KIEL / LONDON (IT BOLTWISE) – TKMS stellt für 2025/26 ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent in Aussicht und peilt eine bereinigte Ebit-Marge von bis zu 6,5 Prozent an. Das Unternehmen begründet den Schritt mit weiterhin sehr starker Nachfrage, besonders bei Atlas Electronics sowie bei Überwasserschiffen. Gleichzeitig zeigt sich das U-Boot-Geschäft nur moderat im Wachstum. Während der Auftragseingang in den ersten neun Monaten stark nachgab, soll die Abarbeitung des hohen Auftragsbestands den Takt in den kommenden Quartalen bestimmen.

Der Marineschiffbauer TKMS aus Kiel hebt seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr an und liefert damit ein klares Signal an den Kapitalmarkt: Wo zuvor eher gedämpfte Ziele zur Umsatzentwicklung in Aussicht gestellt wurden, rechnet der Konzern jetzt mit spürbar stärkerem Wachstum. Im Fokus stehen dabei mehrere Bereiche gleichzeitig – vor allem die Tochter Atlas Electronics sowie Überwasserschiffe. Das U-Boot-Geschäft soll zwar ebenfalls zulegen, aber deutlich weniger dynamisch als die übrigen Geschäftsfelder. Für Unternehmen und Investoren ist das bemerkenswert, weil sich die operative Planung in der Rüstungs- und maritimen Elektronikbranche oft über Jahre durch die Kapazitäten in Werften und Lieferketten zieht; eine Prognoseanhebung wirkt deshalb meist wie eine Freigabe für weitere Investitionen in Fertigungsplanung und Materialbeschaffung.
Finanziell untermauert TKMS die stärkere Ausrichtung mit Ergebnissen, die in den ersten neun Monaten über den Erwartungen lagen. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Beim bereinigten Ebit wuchs TKMS von 98 Millionen auf 110 Millionen Euro; allerdings zeigt die Marge die typische Spannung zwischen Wachstum und Kostenstruktur: Höhere Verwaltungskosten drückten die entsprechende Marge um 0,3 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Gleichzeitig signalisiert der Konzern, dass er die operative Leistungsfähigkeit noch einmal verbessern konnte – insbesondere im Segment Submarines, das den größten Anteil am Orderbuch trägt. Diese Schwerpunktsetzung ist technisch plausibel, weil Submarines in der Regel stark durch Projektmanagement, integrierte Systeme und eng getaktete Fertigungsabschnitte bestimmt werden; wenn ein Unternehmen dort den Ebit-Beitrag deutlich stabilisiert, lässt sich das selten allein mit Preisanpassungen erklären.
Für das nächste Planungsjahr konkretisiert TKMS seine Ziele: Bis Ende September soll der Umsatz 2025/26 um 10 bis 12 Prozent steigen. Die bereinigte Ebit-Marge erwartet der Konzern bei bis zu 6,5 Prozent; zuvor lag die Zielkorridor-Aussage bei 2 bis 5 Prozent Umsatzwachstum und einer Marge von über 6 Prozent. Damit bewegt sich TKMS zwar in der Nähe dessen, was Analysten bereits an der Zielmarke für die Marge gesehen hatten, setzt aber den Akzent auf eine weitere Annäherung an den oberen Bereich. Dass die Aktie unmittelbar reagierte, ist wenig überraschend: Die im MDAX gelistete TKMS-Aktie sprang zuletzt um 14 Prozent auf 99,10 Euro und erreichte kurzfristig auch Werte über 100 Euro; seit Jahresbeginn liegt sie damit bei knapp 50 Prozent Kurszuwachs. Solche Kursbewegungen deuten in der Regel darauf hin, dass der Markt den Fortgang der mittelfristigen Margenstrategie neu bewertet – nicht nur den kurzfristigen Ergebnishebel.
Parallel zur Prognoseanhebung liefert TKMS jedoch auch eine wichtige Einschränkung: Der Auftragseingang ging in den ersten neun Monaten deutlich zurück – von 8,6 auf 3,6 Milliarden Euro. Der Konzern ordnet das in den Kontext des Vorjahres ein, in dem zwei Großaufträge besonders stark gewirkt hätten. Gleichzeitig bleibt der Auftragsbestand hoch: rund 20 Milliarden Euro. Für die nächsten Quartale ergibt sich daraus ein zweischneidiges Bild. Einerseits kann die Abarbeitung des Bestands die Auslastung stabilisieren und damit planbare Ergebnisbeiträge liefern. Andererseits entscheidet das Neugeschäft darüber, wie lange der Effekt anhält und wie stark zukünftige Produkt- und Elektronikpakete geschnürt werden können. In diesem Spannungsfeld bekommt die konkret genannte Projektpipeline besondere Bedeutung: TKMS erwartet, dass das Neugeschäft wieder deutlich anzieht, darunter durch die im vierten Quartal als Auftragseingang zu verbuchende Unterzeichnung des Vertrags über vier Fregatten mit Option auf vier weitere zur Stärkung der Deutschen Marine. Das Unternehmen bezeichnet diesen Deal als größten Überwasser-Auftrag in seiner Geschichte.
Auch geografisch sieht TKMS die Nachfrage breit verteilt – unter anderem aus Kanada, Indien, Brasilien und Deutschland. Besonders ambitioniert klingt das kanadische U-Boot-Programm: TKMS gilt als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf U-Boote, wobei allein für die Boote ein Volumen von über 15 Milliarden Euro genannt wird. Burkhardt hofft, daraus bis zum Ende des Kalenderjahres einen finalen Vertrag zu machen; genau in diesem Punkt wird die Kapitalmarktreaktion häufig sensibler, weil finale Vertragsabschlüsse die Umsatzsichtbarkeit über den gesamten Projektzeitraum erhöhen. In der operativen Logik greift zudem ein weiterer Nachfragefaktor, den TKMS explizit nennt: Auffällig sei infolge des Iran-Kriegs neue Nachfrage aus Anrainerstaaten des Persischen Golfs, unter anderem beim Thema Minenräumung. Das passt zur Erfahrung, dass maritimer Elektronik- und Systembedarf in Konfliktlagen schneller skaliert als die vollständige Neubau-Kapazität von Plattformen.
Für die Umsetzung skizziert TKMS den nächsten Schritt: Man arbeitet weiter am Hochlauf der Werft in Wismar, um die Nachfrage abarbeiten zu können. Gleichzeitig betont Burkhardt den Profitabilitätsaspekt und bremst den Gedanken, einfach nur Kapazitäten zu vergrößern. So habe der Konzern im Juli sein Angebot für die German Naval Yards Kiel zurückgezogen, weil die Parameter nicht mehr zusammengepasst hätten. An der Werft ist auch Rheinmetall interessiert; TKMS setzt deshalb stärker auf gezielte internationale Kooperationsmöglichkeiten, etwa über die mögliche Nutzung von Produktionskapazitäten der spanischen Werft Navantia. Finanzvorstand Paul Glaser macht den Fokus auf die operative Durchlaufzeit deutlich: „Die planmäßige und konsequente Abarbeitung unseres Auftragsbestands hat für TKMS nach wie vor höchste Priorität.“ Zudem bekräftigt er die mittelfristigen Ziele inklusive weiterer Margensteigerung auf über 7 Prozent. Burkhardt fasst die Lage in der Liefer- und Kapazitätslogik zugespitzt zusammen: „Alle haben Geld, aber keine Zeit mehr. Früher hatten sie alle Zeit, aber kein Geld.“ Genau diese „Zeit-“Komponente entscheidet in der Praxis darüber, ob Margensteigerungen trotz wachsender Bestellmengen realisierbar bleiben.
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