SKOKIE, ILLINOIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Auswertung des Urban Institute zeigt, dass in den USA immer mehr Mieter Schwierigkeiten haben, monatliche Mietzahlungen zu leisten. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Mittelverdienern: Rund 20% von ihnen geben an, 2025 zeitweise nicht die volle Miete zahlen zu können. Auch in höheren Einkommensgruppen steigt die Quote der Zahlungsverzüge leicht. Die Studie verknüpft die Entwicklung mit steigenden Kosten für Alltagsausgaben und warnt vor Folgen bis hin zu Obdachlosigkeit.

US-Mieten werden auch für Mittelverdiener schwer: Urban-Institute-Studie
US-Mieten werden auch für Mittelverdiener schwer: Urban-Institute-Studie (Foto: IT BOLTWISE)
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Vor dem Hintergrund eines spürbar angespannten Wohnungsmarkts geraten in den USA zunehmend auch Haushalte unter Druck, die finanziell eigentlich „in der Mitte“ leben. Die aktuelle Untersuchung des Urban Institute macht dabei keine rein defensive Beobachtung für sehr einkommensschwache Gruppen, sondern beschreibt eine Ausweitung der Mietbelastung über alle Einkommensklassen hinweg. In der Studie geht es konkret um das Risiko, Mietzahlungen nicht vollständig oder gar nicht zum Fälligkeitstermin zu leisten – mit der Konsequenz, dass aus finanzieller Überlastung schnell ein Wohnungsverlust werden kann.

Für das neue Ergebnis ist besonders der Blick auf Mittelverdiener entscheidend. Als „middle-income“ werden Erwachsene mit einem Jahreseinkommen zwischen $31.300 und $62.600 für einen Ein-Personen-Haushalt beziehungsweise zwischen $53.300 und $106.600 für einen Haushalt mit drei Personen definiert. Von diesen Mietern berichten laut Erhebung fast 22%, dass sie 2025 mindestens einmal nicht den vollen Mietbetrag zahlen konnten, weil das Geld nicht reichte. Noch deutlicher wird die Dynamik, wenn man die Frühwarnsignal-Quote betrachtet: Ein Fünftel der befragten Mittelverdiener gab an, im Verlauf von 2025 irgendwann die volle Miete nicht fristgerecht aufbringen zu können – gegenüber etwa 14% im Jahr zuvor.

Technisch betrachtet beruht die Aussagekraft auf einer breit angelegten Befragungslogik: Die Ergebnisse stammen aus Antworten zur jährlichen Well-Being- and Basic Needs Survey, an der mehr als 10.000 Erwachsene teilnehmen. Die Kerngröße der Studie ist nicht nur „Zahlungsverzug ja/nein“, sondern die Frage, wie häufig und in welchen Monaten typische Haushalte in Entscheidungen geraten, die Geldströme zwischen Grundbedarfen und Miete aufteilen. Dabei zeigen die Angaben der Forscher auch, dass die Probleme nicht isoliert bei der Miete entstehen: Etwas mehr als 20% der Mieter gaben 2025 an, Schwierigkeiten hatten, Kraftstoffkosten wie Gas, Öl oder Strom zu bezahlen. Genau diese Überschneidung macht die Lage so hart, weil sich Haushalte dann nicht mehr „mit einer Verschiebung“ behelfen können, sondern mehrere Budgetposten gleichzeitig unter Druck stehen.

Auch die Einordnung im Zeitverlauf fällt klar aus. Während die Studie für Hauseigentümer beschreibt, dass die Fähigkeit, Hypothekenzahlungen zu leisten, in den vergangenen sieben Jahren relativ stabil geblieben ist, steigt die Zahl der Mieter, die bei der Miete in Verzug geraten. Für niedrigere Einkommen liegt die Größenordnung für 2025 bei nahezu 28% der Mieter, die irgendwann im Jahr nicht in der Lage waren, die Wohnkosten zu bezahlen – ein gradueller Anstieg von rund 24% im Jahr 2019. Selbst im höchsten betrachteten Einkommenssegment steigt der Anteil der Mieter, die mindestens einmal die Wohnkosten nicht vollständig begleichen konnten: etwa 7%, also ein Plus von 2% gegenüber dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass die Verknappung nicht nur ein Randproblem bleibt, sondern in die Verhaltens- und Zahlungsrealität breiterer Haushaltssegmente hineinzieht.

Der Markt- und Rechtskontext sorgt dafür, dass aus einzelnen Mietmonaten schnell mehr werden kann. Die Studie stellt heraus, dass die Entwicklung speziell Mieter betrifft, während die Belastungslinien bei Eigentümern anders verlaufen. Für die potenzielle Wirkung auf Wohnungsverlust nennt die Autorin Samantha Batko zudem einen wesentlichen Hebel: Mietzahlungen zählen in vielen Bundesstaaten eng mit dem lokalen Eviction-Regelwerk zusammen, und selbst ein einzelner nicht vollständig geleisteter Mietbetrag kann den Verlust der Unterkunft bedeuten. Die Eviction Lab-Daten, die Kündigungen bundesweit verfolgen, zeigen zwar, dass die tatsächlichen Evictions in den vergangenen Jahren insgesamt relativ stabil geblieben sind. Dennoch macht Batko deutlich, dass die Richtung der finanziellen Schwierigkeiten – bei steigenden Lebenshaltungskosten – realistischerweise weiter nach oben zeigen dürfte, während der Zugang zu Hilfeleistungen gleichzeitig schwieriger werden könnte.

Politisch und regulatorisch kommt dazu ein Aspekt, der für die Reichweite staatlicher Mietunterstützung relevant ist. Laut Text wurde im Umfeld der aktuellen US-Politik ein vorgeschlagener Regelungsentwurf veröffentlicht, der Bundesverwalter von Programmen der Wohnbeihilfe stärker dazu ermächtigen würde, Bedingungen an Leistungen zu knüpfen – etwa in Form von Zeitlimits oder Arbeitsanforderungen. Befürworter solcher Pläne argumentieren typischerweise mit Steuerung und Zielgenauigkeit; in den vorliegenden Angaben werden jedoch auch Stimmen aus dem Kreis der Wohnrechts- und Sozialhilfevertreter zitiert, die befürchten, dass dadurch weniger Menschen Zugang zu Bundesprogrammen erhalten könnten, inklusive Mietzuschüssen. Für Unternehmen mit Fokus auf Housing-Ökosysteme, für Sozialträger und für kommunale Programme erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass Lücken zwischen „Notwendigkeit“ und „Förderzugang“ länger offen bleiben.

Aus Sicht der Praxis lässt sich aus der Studie eine klare Botschaft ableiten: Wenn Haushalte häufiger zwischen Medikamenten, Essen und Miete umschichten müssen, entstehen neue Muster in der Zahlungsfähigkeit – und diese Muster sind für öffentliche wie private Akteure planbar, bevor sie sich als Obdachlosigkeit materialisieren. Hier spielt auch der moderne Werkzeugkasten eine Rolle: Künstliche Intelligenz wird häufig eingesetzt, um Befragungs- und Zahlungsdaten in Risiko-Cluster zu überführen und Frühindikatoren schneller zu erkennen, etwa bei wiederkehrenden Teilzahlungen oder bei gleichzeitigen Belastungen aus Energie und Wohnkosten. Gleichzeitig bleibt das zentrale Problem nicht algorithmisch, sondern sozial: Die Kosten für Alltagsbedarfe wirken wie ein zusätzlicher Hebel gegen die Miettragfähigkeit. Wenn sich die Entwicklung, wie in der Studie angedeutet, fortsetzt, müssen Wohnungsanbieter, Verwaltung und Hilfesysteme ihre Kapazitäten und Reaktionszeiten deutlich früher planen, statt erst auf Kündigungen zu reagieren.


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