FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage zeigt eine deutliche Lücke zwischen wahrgenommenem Drohnenrisiko und tatsächlich umgesetzten Schutzmaßnahmen in Deutschland. 54,7 Prozent der befragten Organisationen meldeten in den vergangenen zwölf Monaten unautorisierte oder sicherheitsrelevante Drohnenflüge. Gleichzeitig haben 46,5 Prozent nach eigenen Angaben bislang keine Maßnahmen zur Drohnendetektion eingeführt. Die Auswertung verweist zudem darauf, dass Betreiber vor allem Sabotage und Störungen von Betriebsabläufen fürchten.

Viele Betreiber kritischer Infrastruktur ohne wirksamen Drohnenschutz
Viele Betreiber kritischer Infrastruktur ohne wirksamen Drohnenschutz (Foto: IT BOLTWISE)
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In Deutschland wächst der Handlungsdruck beim Schutz kritischer Infrastruktur, weil unautorisierte Drohnenflüge nicht mehr nur ein theoretisches Szenario sind. In einer Umfrage des Unternehmens Droniq zusammen mit dem Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) berichteten laut den Angaben zur Erhebung 54,7 Prozent von insgesamt 104 Teilnehmern über unautorisierte oder sicherheitsrelevante Drohnenüberflüge in den vorherigen zwölf Monaten. Die Kernaussage der Auswertung ist damit weniger die Zahl der Vorfälle, sondern der Abstand zur Vorbereitung: Fast die Hälfte hat offenbar noch keine Detektionsmaßnahmen etabliert.

Technisch betrachtet geht es bei „Drohnendetektion“ nicht nur um das einfache Erkennen von Flugobjekten, sondern um die Einordnung im Kontext des erlaubten Luftverkehrs. Droniq und der Verband formulieren genau diese Differenz: Entscheidend sei nicht ausschließlich, dass ein Flugobjekt als Drohne identifiziert wird, sondern dass sich beurteilen lässt, welche Fluggeräte in einem bestimmten Luftraum grundsätzlich zulässig sind und welche nicht. Für Betreiber bedeutet das in der Praxis eine Kette aus Sensorik, Datenfusion und Betriebslogik, die Ziele zuverlässig erfasst, klassifiziert und anschließend in konkrete Alarm- oder Einsatzentscheidungen übersetzt.

Dass diese Kette vielerorts noch nicht durchgehend läuft, zeigt die Umfragezahl 46,5 Prozent: Fast die Hälfte der betroffenen Organisationen setzt nach eigenen Angaben bislang keinerlei Maßnahmen zur Drohnendetektion ein. Interessant ist dabei auch die Risikowahrnehmung der Befragten. 46,2 Prozent sehen Drohnen bereits heute als reale Bedrohung, weitere 36,5 Prozent erwarten, dass sich das Risiko künftig zuspitzen kann. Als wichtigste Gefahren nennen die Teilnehmer Sabotage (46,5 Prozent) sowie die Störung von Betriebsabläufen (39,5 Prozent). Spionage und Datenschutzrisiken werden demgegenüber mit 7 Prozent beziehungsweise 5,8 Prozent deutlich seltener in den Vordergrund gerückt.

Der politische Impuls kommt dabei nicht aus dem luftleeren Raum, sondern aus konkreten Vorfällen, die das Thema in die öffentliche Debatte und damit auch in technische Beschaffungs- und Modernisierungspläne drücken. Der Fund einer Bombendrohne auf dem Flughafen in Leipzig hat das Thema nach den Angaben bereits mit Priorität auf die Agenda gesetzt. Darauf aufbauend kündigte der Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bei einem Besuch des Towers der Deutschen Flugsicherung (DFS) am Frankfurter Flughafen im August an, dass in den An- und Abflugbereichen der Flughäfen kurzfristig eine Interimstechnik der DFS zum Einsatz kommen soll. Genau diese „Interim“-Logik ist für Betreiber relevant: Sicherheitslücken werden oft nicht durch eine einzelne, sofort endgültige Lösung geschlossen, sondern durch gestufte Einführungsschritte, während parallel die Integration in bestehende Betriebs- und Sicherheitsprozesse weiterläuft.

Auch die Zusammensetzung der Befragten zeigt, wie breit das Thema organisatorisch verankert werden muss. Befragt wurden Organisationen aus Staat und Verwaltung (31 Teilnehmer), Transport und Verkehr (31), Energie (17), IT und Telekommunikation (15), Wasser (5), Gesundheit (2), Weltraum (2) und Ernährung (1). Gerade diese Streuung deutet darauf hin, dass Drohnenschutz kein isoliertes Flughafen-Thema ist: Wer etwa Energieanlagen betreibt oder Daten- und Telekom-Infrastrukturen absichert, braucht ähnliche Fähigkeiten zur Lageeinschätzung, aber oft mit anderen Betriebszeiten, Geländestrukturen und Schnittstellen zu externen Stellen. Ebenso wird klar, warum Detektion allein nicht genügt: Die Bedrohungslage muss in betriebliche Abläufe und Zuständigkeiten übersetzt werden, ohne dass Teams bei jedem Ereignis wieder bei null beginnen.

Für den Markt ergeben sich daraus mehrere Konsequenzen. Erstens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Betreiber stärker in Systeme investieren, die nicht nur „Objekt erkannt“ liefern, sondern mit vergleichsweise niedrigen Fehlalarmraten arbeiten und sich an definierte Sicherheitszonen anpassen lassen. Zweitens wird die Koordination wichtiger: Eine Drohne macht nicht an Grundstücksgrenzen halt, und auch Betreiber eines Standorts sind oft Teil eines größeren Netzwerks aus Infrastruktur, Dienstleistern und Behörden. Drittens verschiebt sich der Wettbewerb weg von reinen Einzelkomponenten hin zu integrierten Sicherheitsarchitekturen, in denen Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenlaufen und in definierte Reaktionswege münden.

Für Unternehmen und Betreiber heißt das konkret, die nächsten Schritte sauber zu planen. Die Umfrage signalisiert, dass viele Organisationen trotz erkennbarer Bedrohungswahrnehmung noch nicht umgesetzt haben, was zur täglichen Betriebssicherheit gehört. Wer jetzt startet, sollte dabei Detektionsfähigkeit, Klassifikationslogik und die organisatorische Antwortkette zusammen denken: Welche Schwellenwerte lösen welche Maßnahmen aus, wie werden Zuständigkeiten abgebildet und wie wird das System über die Zeit hinweg an neue Drohnentypen angepasst? Vor dem Hintergrund der politischen Signale rund um Flughäfen und der breit gefächerten Umfrageteilnahme ist absehbar, dass Drohnenschutz in den kommenden Monaten und Jahren stärker als Teil der Sicherheits- und Resilienzstrategie betrachtet wird – nicht als „nice to have“, sondern als Sicherheitsgrundlage.


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