LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Befragung unter US-Erwachsenen zwischen 18 und 34 zeigt ein deutliches Vertrauensdefizit gegenüber KI-CEOs. Für neun Führungskräfte, die KI-Unternehmen repräsentieren, sagten die meisten Befragten, sie vertrauten keiner davon. Bei Alex Karp liegt der „Don’t trust“-Wert bei 81 Prozent, während Satya Nadella mit 35 Prozent am besten abschneidet. Gleichzeitig erwarten 40 Prozent eine stärkere Regulierung von KI.

Umfrage: US-18- bis 34-Jährige misstrauen KI-Chefs deutlich stärker als Rechenzentren
Umfrage: US-18- bis 34-Jährige misstrauen KI-Chefs deutlich stärker als Rechenzentren (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Stimmung in den USA gegenüber Künstlicher Intelligenz kippt offenbar nicht nur im politischen Diskurs, sondern auch im Alltag von jungen Erwachsenen. Eine Umfrage, die unter mehr als 1.000 US-Bürgern im Alter von 18 bis 34 Jahren durchgeführt wurde, stellte dabei nicht „die KI“ in den Mittelpunkt, sondern die Menschen, denen die Befragten die Verantwortung für KI zutrauen sollen. Auf die Frage, wer „verantwortlich für KI“ handeln soll, antwortete die überwältigende Mehrheit, sie vertraue keiner der neun abgefragten Führungspersonen. Dieses Muster ist besonders aussagekräftig, weil es nicht nach Sympathie für einzelne Tech-Marken funktioniert, sondern nach der Frage, wem man aus Sicht der Befragten Macht und Steuerung überlassen sollte.

Das Ranking der Vertrauenswerte macht die Breite des Misstrauens sichtbar. Alex Karp, CEO eines besonders umstrittenen Unternehmens im KI-Umfeld, erhielt den schlechtesten Wert: 81 Prozent der Befragten wählten „Don’t trust“. Satya Nadella schnitt zwar am besten ab, aber selbst sein Ergebnis liegt nur bei 35 Prozent „trust“; das entspricht im Umkehrschluss einem massiven Vertrauensabstand bei den übrigen Befragten. Dazwischen rangieren weitere prominente Namen mit noch höheren Ablehnungsquoten: 79 Prozent gaben „Don’t trust“ für Peter Thiel, während Mark Zuckerberg mit 71 Prozent, Elon Musk mit 70 Prozent und Sam Altman mit 69 Prozent auf der Liste der Vertrauensverweigerer liegen. In Summe wirkt das wie ein Stimmungsbild über den gesamten KI-Führungsapparat hinweg – nicht wie Kritik an einem einzelnen Skandal.

Technisch betrachtet ist das bemerkenswert, weil KI in der Wahrnehmung häufig als „Tool“ behandelt wird, während hier Menschen als Verantwortliche abgestraft werden. Die Umfrage liefert selbst Hinweise auf die Treiber: Genannt werden vor allem die wachsende Sensibilität für Datenschutz, der Eindruck, dass früher nützliche digitale Plattformen systematisch „verfallen“, und eine wahrgenommene Erosion demokratischer Strukturen. Diese Punkte sind in der Praxis eng miteinander verknüpft: Wer Datenflüsse als intransparent erlebt, sieht später auch bei KI-Anwendungen schneller Risiken, etwa bei Profiling oder bei der Frage, wer Einwilligungen kontrolliert. Ebenso kann das Gefühl, dass Plattformen ihre Versprechen nicht einhalten, dazu führen, dass man auch bei neuen KI-Features den ursprünglichen Nutzen skeptisch beäugt.

Auch die Frage nach dem Einfluss von KI auf das eigene Leben zeigt, dass der Schatten der Technologie nicht nur reputativ, sondern auch persönlich wirkt. Auf die Frage nach der erwarteten Wirkung sagten 45 Prozent, KI werde ihre Karrieren negativ beeinflussen; weitere 40 Prozent sind der Meinung, die US-Regierung solle KI regulieren. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von „Innovation vs. Zukunftschancen“ hin zu „Schutz vs. Kontrolle“. Interessant ist zudem, dass KI und die Datenzentren, die sie antreiben, bei den jungen Erwachsenen insgesamt besser bewertet wurden als die KI-CEOs selbst. Das deutet darauf hin, dass Skepsis stärker an der Governance und am Machtmissbrauchsrisiko festgemacht wird als an der reinen Existenz von Infrastruktur.

Gerade bei Rechenzentren lohnt der zweite Blick, weil sie in der öffentlichen Debatte oft als Symbol für Energieverbrauch, Flächenbedarf und beschleunigte Projektentwicklung stehen. In der Befragung stimmten 60 Prozent der Aussage zu, dass der „all-out construction drive“ der Tech-Industrie bei Rechenzentren verlangsamt werden sollte. Obwohl ein direkter Vergleich der Detailfragen mit den CEO-Werten methodisch schwierig ist, bleibt die politische Kernaussage gleich: Selbst wenn junge Erwachsene die Expansion der physischen Infrastruktur kritisch sehen, ist sie offenbar weniger problematisch als die Personenkonstellation, die diese Entwicklung wirtschaftlich und strategisch mitträgt.

Für Unternehmen und KI-Teams ergibt sich daraus eine klare Implikation: Vertrauen wird nicht automatisch durch technische Leistungsfähigkeit erzeugt. Wenn 40 Prozent der Befragten Regulierung fordern und gleichzeitig die Vertrauenswerte bei Führungspersonen im Kern niedrig bleiben, reicht es nicht, nur Modelle zu bauen und Use-Cases zu skizzieren. Entscheidend wird, wie Unternehmen Verantwortung demonstrieren – etwa über überprüfbare Datenschutz- und Transparenzpraktiken, nachvollziehbare Sicherheitsprozesse und eine Governance, die auch bei Fehlentwicklungen klare Verantwortlichkeiten kennt. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis, dass „KI als System“ in der Wahrnehmung differenziert werden kann: Rechenzentren und KI selbst sind nicht die Hauptangriffsfläche, sondern die Wahrnehmung, dass die entscheidenden Akteure ihre Rolle nicht zuverlässig ausfüllen.

Der Markttrend dahinter ist schon länger zu beobachten, aber die Umfrage macht ihn für Entscheider greifbar. In den vergangenen Jahren haben Datenlecks, Debatten über Zugriffsrechte und die wachsende Kritik an digitalen Ökosystemen dazu geführt, dass viele Nutzer neue Technologie nicht mehr nur nach „Innovation“ bewerten, sondern nach Kontrollierbarkeit. Für Künstliche Intelligenz bedeutet das: Wer in den nächsten Produktzyklen Skalierung erreichen will, muss parallel die Vertrauensebene adressieren. Andernfalls bleibt KI zwar technologisch zentral, aber gesellschaftlich und politisch zunehmend konfliktträchtig – mit direkten Konsequenzen für Produktzulassungen, Partnerschaften und den regulatorischen Druck.


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