LONDON (IT BOLTWISE) – Vertiv liefert Wachstum durch Strom- und Kühlinfrastruktur für KI-Rechenzentren. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal 2026 den Nettoumsatz um 24 Prozent auf 3,27 Milliarden US-Dollar gesteigert und gleichzeitig die bereinigte operative Marge auf 22,6 Prozent erhöht. Für 2026 hebt Vertiv die Jahresziele an und verweist auf gut gefüllte Projektpipelines. Im Fokus steht außerdem eine gemeinsam mit NVIDIA entwickelte 800-VDC-Stromarchitektur, die rechtzeitig vor geplanten Plattformstarts 2027 verfügbar sein soll.

Wer KI-Training heute in die Fläche bringen will, stößt schnell an die Grenzen des klassischen Rechenzentrums: Nicht nur die Prozessoren bestimmen die Leistung, sondern auch die Energieverteilung und die Wärmeabfuhr. Vertiv, bekannt als Anbieter von Strom- und Kühlinfrastruktur für Rechenzentren, positioniert sich genau dort, wo bei steigenden KI-Lasten die Engpässe entstehen. Dass das Thema jetzt so stark auf die Ergebniszahlen durchschlägt, zeigt sich am zweiten Quartal 2026: Vertiv meldete einen Nettoumsatz von 3,27 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 24 Prozent entspricht. Dabei wuchs der Umsatz aus eigener Kraft um 18 Prozent; zusätzliche Zuwächse steuerte der Konzern über 5 Prozentpunkte bei. Entscheidend ist aber auch die Profitabilität: Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 51 Prozent auf 738 Millionen US-Dollar, und die bereinigte operative Marge erreichte 22,6 Prozent.
Unter der Oberfläche steckt dabei ein technologischer Hebel, der für KI-„Factory“-Setups besonders relevant ist: Hochdichte Systeme brauchen eine stabile, leistungsfähige Stromversorgung und eine Kühlung, die die Wärme nicht nur abführt, sondern auch die thermischen Grenzen der Beschleuniger verlässlich einhält. Vertiv entwickelt gemeinsam mit NVIDIA 800-VDC-Stromarchitekturen für sogenannte KI-Fabriken. Diese Architektur zielt darauf, die Energieversorgung über deutlich höhere Gleichspannungsniveaus effizienter zu gestalten und damit die Grundlage für die nächste Generation von KI-Racks zu schaffen. Nach Unternehmensangaben soll das Portfolio im zweiten Halbjahr auf den Markt kommen. Der zeitliche Takt ist dabei nicht zufällig gewählt: Vertiv nennt als Ziel, vor dem Start der Rubin-Ultra-Plattformen im Jahr 2027 bereit zu sein, und berichtet zugleich, bereits in frühen Designphasen mehrerer Großprojekte eingebunden zu sein.
Flüssigkühlung ist in diesem Kontext mehr als ein „Upgrade“. Die Hardwareseite der KI-Workloads liefert inzwischen Rechenleistung in Größenordnungen, bei denen Luftkühlung allein schnell an ihre praktischen Grenzen stößt. Vertiv argumentiert deshalb, dass eine korrekte Kühlstrategie für KI-Ausbau ebenso wichtig geworden ist wie die Prozessoren selbst: Moderne KI-Chips erzeugen so viel Wärme, dass Lüfter und Klimaanlagen nicht mehr ausreichen können. Ohne Flüssigkühlung würden die Chips überhitzen, was zu langsamerer Berechnung, höherem Verschleiß und im Extremfall zu Ausfällen führen kann. Genau hier sieht das Unternehmen seine Angebotsstärke in einer integrierten Infrastruktur: Wer die neueste KI-Technik nutzen will, müsse häufig nicht nur einzelne Komponenten tauschen, sondern auch die vorhandene Kühl- und Energiearchitektur modernisieren.
Dass die Strategie funktioniert, spiegelt sich in den Kennzahlen zur Kapitalstruktur und in der angehobenen Prognose wider. Der bereinigte freie Cashflow lag bei 925 Millionen US-Dollar, und die Barmittel übersteigen inzwischen die Finanzschulden. Für 2026 erwartet Vertiv einen Nettoumsatz von 13,8 bis 14,2 Milliarden US-Dollar bei einem organischen Wachstum von 30 bis 32 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie kündigt das Unternehmen für das Gesamtjahr 6,65 bis 6,75 US-Dollar an. Auch kurzfristig bleibt die Stoßrichtung klar: Für das dritte Quartal nennt Vertiv ein organisches Plus von 34 bis 36 Prozent, und CEO Giordano Albertazzi führt die höheren Ziele auf gut gefüllte Projektpipelines zurück.
Auch die Auftragslage liefert dafür eine operative Begründung, allerdings mit einem wichtigen Zusatz: Wachstum bedeutet nicht automatisch, dass alle Teile des Systems gleichzeitig „glatt laufen“. Vertiv berichtet von abgegrenzten Umsatzerlösen, die bis zum 30. Juni auf 3,63 Milliarden US-Dollar verdoppelt wurden. Gleichzeitig steigen die Vorräte auf 2,52 Milliarden US-Dollar. In der gleichen Berichterstattung nennt das Unternehmen Engpässe in der Lieferkette, die einzelne Umsätze zeitlich verschieben können. Regional zeigt sich zudem eine differenzierte Lage: Die Region EMEA verzeichnete einen organischen Rückgang von 2,4 Prozent. Solche Muster sind typisch für Investitionszyklen im Rechenzentrumsumfeld, in dem Planung, Bau und Inbetriebnahme häufig auseinanderlaufen und regionale Beschaffungslinien unterschiedlich stark beeinflusst werden.
Mit Blick auf die Marktpositionierung wird zudem verständlich, warum Vertiv in den Augen vieler Investoren als „Infrastrukturgewinner“ der KI-Welle gilt. Die Logik ist relativ direkt: NVIDIA stellt die zentrale Chip-Hardware für KI-Rechenzentren bereit, während KI-Software-Stacks eine zweite wichtige Schicht bilden. Vertiv adressiert mit Stromversorgung auf 800-VDC-Basis und mit Flüssigkühlung hingegen die physische Realität der Rechenzentren, also die Frage, wie hohe Leistungsdichten überhaupt zuverlässig betrieben werden. Für Unternehmen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren in KI-Infrastruktur investieren, wird damit die Architektur-Denke wichtiger als die reine Auswahl einzelner Chips. Wer neue Beschleuniger einsetzt, braucht häufig auch ein stimmiges „Thermal- und Power-Design“ – und genau dort setzt Vertiv mit den angekündigten 800-VDC-Systemen und der Flüssigkühl-Kompetenz an.
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