ESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Thyssenkrupp hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, steht jedoch vor einem prognostizierten Nettoverlust von bis zu 800 Millionen Euro. Besonders die Wasserstoff-Tochter Nucera steht unter Druck, was zu einem Strategiewechsel führt. Langfristige Serviceverträge sollen nun das Potenzial von über 2 Milliarden Euro erschließen.

Thyssenkrupp hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, obwohl ein erheblicher Nettoverlust von bis zu 800 Millionen Euro droht. Diese Diskrepanz erklärt, warum die Aktie trotz der Zahlen zulegte, während das Gesamtbild gespalten bleibt. Besonders im Fokus steht die Wasserstoff-Tochter Thyssenkrupp Nucera, die im zweiten Quartal einen Verlust von 64 Millionen Euro verzeichnete. Hauptursache war eine Wertberichtigung von 50 Millionen Euro für ein Projekt des US-Düngemittelkonzerns CF Industries in Louisiana.
Um dem entgegenzuwirken, setzt Nucera künftig auf langfristige Serviceverträge, die über 25 Jahre ein Potenzial von mehr als 2 Milliarden Euro bieten. Die SOEC-Festoxid-Elektrolyse wird derzeit als noch nicht marktreif eingestuft, weshalb Neueinstellungen vorerst gestoppt werden. Positiv zu vermerken ist der Anstieg des Auftragseingangs auf 176 Millionen Euro, angetrieben durch einen 300-Megawatt-Auftrag für das Project Onuba in Spanien.
Auf Konzernebene fiel der Umsatz im zweiten Quartal um 2 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT der ersten sechs Monate lag bei 198 Millionen Euro und übertraf damit deutlich die Analystenerwartungen von 167 Millionen Euro. Die Liquidität beträgt 4,6 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand ein bereinigtes EBIT zwischen 500 und 900 Millionen Euro, während der Nettoverlust zwischen 400 und 800 Millionen Euro liegen könnte.
Die Marktreaktion auf diese Entwicklungen war freundlich. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 10,44 Euro, was rund 46 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 7,15 Euro im März liegt. Innerhalb der letzten 30 Tage legte das Papier mehr als 20 Prozent zu. Die Analysten sind jedoch uneins über das Kursziel: Während die Deutsche Bank Research ein Kursziel von 14,50 Euro setzt, bleibt JPMorgan mit 11,80 Euro neutral. Die DZ Bank empfiehlt Halten bei einem fairen Wert von 11,00 Euro, während Barclays mit einem Kursziel von 9,00 Euro auf das Risiko eines schwachen Free Cashflows hinweist.
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