GENF – In einer UN-Prüfung sollen mindestens 214 Unternehmen zur Errichtung illegaler Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten beitragen. Die Mehrzahl der Firmen hat demnach ihren Sitz in Israel, daneben tauchen auch Unternehmen mit Standorten in den USA auf, darunter Airbnb. Unter den gelisteten Firmen befindet sich auch das deutsche Bau- und Baustoffunternehmen Heidelberg Materials mit Aktivitäten seines Tochterunternehmens Hanson Israel. Konsequenzen nennt die UN-Datenbank zwar nicht, die Aktualisierung wird aber mit dem Ziel begründet, Transparenz zu schaffen und wirtschaftlichen Druck aufzubauen.

UN-Datenbank zählt 214 Firmen beim Siedlungsbau in besetzten Gebieten
UN-Datenbank zählt 214 Firmen beim Siedlungsbau in besetzten Gebieten (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um den Siedlungsbau in den von Israel besetzten Gebieten bekommt erneut eine neue Zahlenbasis: Nach einer Prüfung durch ein UN-Menschenrechtsbüro sollen inzwischen mindestens 214 Unternehmen in einer Datenbank geführt werden, die die Beteiligung an den illegalen Siedlungen dokumentiert. Den Hintergrund liefert ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, nach dem die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten als illegal gelten. Auffällig ist dabei die wachsende Breite der betroffenen Geschäftsmodelle: Nicht nur Bau- oder Logistikunternehmen tauchen auf, sondern auch Konzerne, die über Rohstoffe, Dienstleistungen oder Produkte zum Umfeld der Siedlungen beitragen könnten.

In der UN-Datenbank, die als vierte Aktualisierung geführt wird, zeigt sich auch ein klares geografisches Muster. Die allermeisten der gelisteten Firmen haben dem Angaben zufolge ihren Sitz in Israel. Mit größerem Abstand folgen acht Unternehmen mit Sitz in den USA; zu ihnen wird Airbnb gezählt. Daneben sind Firmen aus weiteren Ländern verzeichnet, darunter jeweils zwei Unternehmen mit Sitz in China, Frankreich und Großbritannien. Weitere aufgeführte Standorte erstrecken sich auch auf Südafrika, Luxemburg, die Niederlande, Mexiko und Spanien. Damit wird sichtbar, dass die Prüfung nicht auf einzelne Sektoren beschränkt bleibt, sondern grenzüberschreitende Lieferketten und Dienstleistungen in den Blick nimmt.

Besonders im Fokus steht die deutsche Zementfirma Heidelberg Materials. Laut der UN-Datenbank bleibt das Unternehmen weiterhin enthalten, weil dem Konzern die Nutzung natürlicher Ressourcen für geschäftliche Zwecke vorgeworfen wird – konkret geht es um Wasser und Land. Heidelberg Materials selbst hatte die Aufnahme 2025 zurückgewiesen und argumentiert, sie sei ungerechtfertigt. In der Darstellung des Konzerns heißt es zudem, sein Tochterunternehmen Hanson Israel habe Aktivitäten eingestellt, und zwar im Steinbruch Nahal Raba sowie in einem Asphaltwerk und einem Transportbetonwerk im Westjordanland; diese Stilllegungen datiert Heidelberg Materials auf das Jahr 2023. Aus der UN-Perspektive heißt es, der Fall sei geprüft worden und man halte an der ursprünglichen Einschätzung fest.

Technisch betrachtet erinnert dieses Vorgehen weniger an ein gerichtliches Verfahren als an ein datenbasiertes Monitoringmodell: Das UN-Menschenrechtsbüro prüft jeweils, ob ein Unternehmen direkt selbst am Siedlungsbau beteiligt ist, ob es im Verbund mit anderen Akteuren dort Aktivitäten entfaltet oder ob es über seine Produkte und Dienstleistungen zum Siedlungsbau beiträgt. Genau diese Abgrenzung ist für Unternehmen in der Praxis entscheidend, weil sie die Informationslage bestimmt, die ein Konzern gegenüber Lieferketten-, Produktions- und Dienstleistungsrisiken nachweisen muss. Nach Angaben zur Datenlage wächst die Datenbank schrittweise, weil das Büro Hinweise auf 596 Firmen aus bis 2024 eingegangenen Informationen nach und nach abarbeitet; zugleich stehen Prüfungen für weitere 255 Unternehmen noch aus.

Während die UN-Liste selbst keine konkreten unmittelbaren Sanktionen nennt, ist die politische und wirtschaftliche Wirkung dennoch potenziell erheblich. Das Ziel der Länder, die 2016 der Einrichtung der Datenbank zugestimmt haben, wird als Transparenz beschrieben – verbunden mit der Hoffnung, dass öffentlicher und institutioneller Druck dazu führt, Aktivitäten einzustellen. Im vergangenen Jahr standen erst 158 Firmen auf der Liste; fünf weitere Unternehmen wurden nach einer Prüfung wieder gestrichen. Solche Streichungen zeigen, dass die Datenbank nicht statisch bleibt, sondern auf neue oder veränderte Informationen reagiert. Gleichzeitig liefert das Muster aus Ergänzungen und Korrekturen Unternehmen jedoch eine laufende Bewertungsanforderung: Sie müssen nicht nur Entscheidungen treffen, sondern auch belegen, dass Aktivitäten tatsächlich beendet oder nicht weiter beitragen.

Israel wiederum kritisiert die Datenbank scharf und spricht von einer Verleumdungskampagne. In der Darstellung des Staates sei die Datenbank eingerichtet worden, um eine Kampagne gegen Wirtschaftsunternehmen voranzutreiben, die keine Verfehlungen begangen hätten. Für betroffene Firmen bedeutet das: Die öffentliche Debatte verlagert sich von einzelnen Geschäftsabläufen hin zu einer reputations- und compliance-nahen Steuerungsfrage, obwohl die UN-Liste selbst keine automatischen Rechtsfolgen auslöst. Unternehmen wie Heidelberg Materials stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen die eigene Sachverhaltsdarstellung konsistent halten und gleichzeitig ihre Geschäftsprozesse so dokumentieren, dass die UN-Prüflogik nachvollziehbar abgegrenzt werden kann.

Für die nächsten Monate dürfte vor allem die Fortsetzung der Prüfungen der 255 noch ausstehenden Unternehmen relevant werden. Wer derzeit noch nicht gelistet ist, kann nicht automatisch von einem Ausschluss ausgehen, denn die Datenbank arbeitet sich nach und nach durch die Eingangshinweise. Umgekehrt bleibt auch für bereits gelistete Firmen entscheidend, wie sich eingestellte Aktivitäten in der Praxis verifizieren lassen und ob sich ihre Rolle entlang der Wertschöpfungskette so darstellen lässt, dass kein Beitrag zum Siedlungsbau mehr angenommen wird. Damit wird aus der UN-Datenbank nicht nur ein politisches Dokument, sondern ein fortlaufender Prüfstein für internationale Konzerne, die im Umfeld komplexer Geografien arbeiten.


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