LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der Absage der Investorenpläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino rückt die UEFA die nächsten Schritte gegenüber der FIFA-Führung in den Fokus. Der europäische Spitzenverband will gemeinsam mit anderen Konföderationen einen Maßnahmenplan erarbeiten, wie sich ein derartiger Vorgang künftig vermeiden lässt. Gleichzeitig begrüßt die UEFA die Rücknahme von Teilprivatisierungsplänen für Wettbewerbe. Der Verband kritisiert Infantino dabei auch persönlich und verweist auf frühere Transparenzversprechen sowie auf den Umgang mit Geldern.

UEFA kontert nach Infantino-Absage: Plan gegen mögliche FIFA-Privatisierung
UEFA kontert nach Infantino-Absage: Plan gegen mögliche FIFA-Privatisierung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die europäische Fußball-Union UEFA zieht nach der Zurücknahme der Investorenpläne um den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino nach und versucht, die Konfrontation zugleich zu strukturieren. Laut Mitteilung will der Verband in den kommenden Tagen und Wochen gemeinsam mit anderen Konföderationen einen Plan ausarbeiten, der verhindern soll, dass sich ein ähnlicher Vorgang wiederholt. Damit verlagert die UEFA das Thema von einer bloßen Reaktion auf eine bereits zurückgezogene Initiative hin zu einem Governance-Entwurf, der sich organisatorisch und prozessual bewähren muss.

Aus Sicht der UEFA steht dabei nicht nur die konkrete Idee im Raum, Wettbewerbe wie die Weltmeisterschaft teilweise zu privatisieren. Der Verband betont vielmehr, dass der Rückzug der FIFA-Führung aus solchen Plänen begrüßt wird. Gleichzeitig macht die UEFA deutlich, dass die derzeitige FIFA-Führung nach Ansicht des europäischen Verbandes das Vertrauen nicht nur der UEFA, sondern auch „vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie“ verloren habe. Das ist eine klare Linie: Es geht um Legitimität und Entscheidungswege, nicht ausschließlich um einzelne Deals.

Technisch betrachtet lässt sich die Auseinandersetzung als Konflikt um kontrollierbare Entscheidungsprozesse beschreiben. Wenn Investorenpläne in großem Stil geprüft, verhandelt und potenziell umgesetzt werden, entscheiden nicht nur inhaltliche Parameter wie Laufzeiten oder wirtschaftliche Anteile, sondern auch die Nachvollziehbarkeit: Welche Gremien prüfen, wer erhält welche Informationen, und wie werden Interessenkonflikte dokumentiert? Die UEFA adressiert genau diesen Punkt, indem sie das Vorgehen als „schwierig“ und „hinter verschlossenen Türen“ eingehandelt beschreibt. In der Aussage wird zudem die Dimension Transparenz mit konkretem Anspruch verknüpft: Informationen sollen nicht erst im Nachgang auftauchen, sondern in einem nachvollziehbaren Prozess.

Die UEFA kritisiert Infantino außerdem persönlich. In der Mitteilung heißt es, er habe bei seiner Kandidatur 2016 Transparenz versprochen und den Mitgliedsverbänden versichert, „dass das Geld der FIFA das Geld der Verbände sei“. Die UEFA stellt dem entgegen: „Beide Versprechen hat er nicht eingehalten.“ Untermauert wird das Narrativ mit dem Vorwurf, der Deal sei „alles andere als transparent“ gewesen. Zusätzlich verweist der Verband auf Rücklagen „in Höhe von über 5 Milliarden Dollar“ und macht geltend, Infantino habe es versäumt, die Gelder der Verbände „zum Wohle des Sports“ einzusetzen.

Hinter den politischen Schlagabtausch steckt auch ein Markt- und Strategiethema, das in internationalen Verbänden immer wiederkehrt: Kommerzialisierung wird schneller diskutiert, als sie operativ sauber abgebildet werden kann. Wenn Wettbewerbe wirtschaftlich umgebaut werden sollen, betreffen die Auswirkungen nicht nur Einnahmequellen, sondern auch Rechteketten, Vermarktungslogiken und die Frage, wer langfristig Planungssicherheit schafft. Historisch ist der Fußball dafür ein besonders sensibles Umfeld, weil Vermarktungsentscheidungen oft große Reichweiten haben und damit auch Erwartungen an Verteilungsgerechtigkeit entstehen. Genau hier kann ein Plan der UEFA ansetzen: weniger als „Gegenofferte“, sondern als Standardisierung von Prüf- und Abstimmungsmechanismen zwischen Konföderationen.

Interessant ist, dass die UEFA trotz der scharfen Kritik die Entscheidung der FIFA, ihre Pläne zur Teilprivatisierung zurückzuziehen, explizit begrüßt. Außerdem führt der Verband aus, der Vorschlag sei von den Nationalverbänden der UEFA sowie „vielen anderen Verbänden und Konföderationen aller Größenordnungen weltweit“ einstimmig abgelehnt worden. Auch das ist strategisch: Die UEFA versucht, Legitimität auf mehreren Ebenen zu markieren – einmal gegenüber der FIFA-Führung, aber auch gegenüber Mitgliedern, die die Tragweite solcher Initiativen vermutlich ganz unterschiedlich bewerten. Für Beobachter in der „Fußballfamilie“ entsteht daraus die Frage, wie künftig mit Vetos, Abstimmungsfristen und Bewertungsunterlagen gearbeitet wird, damit die Debatte nicht immer erst dann eskaliert, wenn ein Vorschlag bereits verhandelt wurde.

Aus Industrie- und Organisationssicht ist damit vor allem relevant, wie ein solcher Maßnahmenplan konkret aussehen kann, ohne sich in Absichtserklärungen zu verlieren. In Verbänden mit vielen Stakeholdern funktionieren Regelwerke typischerweise dann, wenn sie messbar sind: klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Entscheidungsprotokolle, standardisierte Risiko- und Compliance-Prüfungen sowie ein Mechanismus, der Rückfragen auch dann erlaubt, wenn Informationen bereits intern zirkulieren. Die UEFA signalisiert in ihrer Mitteilung zwar keine technische Detailtiefe, aber die Stoßrichtung ist klar: Ein Prozess soll künftige „Deal“-Dynamiken einhegen, die sich der Kontrolle entziehen. Für Unternehmen, die mit dem Fußball über Lizenzen, Vermarktung oder Datenprodukte verbunden sind, bedeutet das mittelfristig, dass sich die Governance-Interfaces verändern könnten – von Vertragsanbahnung bis zu Auditierbarkeit.

Offen bleibt dennoch, wie die FIFA auf die UEFA-Forderung nach einem gemeinsamen Plan reagiert und welchen Stellenwert die entstehenden Empfehlungen im FIFA-Gremiengefüge haben. Da der Rückzug der Privatisierungspläne bereits erfolgt ist, verschiebt sich der Konflikt in den Modus „Regeln statt Umsetzung“. Genau hier wird sich zeigen, ob die UEFA es schafft, ein wiederholbares Entscheidungsmodell zu etablieren, oder ob das Thema erneut an politischen Mehrheiten und unterschiedlichen Interessenlagen entlangläuft. Der nächste Zeitabschnitt wird damit vor allem davon abhängen, ob der geplante Abstimmungsprozess tatsächlich in konkreten Verfahren mündet – und nicht nur als weitere Runde im Ringen um Vertrauen und Transparenz wahrgenommen wird.


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