LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitslücken in LGs webOS lassen sich in einer Kette zu Root-Zugriff aus dem lokalen Netzwerk kombinieren. Betroffen sind laut Advisory mindestens bestimmte TV-Modelle mit webOS 7.5.7-25 und Firmware 04.54.40. Der Angriff soll ohne PIN und ohne Nutzerinteraktion funktionieren, indem ein Pairing-Dienst durch ein manipuliertes Manifest umgeht. LG hat bereits einen Fix bereitgestellt; für Geräte ohne Update gibt es keinen echten Workaround.

Angreifer im selben Heim- oder Büronetz können bei bestimmten LG-Smart-TVs offenbar ohne PIN und ohne aktives Zutun des Besitzers Root-Rechte erlangen. Grundlage ist eine zusammenhängende Angriffskette in LGs webOS, die drei Schwachstellen so orchestriert, dass ein lokaler Angreifer zuerst die Kopplungsroutine (Pairing) missbraucht und danach den weiteren Systemzugriff über interne Schnittstellen eskaliert. LG hat dazu laut einem veröffentlichten Sicherheitshinweis einen Fix bereitgestellt, sodass die wichtigste Maßnahme für Betreiber jetzt in der Aktualisierung der Firmware besteht. Ohne aktuelles Update wird die Lücke in der Quelle ausdrücklich als nicht mit einem sauberen Workaround kompensierbar beschrieben.
Technisch setzt die Kette bei einem Dienst an, den der Fernseher auf Port 3001 bereitstellt. Dieser Dienst ist Teil des Pairings zwischen TV und der LG ThinQ-App. Der Ablauf, wie er im Hinweis beschrieben und an zwei Geräten getestet wurde, beginnt damit, dass ein Angreifer ein Manifest aus einer im System vorhandenen Beispiel-Umgebung (sync-demo) abspielt. Entscheidend dabei ist: Dieses Manifest ist mit einem Test-Zertifikat signiert, dem die betreffende Firmware bereits vertraut. Zusätzlich enthält das Manifest eine Berechtigung, die den sonst üblichen PIN-Schritt beim Pairing überspringen lässt und anschließend einen privilegierten Schlüssel an den Angreifer übergibt.
Mit dem gewonnenen Schlüssel startet der Angreifer daraufhin eine zweite eingebaute App namens cmp-client und verknüpft sie mit einer vom Angreifer kontrollierten Zielseite. Die dort nachgeladene Logik prüft dem Bericht zufolge nicht, wohin sie weiter navigiert; dadurch bleibt ein interner Zugriffskanal aktiv, konkret PalmServiceBridge. Diese interne Bridge ist dafür vorgesehen, mit Systemdiensten des TVs zu kommunizieren. Über die Bridge kann der Angreifer dann den System-Logging-Dienst pmlogd ansprechen und dabei Shell-Kommandos über ein Eingabefeld einschleusen, das der Service nicht ausreichend validiert. Da pmlogd als root läuft, führt die Kommandoeinschleusung am Ende dazu, dass der eigentliche Schadcode mit Root-Rechten ausgeführt wird.
Die Quelle nennt als konkrete Testbasis zwei TV-Modelle, 32LQ636BPSA und 27TQ600SW, die webOS 7.5.7-25 auf Firmware 04.54.40 ausführen. Ob weitere Modellreihen oder andere Firmwarestände ebenfalls anfällig sind, bleibt dem Hinweis zufolge offen. Für die Praxis heißt das: IT-Verantwortliche in Haushalten und Unternehmen sollten die Firmware-Versionen nicht nur nach Modellnamen katalogisieren, sondern auch anhand der webOS- und Build-Nummern prüfen. Denn genau diese Kombination aus Dienst (Port 3001), erwarteter Signatur-/Trust-Logik und der fehlenden Eingabeprüfung beim Logging bestimmt, ob die Kette in der Realität zuverlässig funktioniert.
Der aktuelle Befund passt zudem in ein Muster, das die Sicherheitslandschaft bei Smart-TVs in den vergangenen Jahren geprägt hat: Lokale Angriffsflächen, die ursprünglich für Pairing, Diagnose oder Demo-Funktionen gedacht waren, sind häufig schlecht gegen unautorisierte Zugriffskontexte abgesichert. Der Hinweis verweist ausdrücklich auf frühere webOS-Schwachstellen, die ebenfalls eine nicht-authentifizierte Netzwerkzugriffsmöglichkeit eröffneten und unterschiedliche Komponenten betrafen; sie wurden bereits im Frühjahr 2024 gepatcht. Daneben wird eine weitere demonstrierte Kette auf einem Security-Event im Jahr 2025 erwähnt, bei der ein Pfad-Traversal-Fehler an einem anderen Port eine Rolle spielte. Zusammengenommen unterstreicht das: Nicht ein einzelner Fehler ist hier das Problem, sondern das Zusammenspiel mehrerer Teilbausteine, die in Summe einen vollständigen Kompromittierungsweg ergeben.
Für die Markt- und Betriebsseite ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Wer Smart-TVs segmentiert und Updates verzögert, vergrößert die Angriffsfläche. In Umgebungen wie Hotels, Konferenzräumen oder vernetzten Büros ist das besonders relevant, weil Geräte oft im gleichen VLAN wie andere Endpoints betrieben werden und weil proprietäre Pairing-Dienste typischerweise permanent erreichbar bleiben. Die in der Quelle genannte Abwesenheit eines Workarounds für Geräte, die das Update nicht zeitnah erhalten können, verschärft den Handlungsdruck. Sobald der Fix eingespielt ist, sollte außerdem überprüft werden, ob die Port-Exponierung oder die Pairing-Funktion im produktiven Betrieb weiterhin notwendig ist, denn das reduziert zwar nicht allein die Firmware-Schwachstelle, kann aber die Ausnutzungschancen im Alltag spürbar senken.
Offen bleibt zum Zeitpunkt des Hinweises vor allem die Reichweite: Es gibt noch keine CVE-Nummern, und es wird keine Ausnutzung in der wild gemeldet. Für Betreiber bedeutet das nicht, dass die Lücke harmlos ist; es bedeutet lediglich, dass die Lage noch nicht eindeutig als Massenkampagne dokumentiert ist. Sicherheitsverantwortliche sollten daher jetzt nach dem Update-Stand priorisieren und Geräte mit den genannten webOS- und Firmware-Builds besonders eng nachverfolgen. Für die Weiterentwicklung im Ökosystem ist der Fall außerdem ein Lehrstück dafür, wie riskant es ist, wenn Beispiel-Apps, Test-Zertifikate oder interne Brücken (wie PalmServiceBridge) in einer Kette mit fehlender Eingabevalidierung zusammenwirken – genau dieser Cocktail macht aus einer lokalen Schwachstelle schnell einen vollständigen Root-Zugriff.
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