Prozessdesigns und der operativen Routine. Gleichzeitig deutet der Text ein Ziel an, das in der Reproduktionsmedizin gut nachvollziehbar ist: ein stärker automatisiertes System, das andere Zentren nutzen können. Damit verschiebt sich der Wettbewerb nicht nur in Richtung besserer Bildanalyse, sondern auch hin zu „produkttauglichen“ Labor-Workflows – also Lösungen, die den Personalaufwand pro Fall senken und die Ergebnisstreuung reduzieren können.

Parallel dazu wird im Text der größere technologische Konflikt angesprochen: Was, wenn gar keine Spermien existieren? Die STAR-Logik setzt darauf, dass einzelne Zellen tatsächlich vorhanden sind, aber visuell oder methodisch untergehen. Bei echter Azoospermie „ohne Spermien“ kann das System dem Text zufolge nicht helfen – und diese Form scheint dem Text zufolge über die letzten zehn Jahre häufiger geworden zu sein. Gleichzeitig ist der Trend wissenschaftlich umstritten: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2017, auf die im Text verwiesen wird, stützte die These sinkender Spermienkonzentrationen über lange Zeiträume in westlichen Ländern, während andere Untersuchungen etwa von der Cleveland Clinic im Jahr 2025 laut Text keinen Wandel über 50+ Jahre bei fruchtbaren US-Männern gefunden hätten. In der Praxis zeigt das vor allem eines: Selbst wenn STAR den Suchprozess verbessert, bleibt die biologische Variabilität der Ausgangslage ein wesentlicher Treiber für unterschiedliche Therapiepfade.

Genau deshalb geht der Text über das STAR-System hinaus und erwähnt Entwicklungen in Richtung laborgestützter Spermienproduktion. Dr. Alexander Pastuszak, ein urologischer Mediziner und Mitgründer von Paterna Biosciences, sagt im Text, das Unternehmen habe im vergangenen Jahr behauptet, menschliche Spermien im Labor erfolgreich gezüchtet zu haben. Dabei werden aus testikulärem Gewebe entnommene Stammzellen genannt, die in einer Petrischale durch eine proprietäre Mischung von Molekülen und Chemikalien in Richtung „voll ausgewachsene“ Spermien geführt worden sein sollen. Zugleich stellt der Text klar, dass Dritte die Ergebnisse bislang nicht repliziert hätten und dass die Resultate noch nicht in einer peer-reviewed Fachzeitschrift veröffentlicht seien – das ist für Entscheider relevant, weil es den Status dieser Option als experimentell und nicht als abgesichertes klinisches Standardverfahren einordnet. Bis laborgestützte Spermien breit verfügbar sind, dürfte STAR daher als pragmatische Lücke-Stopper-Technik wirken: Es erhöht die Chance, aus extremen Ausgangslagen überhaupt die für IVF notwendigen Zellen zu gewinnen. Der Text formuliert das Ziel in einem Satz, der inhaltlich ernst zu nehmen ist: Mit null Spermien schwindet die Wahrscheinlichkeit eines biologischen Kindes praktisch vollständig, während ein einzelner gefundener Zelltreffer therapeutische Möglichkeiten eröffnet.


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