LONDON (IT BOLTWISE) – UC-Berkeley-nahe Startups erzeugen laut einer Studie der Haas School of Business über 300 Mio. USD Wert in Alameda County. Im Stadtgebiet Berkeley sind es rund 200 Mio. USD, begleitet von mehr als 500 Jobs und durchschnittlichen Gehältern von 216.000 USD. Die Untersuchung nutzt mit IMPLAN ein datenbasiertes Modell, um Effekte von Gründerteams, Beschäftigung und Ausgaben im lokalen Umfeld nachzuzeichnen. Besonders stark wirkt dabei das Campus-Ökosystem aus Netzwerken, Acceleratoren und physischen Inkubatoren.

Über 300 Mio. USD regionaler Wert: So lautet die Kernaussage einer Studie des Institute of Business Innovation an der Haas School of Business, die im Auftrag des UC-Berkeley Innovation & Entrepreneurship Office sowie der Stadt Berkeley erstellt wurde. Im Zentrum stehen campus-affiliierte Startups, also Unternehmen, die in besonderer Weise über Forschung, Teams und Programme mit dem Campus verbunden sind. Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass diese Startups mehr als 300 Mio. USD in Alameda County an Wert schaffen, wobei der Effekt in Berkeley selbst besonders ausgeprägt ist: Dort entfallen laut Bericht rund 200 Mio. USD auf die Stadt.
Damit verbunden ist eine zweite, für Entscheidungsträger wichtige Dimension: Beschäftigung. Für Berkeley nennt die Studie mehr als 500 Jobs, die durch die Startups unterstützt werden, und dabei durchschnittliche Gehälter von 216.000 USD. Für die lokale Wirtschaft ist das nicht nur eine Zahl auf dem Papier, sondern beeinflusst den Arbeitsmarkt und auch die Nachfrage nach Dienstleistungen. Der Bericht beschreibt genau diesen Mechanismus: Eine Startup-Präsenz wirkt positiv auf lokale Unternehmen, stabilisiert damit Teile der Wertschöpfungskette und generiert fortlaufende Einnahmen durch Mitarbeiterausgaben.
Technisch betrachtet basiert die Wirkungsermittlung auf einem zweistufigen Ansatz aus Gesprächen und Modellierung. Die Forscher haben laut Studie mit Startups gesprochen und anschließend eine quantitative Analyse mit IMPLAN durchgeführt, einer Datenmodellierungssoftware, die wirtschaftliche Effekte simuliert. IMPLAN wird typischerweise genutzt, um direkte, indirekte und induzierte Effekte in einer Region abzubilden; in diesem Kontext geht es also um die Frage, wie viele Wertschöpfung und Beschäftigung in der Stadt entstehen, wenn Gründerteams im Umfeld des Campus agieren. Der Bericht rahmt zudem einen strukturellen Anreiz ein: Viele Gründer würden entweder in Berkeley bleiben, dorthin ziehen oder bewusst weggehen – und genau diese Entscheidungsmotive werden im Studiendesign als Teil des wirtschaftlichen Einflusses berücksichtigt.
Besonders aufschlussreich ist dabei die Beobachtung, dass die Campus-Anbindung nicht wie ein isolierter Standortfaktor wirkt, sondern als Multiplikator. In dem Bericht wird Asha Gupta als Mitautorin zitiert mit dem Fokus darauf, wie Eigenschaften von Berkeley Gründer dazu motivieren, ihre Pläne am Ort zu realisieren. Aus der Studie geht außerdem hervor, dass Gründer in der Campus-Nähe Vorteile sehen: Dazu zählt ein großes Netzwerk aus Forschenden und Studentinnen bzw. Studenten, das als Talent- und Kooperationspool funktioniert. Gleichzeitig beschreibt der Bericht, dass bestehende Startups durch die Kultur eines entrepreneurial campus in Richtung Berkeley gezogen werden. Damit erklärt sich auch, warum ein lokales Startup-Ökosystem nicht nur neue Firmen hervorbringt, sondern bestehende Unternehmungen räumlich bündelt.
Dass UC Berkeley in diesem Zusammenhang als besonders erfolgreich gilt, wird im Bericht mit einer aktuellen Rangliste untermauert: UC Berkeley werde laut PitchBook bei venture-backed Startups weltweit auf Platz 1 geführt. Der Bericht ordnet diese Position vor allem dem Ausbau campus-facilitated startup accelerators zu, die es Studierenden ermöglichen, Entrepreneurship auszuprobieren, ohne den Status als Vollzeitstudierende aufzugeben. Diese Programme werden als „I&E ecosystem“ beschrieben und umfassen unterschiedliche Initiativen, die Gründerinnen und Gründer mit Ressourcen unterstützen – von Finanzierung und Training bis zu physischer Infrastruktur. Genau diese Infrastruktur wird im Bericht auch konkret: Bakar Bio Labs fungiert als Inkubator mit Raum für Life-Science-Startups und stellt damit eine Voraussetzung bereit, die viele andere Ökosysteme eher nur abstrakt versprechen.
Die Zahlen zu Bakar Labs geben dem Infrastruktur-Argument eine messbare Form. Für das fiskalische Jahr 2024-25 nennt die Studie 304 Praktika oder Jobs, die Unternehmen in Bakar Labs platziert haben. Solche Platzierungen sind mehr als eine Personalkennzahl: Sie verbinden früh Qualifizierungsphasen mit realen Projektumgebungen und beschleunigen damit den Weg vom Prototyp zur Skalierung. Als weitere Komponente hebt der Bericht das Bakar Fellows Program hervor, das von Darren Cooke, Chief Innovation & Entrepreneurship Officer, adressiert wird. In seiner Darstellung geht es darum, wie Fakultätsmitglieder durch Fellows-Programme grundlegende Entdeckungen in Richtung Kommerzialisierung bringen – also die Lücke zwischen Forschungsergebnis und marktfähiger Umsetzung schließen. Interessant ist dabei die strategische Konsequenz: Das Ökosystem soll nicht nur Unternehmen unterstützen, die „schon“ gegründet werden, sondern auch die Pipeline von Ideen in marktfähige Strukturen stärken.
Für die nächsten Schritte nennt der Bericht einen konkreten Ausbaupfad. Cooke spricht von Plänen, die physischen Kapazitäten im UC Berkeley Innovation Zone zu erweitern; ein neues Gebäude soll 2028 eröffnen. Dieses Projekt soll Platz für das Innovative Genomics Institute schaffen, das von Nobelpreisträgerin und Professorin Jennifer Doudna gegründet wurde, außerdem für Bakar Labs. Aus Unternehmenssicht ist das relevant, weil Skalierung im Life-Science-Umfeld häufig an Räumen, Laborsetups, organisatorischen Schnittstellen und an einer nachhaltigen Talentverfügbarkeit hängt. Sobald diese Bausteine gleichzeitig wachsen, können Startups schneller iterieren und den Übergang von Proof-of-Concept zu belastbaren Produkten beschleunigen – bei parallel steigender Attraktivität für Studierende und Fakultät, wie der Bericht ebenfalls betont.
Unterm Strich liefert die Studie damit ein kombiniertes Bild aus Wirtschaftseffekten, Beschäftigungskennzahlen und der Rolle von Campus-integrierter Infrastruktur. Der Ansatz mit IMPLAN macht sichtbar, wie lokale Ausgaben- und Beschäftigungseffekte in einer Region zirkulieren, während die Beispiele aus dem „I&E ecosystem“ erklären, warum diese Zirkulation in Berkeley offenbar besonders stark funktioniert. Für andere Hochschulstandorte bedeutet das nicht, dass jede Region einfach „ähnliche Programme“ kopieren kann, aber es zeigt die Richtung: Netzwerke, Accelerator-Logik und physische Inkubation wirken als zusammenhängendes System. Wenn der Ausbau bis 2028 greift, dürfte die nächste Studie genau prüfen, ob sich die beobachteten Effekte wiederholen oder sogar verstärken lassen – und ob neue Labor- und Institutsflächen die Startups erneut in Richtung lokaler Wertschöpfung lenken.
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