VILLINGEN-SCHWENNINGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Gemeinderat von Villingen-Schwenningen hat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Betreutes Wohnen Schertlestraße“ einstimmig beschlossen. Damit können am Areal des Heilig-Geist-Spitals künftig sechs Neubauten mit insgesamt 140 barrierefreien Wohnungen entstehen. Träger des Projekts ist der Spitalfonds Villingen, der das bestehende Gebäude im Gebiet Erbsenlachen abreißen lässt. Parallel läuft an der Roggenbachstraße ein privates Nachverdichtungsprojekt mit 30 Eigentumswohnungen an.

In Villingen-Schwenningen bekommt die Diskussion um bezahlbaren, nachfrageorientierten Wohnraum eine konkrete bauliche Form: Der Gemeinderat hat am 29. Oktober 2026 den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Betreutes Wohnen Schertlestraße“ einstimmig auf den Weg gebracht. Inhaltlich geht es nicht um eine abstrakte Planungsstudie, sondern um eine bindende Grundlage für die Bebauung eines innerstädtischen Areals an der Schertlestraße. Im Zentrum steht die Umwandlung eines Bestandsstandorts in eine neue Wohnstruktur mit 140 barrierefreien Wohnungen in sechs Neubauten. Für Kommunen ist das vor allem dann bedeutsam, wenn barrierefreier Wohnraum nicht nur in Neubaugebieten, sondern sichtbar im bestehenden Quartier ankommt.
Der Beschluss hängt dabei direkt an der Frage des Rückbaus: Mit dem Ratsvotum erhält der Spitalfonds Villingen die Genehmigung, das bestehende Heilig-Geist-Spital – im Volksmund „Spittel“ – abzureißen und das Gebiet neu zu strukturieren. Solche Rückbauszenarien sind in der Praxis mehr als ein „Abriss und Neubau“, weil sie Flächenlogistik, Bauphasenplanung und die Anpassung an aktuelle Wohn- und Erschließungsstandards erfordern. Genau hier zeigt sich der strategische Kern des Vorhabens: Statt die vorhandene Gebäudesubstanz nur zu modernisieren, setzt die Kommune auf einen kompletten Neubau, der Grundrisse, Bewegungsflächen und Zugänge von Beginn an barrierefrei plant. Das Ziel lautet „betreutes Wohnen“; damit kommt zusätzlich zur Wohnqualität typischerweise die Organisation von Alltagsunterstützung und die Einbindung sozialer Infrastruktur als Teil des Konzepts hinzu.
Technisch betrachtet entsteht das Projekt im Spannungsfeld von Nachverdichtung und städtebaulicher Verträglichkeit. Der Bebauungsplan fügt sich in die Bestrebungen ein, Flächen im Stadtgebiet durch Umwidmung und Neubau effizienter zu nutzen. Gerade auf Konversions- und Bestandsflächen lässt sich die Siedlungsdichte erhöhen, ohne dauerhaft neue Außenbereiche zu beanspruchen. Für die Umsetzung heißt das: Die Kommune muss Erschließung, Stellplatzkonzept, Versorgungssysteme und das Zusammenspiel mit der Umgebung so festlegen, dass das neue Quartier funktioniert. In der Meldung wird dabei auch der politische Signalcharakter betont: Ein einstimmiger Beschluss für 140 barrierefreie Wohnungen zeigt, dass die Priorisierung von barrierefreiem Wohnraum innerhalb der Kommunalpolitik breiten Rückhalt hat.
Parallel zum kommunalen Projekt zeigt Villingen-Schwenningen, wie sich Nachverdichtung zugleich auch als Motor für neue Objektformen im privaten Segment auswirkt. An der Ecke von Rietheimer Straße und Roggenbachstraße plant ein privater Bauträger nach dem Abriss einer vormals gewerblich genutzten Immobilie ein Mehrfamilienhaus mit dem Projektnamen „Freiherr von Roggenbach“. Geplant sind 30 Eigentumswohnungen; das Investitionsvolumen wird mit 14,5 Millionen Euro beziffert, und die Verkaufspreise der Einheiten reichen laut Vorhabenbeschreibung bis zu 960.000 Euro. Zeitlich soll der Bau nach dem Rückbau im ersten Halbjahr 2027 starten, die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen. Für Marktteilnehmer ist das ein wichtiger Taktgeber, weil genau diese Abfolge – Rückbau, Baustart, Vermarktung, Übergabe – die Liquidität und Projektplanung beeinflusst.
Für die Bewertung solcher Nachverdichtungsflächen frühzeitig ist deshalb weniger die reine Grundstücksgröße entscheidend, sondern der Prüfrhythmus im Bebauungsplan-Verfahren und die daraus folgende Preisfindung. Die Meldung legt nahe, dass sich solche Projekte nicht nur mit dem Ziel „mehr Wohnungen“ erklären lassen, sondern dass städtebauliche Rahmenbedingungen und Marktannahmen zusammenkommen müssen. Im privaten Projekt wird die Preisobergrenze besonders sichtbar; sie dient als Benchmark für die Wirtschaftlichkeit der Planung, der Baukosten und der Vermarktungsstrategie. Zugleich zeigt das kommunale Projekt, dass der Investitionsfokus auch auf Zielgruppen ausgerichtet sein kann, deren Wohnbedürfnisse spezifische Standards erfordern. Damit entstehen in derselben Stadt zwei Muster: öffentlich getriebenes, betreutes und barrierefreies Wohnen im Bestand und privat getriebenes, wohnwirtschaftliches Wachstum auf ehemaligen Gewerbeflächen.
Aus Industry- und Umsetzungs-Sicht lohnt auch ein Blick auf die Rolle von Barrierefreiheit in der Projektarchitektur. Bei 140 barrierefreien Wohnungen steigt die Bedeutung einer durchgängigen Planung über das gesamte Lebenszyklusdenken: Wegeführungen, Aufzüge, barrierefreie Badezimmer, Schwellenfreiheit und ausreichend dimensionierte Bewegungsflächen sind nicht einzelne Detailpunkte, sondern bestimmen die Grundrisslogik. Im Gegensatz zu „später nachrüsten“ ist der Neubau in der Regel der Weg, diese Anforderungen konsistent einzubauen. Gleichzeitig fordert ein solches Vorhaben eine hohe Koordination der Gewerke während der Bauphase, weil Abweichungen in frühen Schritten in vielen Fällen später nur noch teuer korrigierbar sind. Genau deshalb sind klare Bebauungsplanvorgaben und ein abgestimmtes Konzept für die soziale Nutzung so relevant wie die reine Baustellenorganisation.
Mit den genehmigten Projekten verfolgt Villingen-Schwenningen damit eine doppelte Linie: An der Schertlestraße rückt der Spitalfonds den Ausbau betreuter und barrierefreier Wohnräume in den Vordergrund; an der Roggenbachstraße wird die Nachverdichtung im Segment des privaten Wohnungsmarkts konkret. Beide Vorhaben verdeutlichen einen breiteren Trend, bestehende Gewerbe- und Bestandsflächen abzureißen und durch dichtere Wohnbebauung zu ersetzen. Für Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet das vor allem mehr Auswahlmöglichkeiten und perspektivisch eine bessere Passung von Wohnformen zu Lebenslagen. Für Investoren und Projektentwickler ergibt sich daraus ebenfalls eine Botschaft: Wer Nachverdichtung früh prüfen will, muss nicht nur Baugrund und Nachfrage analysieren, sondern den gesamten Weg von der planungsrechtlichen Genehmigung bis zur Terminierung der Fertigstellung im Blick behalten.
Abschließend bleibt als politischer und operativer Kern der Vorgang in Villingen-Schwenningen besonders anschlussfähig: Der Gemeinderatsbeschluss schafft Planungsrecht und damit Planungssicherheit, während die private Parallelentwicklung zeigt, wie sich diese Logik auch für renditeorientierte Neubauprojekte nutzen lässt. Mit dem Start im ersten Halbjahr 2027 und der Zielmarke 2029 im privaten Projekt wird zudem sichtbar, wie stark der zeitliche Druck der Bau- und Vermarktungszyklen den Projektalltag prägt. Die Stadt setzt derweil auf barrierefreien Wohnraum als sichtbares Ergebnis einer Nachverdichtungsstrategie im Bestand – ein Ansatz, der in vielen Kommunen derzeit an Bedeutung gewinnt, weil sich Wohnungsnachfrage, demografische Entwicklung und Modernisierungsbedarf zunehmend überlagern.
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