TEHERAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie aus dem Iran verknüpft einen hohen Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel mit schlechteren Ergebnissen in Gedächtnistests bei jungen Erwachsenen. Besonders auffällig: Ein gradueller „Dosis-Effekt“ mit deutlicher Abnahme ab etwa 20% der täglichen Energiezufuhr. Auch die Konzentration zeigt eine schwächere, teilweise statistisch weniger stabile Assoziation. Wichtig: Die Untersuchung ist querschnittsbasiert, liefert also Hinweise, aber keinen Kausalbeleg.

Stark verarbeitete Lebensmittel sind längst mehr als nur ein Convenience-Thema. In einer Studie aus dem Fachjournal „Nutritional Neuroscience“ berichten Forschende um Sara Rafiei und Mohammadreza Vafa, dass ein hoher Anteil sogenannter ultra-processed foods mit schlechteren Leistungen in kognitiven Standardtests zusammenhängt. Der Fokus liegt bewusst auf jungen Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren – einer Lebensphase, in der Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere Funktionen zwar noch stabil weiterreifen, gleichzeitig aber viele Ernährungsroutinen bereits „eingefahren“ sind. Das Ergebnis verschiebt die Debatte: Nicht nur spätere Demenzrisiken stehen im Raum, sondern auch das Denken und Merken im Hier und Jetzt.
Warum diese Frage so plausibel wirkt, lässt sich an der Definition festmachen. Ultra-processed foods bestehen meist aus aus Lebensmitteln extrahierten Stoffen und werden industriell so zusammengesetzt, dass sie lange haltbar sind, stark schmecken und sich standardisiert portionieren lassen. Typische Beispiele sind verpacktes Gebäck, zuckerhaltige Getränke, Fertiggerichte und salzige Snacks. Inhaltsstoffseitig geht es häufig um verfeinerte Kohlenhydrate, gesättigte Fette und Salz – kombiniert mit Zusatzstoffen wie Aromastoffen oder Emulgatoren. Solche Rezepturen greifen zudem in Mikronährstoffprofile ein: „Whole foods“ liefern oft Vitamine, Ballaststoffe und Sekundärstoffe, die bei stark verarbeiteten Varianten weitgehend fehlen.
Die Studie knüpft an frühere Befunde an, die bei älteren Kohorten einen Zusammenhang zwischen hohem Verzehr und ungünstigeren kognitiven Endpunkten beschrieben haben. Dazu gehört etwa die Beobachtung, dass ältere Erwachsene mit sehr hoher Aufnahme solcher Produkte ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen haben können. Die neue Arbeit betritt allerdings ein Feld, das in der Ernährungsforschung bisher vergleichsweise unterbeleuchtet war: kognitive Leistungen weit vor dem typischen Alterseintritt für altersbedingte Abbauprozesse. Rafiei und Vafa argumentieren, dass junge Erwachsene zugleich häufig hohe Konsummengen erreichen und dass die kognitive Leistungsfähigkeit in dieser Lebensphase zwar als „Peak“ gilt, aber nicht zwingend unbeeinflussbar ist.
Methodisch handelt es sich um eine querschnittsbasierten Beobachtungsstudie. Untersucht wurden 416 Studierende (Durchschnittsalter knapp über 22 Jahre), wodurch sich ein recht homogenes Setting ergibt – mit dem Nebeneffekt, dass die Ergebnisse nicht automatisch auf andere Bildungs-, Kultur- oder sozioökonomische Gruppen übertragbar sind. Um die Ernährung zu erfassen, nutzten die Forschenden einen 24-Stunden-Recall: Jede Person wurde an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen zu allem befragt, was sie in den vorangegangenen 24 Stunden gegessen und getrunken hatte. Die Auswertung erfolgte mit Software und lokalen Lebensmittel-Datenbanken; anschließend klassifizierten die Autorinnen und Autoren die verzehrten Lebensmittel mit dem NOVA-Schema nach dem industriellen Verarbeitungsgrad.
Die kognitiven Endpunkte wurden dann mit zwei etablierten Tests operationalisiert. Für anhaltende Aufmerksamkeit kam der Toulouse-Pieron-Test zum Einsatz: Innerhalb von drei Minuten scannten die Teilnehmenden visuelle Muster und mussten bestimmte Zielkonfigurationen rasch und korrekt markieren; der Score bildet Treffer und Fehlstellen ab. Das Kurzzeitgedächtnis wurde über den Numerical Learning Test geprüft, bei dem neunstellige Zahlenfolgen pro Sekunde vorgelesen und anschließend in derselben Reihenfolge wiedergegeben werden. Statistisch modellierten die Forschenden den Zusammenhang zwischen dem prozentualen Anteil ultra-processed foods an der Tagesenergie und den Testergebnissen, wobei sie für mehrere potenziell verwirrende Faktoren adjustierten.
Die Kernresultate sind dabei differenziert. Im Bereich Gedächtnis fanden die Autorinnen und Autoren eine negative Assoziation: Pro zusätzlicher Steigerung um 10 Prozentpunkte beim Anteil ultra-processed foods am täglichen Energieverbrauch sanken die Kurzzeitgedächtniswerte im Mittel um 0,54 Punkte. Dieser Zusammenhang blieb statistisch signifikant, selbst nachdem sie für Geschlecht, Koffeinkonsum, Nahrungsergänzungen, körperliche Aktivität, Schlafdauer und Rauchstatus kontrollierten. Zusätzlich wurde psychische Belastung über Fragebögen zu Depressivität, Angst und Stress mitberücksichtigt. Interessant ist die Stabilität: Selbst nachdem diese Faktoren einbezogen wurden, blieb das Gedächtnisergebnis „bemerkenswert“ konsistent, was gegen eine einfache Erklärung allein über Lifestyle-Variablen spricht.
Für die Konzentration zeigte sich ein ähnlicher, aber schwächerer Effekt. Zwar sank der Toulouse-Pieron-Score rechnerisch um 0,138 Punkte pro 10 Prozentpunkte höherem Anteil ultra-processed foods, doch der Unterschied zwischen den extremen Konsumgruppen verlor nach vollständiger Adjustierung einen Teil seiner statistischen Signifikanz. Die Forschenden interpretieren das als möglichen Hinweis darauf, dass kognitive Domänen unterschiedlich empfindlich auf Ernährungseinflüsse reagieren: Gedächtnis-Netzwerke, insbesondere solche, die mit dem Hippocampus verbunden sind, könnten stärker von Entzündungs- und oxidativem Stress beeinflusst werden, während Aufmerksamkeitsnetzwerke kurzfristiger auf Stress oder Koffein reagieren und damit „verrauscht“ messbar werden. Zusätzlich berichten sie über einen Schwellenwert-Effekt: Unterhalb von etwa 20% des Tagesenergieanteils blieben Gedächtniswerte relativ stabil, darüber nahm der Abfall stärker zu.
Damit stellt sich automatisch die Frage nach Mechanismen und nach dem Vergleich mit etablierten Ansätzen. Die Autorinnen und Autoren führen mehrere biologische Pfade an: Stark verarbeitete Kost enthält oft viel Zucker, gesättigte Fette und Natrium, liefert aber weniger Mikronährstoffe; zudem sind Rezepturen hoch „hyper-palatabel“ und arbeiten mit Zusatzstoffen. Solche Komponenten können das Mikrobiom verändern. Über die sogenannte gut-brain axis können veränderte Darmbakterien Signale beeinflussen, die letztlich neuronale Prozesse modulieren – flankiert von systemischer Entzündung und Insulinresistenz, die die Fähigkeit des Gehirns einschränken könnten, sich anzupassen und neue Erinnerungen zu bilden. Als Abgleich mit anderen Forschungsrichtungen lässt sich zudem auf großangelegte Ernährungskonzepte wie das NOVA-Denken sowie auf öffentliche Leitlinien verweisen, die zwar häufig Gesundheitsrisiken im Alter betonen, aber für Unternehmen, Schulen und Hochschulen auch den Blick auf Alltagsverpflegung lenken. Wichtig ist: Die Studie beweist keine Kausalität. Als Querschnitt kann sie nicht ausschließen, dass Menschen mit bestimmten Verhaltens- oder kognitiven Eigenheiten eher zu solchen Lebensmitteln greifen.
Für die Praxis bedeutet das: Die Ergebnisse sind ein Signal für frühe Risikoprävention im Sinne von Ernährung als Faktor für Leistungsfähigkeit. Die Autorinnen und Autoren nennen mehrere Grenzen, darunter Erinnerungs- und Messfehler beim 24-Stunden-Recall und die Tatsache, dass keine breiteren Ernährungsqualitätsindizes genutzt wurden, um „Verarbeitung“ sauber von insgesamt schlechterer Ernährung zu trennen. Zudem stammt die Stichprobe ausschließlich aus Studierenden einer medizinischen Universität im Iran, was die externe Validität einschränkt. Besonders relevant ist aber die Richtung: Künftige prospektive Studien und Interventionsversuche – also ein Ersatz ultra-processed foods durch minimal verarbeitete Alternativen – könnten prüfen, ob sich kognitive Leistungen tatsächlich verbessern lassen. Der DOI der Arbeit lautet https://doi.org/10.1080/1028415X.2026.2674151 und sollte sich in der nächsten Forschungsrunde direkt wiederfinden, weil hier eine plausible Brücke zwischen moderner Ernährung, Mikrobiomforschung und kognitiver Alltagstauglichkeit entsteht.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Ultra-processed Foods senken Gedächtnis und Konzentration bei jungen Erwachsenen" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Ultra-processed Foods senken Gedächtnis und Konzentration bei jungen Erwachsenen" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Ultra-processed Foods senken Gedächtnis und Konzentration bei jungen Erwachsenen« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!