LONDON (IT BOLTWISE) – VW bringt mit dem ID. Tiguan einen neuen Elektro-SUV auf Basis der nächsten Plattformgeneration. Gegenüber dem ID.4 wächst der Wagen um vier Zentimeter und bekommt ein deutlich ruhigeres Design sowie ein neu strukturiertes Cockpit mit 10-Zoll- und 15-Zoll-Displays. Technisch setzt VW bei den Reichweiten auf größere Akkus und etwas höhere Ladeleistungen, bleibt aber beim 400-Volt-Bordnetz. Der Vorverkauf startet am 13. Oktober, die Preise sollen bei rund 42.700 Euro beginnen.

Wenn VW den ID.4 später als „Vorgänger“ einordnet, dann passt das Timing: Der ID. Tiguan tritt laut den nun vorgestellten Eckdaten an die Stelle des bisherigen Elektro-SUV-Duos. Der Wechsel ist dabei nicht als reine Modellpflege gedacht, sondern als klare Neupositionierung in Design und Interieur. Auffällig ist vor allem der Schritt zu einer ruhiger empfundenen Designsprache: Bereits von anderen ID.-Modellen bekannt, verbindet vorne ein dunkles Designelement die beiden Scheinwerfer, während auch am Heck ein breites Leuchtenband die Konturen stärker zusammenzieht.
Mit Blick auf die Karosserie bleibt VW dagegen eher konservativ – und gleichzeitig zielgerichtet. Der ID. Tiguan wird gegenüber dem ID.4 und ID.5 um vier Zentimeter länger und kommt damit auf 4,62 Meter. Praktisch schlägt sich das unter anderem im Raumangebot nieder: Der Kofferraum soll 534 bis 1.577 Liter bieten. Neu ist zudem ein 32-Liter-Staufach unter der Fronthaube (Frunk), das im Alltag die Organisation von Ladekabeln, Reisetaschen oder Werkzeug erleichtern kann, ohne dafür zusätzliche Umbauten im Innenraum zu erfordern.
Auch im Cockpit setzt VW auf einen Mix aus visueller Konstanz und Bedienlogik, die näher an den aktuellen ID.-Designlinien liegt. Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht, und für zentrale Funktionen wie Klima oder Lautstärke setzt VW „richtige Knöpfe“ ein – ein Ansatz, der bei der Bedienung vor allem in Fahrtphasen mit wenig Blick auf das Display Vorteile bringen kann. Vor dem Fahrer sitzt ein 10-Zoll-Display, in der Mitte ein Touchscreen mit 15 Zoll (ca. 38 Zentimeter). Zusätzlich kommt für den Beifahrer erstmals in einem europäischen VW-Setting ein 12-Zoll-Bildschirm hinzu, der etwa Musikauswahl oder den Fahrtverlauf anzeigen kann und damit die Nutzerzonen stärker entkoppelt.
Technisch bleibt der Kern der elektrischen Architektur laut Angaben relativ stabil, aber die Kombination aus Motorleistung, Akku und Ladeparametern wird variiert. Drei Antriebsvarianten stehen im Raum, wobei die Leistung im Vergleich zum Vorgänger zwar wächst, aber nicht sprunghaft: Die Basis nutzt einen 140 kW/190 PS starken Heckmotor (zuvor 170 PS) und kombiniert das mit einer 58-kWh-Batterie (zuvor 52 kWh) für bis zu 450 Kilometer Reichweite. Darüber positioniert sich ein weiterer Hecktriebler mit 210 kW/286 PS und 77-kWh-Akku, der bis zu 600 Kilometer ermöglichen soll. Ergänzt wird das Spektrum durch eine Allradversion mit 220 kW/299 PS und bis zu 560 Kilometern Reichweite.
Beim Laden setzt VW ebenfalls auf Evolution statt Sprungtechnik. Das 400-Volt-Bordnetz, das bereits aus dem Vorgängerumfeld bekannt ist, soll keine „großen Fortschritte“ erzwingen; dennoch steigt die Ladeleistung je nach Akku: Der kleinere Akku lädt mit bis zu 105 kW, wofür VW für 10 auf 80 Prozent rund 26 Minuten nennt. Der größere Akku soll bis zu 165 kW schaffen, mit einer von VW genannten Zeit von 29 Minuten für denselben Ladebereich. Für die Praxis ist vor allem relevant, dass sich Ladezyklen damit eher in bekannte Schnellladefenster einordnen lassen – und die Reichweitenangaben von 450 bis 600 Kilometern in Kombination mit der Ladegeschwindigkeit die typische „Planbarkeit“ einer Langstreckenfahrt verbessern sollen.
Bereits im Detail zeigt sich zudem, dass VW konkrete Schwachstellen aus dem Vorgängerkontext adressieren will. Die elektrisch gesteuerten Türgriffe, die Probleme mit Feuchtigkeitseintritt gemacht hatten, werden durch klassische Bügelgriffe ersetzt. Auf der Fahrdynamik-Seite nennt VW unter anderem One-Pedal-Driving, das beim Loslassen des Fahrpedals bis zum Stillstand verzögern kann, sowie einen digitalen Fahrzeugschlüssel. Ergänzt wird das Paket durch Vehicle-to-Load-Funktionalität, mit der sich externe Geräte mit Strom versorgen lassen. Für das Nutzungsprofil ist das besonders dann interessant, wenn man außerhalb typischer Komfortumfelder (z. B. Camping, Baustellen, Stromversorgung bei Veranstaltungen) flexibel bleiben möchte.
Für den Markt ist der ID. Tiguan zugleich ein Signal: VW bleibt im Segment der elektrischen SUVs präsent, und die Modelllogik wirkt auf mehrere Baureihen hin konsistent. Produktionsseitig entsteht der Wagen im Werk Emden, der Vorverkauf soll am 13. Oktober starten; als Einstiegspreis nennt VW rund 42.700 Euro. Damit trifft der Hersteller die Frage, ob Kunden bei der Anschaffung eher auf höhere Reichweite, bessere Alltagstauglichkeit oder auf sichtbare Interieur-Modernisierung reagieren – und versucht, gleich mehrere Hebel gleichzeitig zu bedienen: mehr Batterievolumen, etwas schnellere Ladekurven, klassische Türgriffe als Qualitätsargument und ein Cockpit mit klareren Bedienelementen. Entscheidend wird am Ende sein, wie gut sich Design und Bedienkonzept in der täglichen Nutzung bewähren – und ob die beworbenen Lade- und Reichweitenwerte auch im Zusammenspiel aus Temperatur, Streckenprofil und Fahrstil stabil bleiben.
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