LONDON (IT BOLTWISE) – Die Gen Z nutzt Künstliche Intelligenz offenbar häufig, steht ihr aber gleichzeitig immer skeptischer gegenüber. Laut Gallup sieht fast die Hälfte der Befragten mehr Risiken als Vorteile. Gleichzeitig nennen Forscherinnen und Branchenvertreter vor allem den Druck in Krisen, die Angst vor Jobverlusten und die fehlende Kontrollierbarkeit als Gründe. Der Widerstand zeigt sich sogar im Arbeitsalltag und in organisierten Aktionen.

Warum die Gen Z KI skeptisch sieht: Nutzung ohne Vertrauen
Warum die Gen Z KI skeptisch sieht: Nutzung ohne Vertrauen (Foto: IT BOLTWISE)
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Unter den 14- bis 29-Jährigen entwickelt sich eine Haltung, die man bei digitalen Vielnutzerinnen und -nutzern sonst eher nicht erwartet: Künstliche Intelligenz wird täglich oder zumindest regelmäßig genutzt, aber das Vertrauen fehlt spürbar. Genau diese Kombination treibt die Debatte voran. Denn wenn eine Generation zwar die Tools ausprobiert, aber die Wirkung skeptisch bewertet, verschiebt sich nicht nur die Nutzerlogik, sondern auch der Druck auf Unternehmen, die KI als Fortschritt verkaufen. Laut einer von Gallup veröffentlichten Untersuchung steht die Altersgruppe besonders stark auf der Seite der Skepsis, obwohl sie als Digital Native gilt.

Technisch betrachtet ist das Muster bemerkenswert, weil es nicht auf einen simplen „Ablehnen“-Reflex hinausläuft. In der Gallup-Datenlage heißt es, dass gut die Hälfte der Befragten KI täglich oder wöchentlich verwendet. Parallel dazu geben große Teile der Gen Z an, sich dabei nicht „sonderlich gut“ zu fühlen. Damit entsteht eine Kluft zwischen Nutzung und Bewertung: Die Systeme liefern Ergebnisse, aber die Nutzerinnen und Nutzer zweifeln an Nutzen-Risiko-Abwägungen. Ein zentrales Signal ist dabei die Prozentangabe: 48 Prozent sehen bei KI mehr Risiken als Vorteile, elf Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor.

Die Stimmung kippt dabei nicht schleichend, sondern beschleunigt sich. Im Vergleich zum Vorjahr werden negative Gefühle gegenüber KI stärker, in der Studie werden sowohl Hoffnungslosigkeit als auch Wut jeweils um neun Prozent gegenüber dem Jahr davor genannt. Auch Begeisterung sinkt deutlich. Historisch ist diese Dynamik allerdings nicht neu: Jede technologische Welle hat in Teilen der Gesellschaft eine „Media Panic“ ausgelöst, vom Buchdruck im 15. Jahrhundert bis zur Verbreitung von Internet und Medien. Der Unterschied zur Gegenwart liegt darin, dass KI nicht nur Inhalte verbreitet oder Kommunikationswege verändert, sondern zunehmend in Arbeitsprozesse hineinreicht und damit direkt mit beruflicher Identität verknüpft wird.

Im Berufsalltag wird der Konflikt besonders sichtbar. Junge Menschen zählen laut den Ausführungen im Artikel häufiger zu den Early Adopters, die neue Technologien früh übernehmen und damit die Verbreitung in der Breite beschleunigen. Bei KI scheint jedoch die „zweite Reihe“ zu beginnen, obwohl die Geräte und Interfaces längst selbstverständlich sind. Beate Großegger, Generationen- und Jugendforscherin an der Universität Wien, führt das unter anderem auf die multiplen Krisen zurück, mit denen die Gen Z aufgewachsen ist. Konkret wird dabei auch die Klimaperspektive gestreift: KI-Suchanfragen verbrauchen Ressourcen, und die Gen Z ordnet das offenbar stärker in reale Bedrohungslagen ein als in reine Zukunftsdebatten.

Zusätzlich kommt ein ökonomischer Druck hinzu, der den Einsatz im Alltag moralisch und praktisch überlagert. Großegger beschreibt, dass sich die Gen Z am Anfang des Berufslebens befindet und in einen Arbeitsmarkt hineinwächst, der durch Rezession und schwache Konjunktur bereits zersetzt wirkt. Wenn Arbeitskräfte zunehmend durch KI-Tools ersetzt werden können, geraten Einstiegspfade unter Druck, und das trifft gerade die Phase, in der viele ohnehin auf Junior-Positionen angewiesen sind. Genau diese Sorge spiegeln auch die zitierten Erfahrungen: Lisa (23) berichtet von gestrichenen Junior-Stellen in ihrem Umfeld, während Großegger gleichzeitig bestätigt, dass Tätigkeiten, die früher von Assistentinnen übernommen wurden, heute längst durch KI-gestützte Routinen erledigt werden können.

May Habib, Geschäftsführerin des KI-Unternehmens Writer, bringt den Kern in einer zugespitzten Formel auf den Punkt: Die Gen Z sei nicht grundsätzlich „anti KI“, sondern gegen das ersetzt Werden. Das lässt sich als Marktmechanik lesen: KI wird zwar als Produktivitäts- und Automatisierungsversprechen eingeführt, aber die Risiko- und Kontrollseite wird von vielen als ungleich verteilt wahrgenommen. Großegger nennt als weiteren Faktor zudem die Unsicherheit, wie KI die Gesellschaft verändert. In diesem Alter wird Künstliche Intelligenz damit nicht nur zur Software, sondern zur potenziell fremdbestimmenden Schicht über Entscheidungen, ohne dass sich junge Menschen deren Regeln ausreichend aneignen oder steuern können.

Auch der Trotz wirkt nicht nur als Generationen-Mythos, sondern als Verhalten. Im Arbeitskontext nennen die Angaben eine konkrete Zahl: 44 Prozent der Gen Z würden KI-Initiativen der Vorgesetzten laut einer Studie von Writer absichtlich sabotieren, um die eigene Abschaffung nicht weiter anzufeuern. Daneben werden im Artikel organisierte Widerstandsbewegungen genannt, etwa Stop the AI Race in Kalifornien und Pause AI in Großbritannien. Gleichzeitig warnt der Text davor, die gesamte Kohorte als einheitlich zu betrachten: Es gibt sehr unterschiedliche Haltungen, und die Alphabet-Regel, also dass ein einzelner Buchstabe nicht die Einstellung aller abbilden kann, trifft hier besonders. Spürbar ist jedoch, dass ein Teil der Gen Z KI routinemäßig nutzt, während er die Konsequenzen parallel infrage stellt.

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Es reicht nicht, KI als Feature zu positionieren, wenn sie gleichzeitig den Eindruck verstärkt, sie entziehe Menschen Perspektiven. Gerade weil die Gen Z KI bereits einsetzt, entscheidet sich Akzeptanz nicht am Zugang, sondern an der Wirkung im Arbeits- und Lebensumfeld. Wer KI einführt, braucht deshalb nicht nur technische Qualitätsmerkmale, sondern auch nachvollziehbare Governance auf Produkt- und Prozessebene, etwa in Form transparenter Einsatzgrenzen, Trainingskonzepten und klarer Rollenbeschreibungen für Menschen im Zusammenspiel mit Modellen. Der konstruktive Hebel liegt in der Umsetzung: Künstliche Intelligenz kann helfen, Arbeitslast zu senken und neue Aufgaben zu ermöglichen, wenn sie als Ergänzung gedacht wird – nicht als Ersatz ohne Perspektive.


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