BROWNSVILLE, TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX will Starship bei seinem 14. Testflug erstmals in eine stabile Umlaufbahn bringen. Der Start ist für 8:15 Uhr Eastern am Montag angesetzt, wobei sich der Countdown bei Technik- oder Wetterproblemen um bis zu 75 Minuten verschieben kann. Für die Raumfahrt-Community ist das vor allem deshalb entscheidend, weil erst die Bahn über eine erfolgreiche Rückkehr- und Rendezvous-Strategie für spätere Missionen entscheidet. Gleichzeitig testet SpaceX dabei den Betrieb von Starlink-Satelliten mit Laser-Kommunikation und verfeinert die Wiederzünd-Logik für die Booster-Phase.

SpaceX nähert sich mit dem 14. Testflug seinem nächsten großen Funktionsnachweis: Starship soll nicht nur aufsteigen und wieder landen, sondern in den Orbit „reinkreisen“. Genau diese Fähigkeit ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn aus dem Entwicklungsprogramm später eine wiederholbare Transportkette werden soll – für deutlich größere Nutzlasten, für entfernte Ziele wie den Mond und langfristig auch für bemannte Mars-Planungen. Bislang verliefen die ersten 13 Flüge so, dass der obere Raumfrachter zwar nach dem Start wieder kontrolliert zurückkam, aber eben ohne echten Umlaufbahn-Betrieb. Damit war die Risikoreduktion klar: Selbst wenn die Kapsel im freien Flug aus dem Ruder läuft, sollen Trümmer nicht in der Nähe von Menschen niedergehen, sondern im Indischen Ozean landen.
Der technische Kern dieses „Orbital“-Ziels liegt weniger in der reinen Beschleunigung als in der kontrollierten Rückkehrfähigkeit. Dafür braucht es sowohl bei SpaceX als auch bei der US-Regulierungssicht (der Federal Aviation Administration) die Sicherheit, dass Starship nach dem Absetzen aus der Umlaufbahn wieder gezielt zu einem vorgesehenen Wiedereintritts- und Landegebiet zurückgeführt werden kann. Bei früheren Entwicklungsabschnitten stützte sich SpaceX deshalb auf eine Iteration, bei der mehrere Fehlversuche Fortschritt bremsten, während spätere Versionen des Fahrzeugs stabilere Ergebnisse brachten. Besonders relevant war dabei laut dem vorliegenden Bericht, dass Starship im Verlauf des 13. Testflugs einen Engine-Restart während des Fluges zeigte – eine Voraussetzung, um Wiedereintritt und Flugbahnkorrekturen im kontrollierten Rahmen zu steuern.
Was SpaceX zuletzt bereits demonstriert hat, ist eine starke Teilfähigkeit, aber eben noch nicht das Gesamtpaket. Im 13. Testflug setzte Starship zum ersten Mal 20 funktionsfähige Starlink-Satelliten einer neuen Generation ein; die Satelliten verbanden sich danach über Laser-Kommunikation mit dem restlichen Starlink-Ökosystem. Der Erfolg endete jedoch schnell: Die Satelliten befanden sich auf einer suborbitalen Flugbahn und verbrannten bereits etwa 20 Minuten nach dem Deployments in der Atmosphäre. Gleichzeitig überlebte die obere Stufe den Wiedereintritt, simulierte eine Landung über Wasser im Indischen Ozean und blieb auch nach dem Umkippen stabil genug für eine Zustandsanalyse. Die Probleme lagen eher beim Booster: Beim Versuch, nach dem Abtrennen die Rückdrehroutine für die Wasserlandung einzuleiten, wurde der Burn wegen Eisbildung in den drei mittleren Triebwerken abgebrochen, und beim späteren Landeburn zündeten nicht alle Triebwerke wie geplant.
Damit das beim 14. Testflug besser läuft, beschreibt der Bericht einen konkreten Ablauf mit klaren Zeitmarken. Der Super-Heavy-Booster soll etwa 2 Minuten und 22 Sekunden lang Schub liefern, bevor er sich wieder abkoppelt. Danach übernimmt die obere Stufe: Die Triebwerke gehen nach 8 Minuten und 11 Sekunden aus, und Starship coasted zunächst weiter nach oben, bevor es rund 20 Sekunden lang erneut zündet, um eine kreisförmige Umlaufbahn in etwa 171 Meilen Höhe über der Erdoberfläche zu erreichen. Für den Beobachtungswert sorgt außerdem die Missionstaktung: Starship soll den Planeten rund sechs Mal umrunden und in dieser Zeit 26 nächste Starlink-Satelliten aussetzen, die dann Teil des Netzbetriebs werden. Nach nahezu neun Stunden im All gibt es ein kurzes Manöver von 11 Sekunden, das das Fahrzeug wieder Richtung Erde zurückfallen lässt.
Besonders spannend wird zusätzlich, welche Komponenten SpaceX während dieses Flugs „beweist“, ohne gleich den nächsten großen Berg zu stürmen. Die ikonische Fähigkeit, den Booster mit den mechanischen Armen am Startturm einzufangen, hat SpaceX bereits in früheren Testkampagnen gezeigt, darunter beim fünften sowie beim siebten und achten Flug. Für den aktuellen Orbitalversuch soll der Fokus jedoch stärker auf dem Erreichen und Stabilisieren der Umlaufbahn liegen: SpaceX plant für diesen Testflug keine Fangmanöver für beide Stufen. Stattdessen wird der Booster eine simulierte Landung im Golf von Mexiko absolvieren und die obere Stufe eine simulierte Landung im Pazifik westlich von Chile. Der Hintergrund ist plausibel: SpaceX muss die Änderungen an Motoren und Software zur höheren Zuverlässigkeit der Wiederzündung gegen genau die Fehlerbilder prüfen, die zuvor zu Ausfällen führten, und will Ship-Return-Tests zeitlich eng mit weiteren Flugkorridoren und Erfahrungsaufbau verknüpfen.
Der Nutzen für die Raumfahrtstrategie geht dabei über das interne Ziel hinaus. NASA arbeitet an einem Starship-basierten System, das Astronauten vom Mondorbit bis zur Oberfläche des Mondes transportieren soll. Dass der Weg dorthin länger dauert als ursprünglich versprochen, hängt laut dem Bericht an mehreren noch nicht nachgewiesenen „Technological Firsts“: Dazu gehören kurzzyklische Mehrfachstarts, weil der Mondlander in niedriger Erdumlaufbahn wieder betankt werden muss, sowie das Umschlagen ultrakalter Flüssigkeiten – Methan und Sauerstoff – zwischen zwei Raumfahrzeugen im Zustand der Schwerelosigkeit. Diese Punkte lassen sich erst sinnvoll vorantreiben, wenn verlässlich Orbitalstarts gelingen. Für SpaceX selbst spielt außerdem der Markt- und Investorenaspekt eine Rolle: Nach einem Börsengang mit starkem Kursausschlag und späterer Korrektur bewegt sich die Aktie laut Bericht zuletzt wieder in Richtung rund 150 US-Dollar. Ein erfolgreicher Orbitalflug könnte damit nicht nur die Techniklogik stärken, sondern auch das Vertrauen in die Planbarkeit der nächsten Entwicklungsstufe.
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