REIT IM WINKL / LONDON (IT BOLTWISE) – Auf dem Fachkongress „WohWi im Dialog“ fordert der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen eine Kombination aus Förderkontinuität und besseren Marktbedingungen. Bauminister Christian Bernreiter stellte die neue Wohnraumförderung vor, während die Unternehmen vor allem Planungssicherheit für die nächsten Jahre einfordern. Im Fokus standen außerdem reduzierte technische Anforderungen, vereinfachte Bauordnungsregeln und 19 Pilotprojekte für „Gebäudetyp-e“. Der Verband verweist dabei klar auf die Rolle des Bundes, um Rechtssicherheit für die breite Anwendung zu schaffen.

Dass der Wohnungsbau in Bayern wieder Fahrt aufnehmen muss, stand beim dreitägigen Fachkongress „WohWi im Dialog“ des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) in Reit im Winkl nicht als abstraktes Ziel im Raum. Die Botschaft aus der Branche war messbar praktisch: Wenn in den nächsten Jahren Wohnraum in größerem Umfang entstehen soll, müssen Baukosten sinken, Regeln effizienter werden und Förderprogramme so verlässlich laufen, dass Unternehmen Projekte nicht nur anschieben, sondern auch langfristig durchplanen können. Genau in dieses Spannungsfeld fällt auch die Vorstellung der neuen Wohnraumförderung durch Bauminister Christian Bernreiter, die laut Kongressprogrammatik auf eine Verstetigung der Finanzierung und eine neue Logik bei der Ausgestaltung setzt.
Technisch und organisatorisch hat Bayern dabei bereits die eigenen Stellschrauben sichtbar angezogen. Laut Darstellung des VdW Bayern wurden in der Wohnraumförderung technische Anforderungen reduziert und das Bauordnungsrecht vereinfacht. Ein konkreter Ansatz sind 19 Pilotprojekte zum Gebäudetyp-e, die als Lernfelder für „einfaches Bauen“ gedacht sind. Entscheidend ist dabei weniger der Pilotstatus an sich, sondern die Resultate, die der Verband bei einzelnen Vorhaben benennt: In einzelnen Fällen habe sich die Reduzierung der Bauwerkskosten auf über 15 Prozent belaufen. Gleichzeitig machte Verbandsdirektor Hans Maier klar, wo aus seiner Sicht die Bremse liegt: Ohne einen rechtssicheren bundesweiten Rahmen bleiben vereinfachte Baustandards in der Breite riskant.
Diese Lücke ist auch deshalb strategisch relevant, weil die Wohnungswirtschaft anders als viele andere Bauakteure in mehrjährigen Planungsketten arbeitet. Grundstückskäufe, Genehmigungswege, Vorplanung und Umsetzung greifen zeitlich ineinander, und die Finanzierung hängt stark davon ab, ob die zugrunde liegenden Regeln in der gesamten Projektlaufzeit Bestand haben. Der VdW Bayern argumentiert deshalb, dass der Freistaat bereits Schritte unternommen habe, der Bund aber für Rechtssicherheit sorgen müsse. Hans Maier formulierte sinngemäß den Anspruch, dass ein rechtssicherer Rahmen geschaffen und auf überflüssige Standards verzichtet werden sollte – unabhängig davon, wie die jeweilige Bauweise im Detail bezeichnet wird. Für Unternehmen bedeutet das: Nicht nur die Förderkulisse, auch die „Spielregeln“ müssen stabil sein, sonst verschieben sich Entscheidungen in die Zukunft.
Parallel zur technischen Vereinfachung bleibt die Förderung das tragende Element, zumindest in der sozial orientierten Wohnungswirtschaft. Der Freistaat Bayern stellt für die Jahre 2026 und 2027 Rekordmittel bereit und strukturiert das Fördersystem ab 2027 neu. Der Verband begrüßt diese Investitionen, knüpft aber eine klare Bedingung an: Unternehmen benötigen langfristige Planungssicherheit. Das ist im Kern ein Risikothema, denn Förderhöhe und Fördermechanik beeinflussen die Wirtschaftlichkeit von Projekten direkt – etwa über Annahmen zu Finanzierungskosten, Tilgungsraten oder Investitionsspannen. Gleichzeitig soll die Neustrukturierung nicht nur Geld bereitstellen, sondern auch dazu beitragen, dass Förderlogiken mit Marktmechanismen zusammenspielen.
Genau dort setzt die Argumentation von Hans Maier an: Ziel sei die Kombination aus Förderung und verbesserten Marktbedingungen. In der Darstellung des VdW Bayern soll dies über mehrere Hebel funktionieren – steuerliche Anreize, die privates Kapital mobilisieren, niedrigere Standards, die die Baukosten drücken, sowie verlässliche Förderroutinen, die den dauerhaften Bau bezahlbaren Wohnraums ermöglichen. Interessant ist, dass der Verband dabei nicht in eine reine „Staatsersatz“-Debatte abgleitet, sondern den Beitrag des Marktes betont: Der Staat könne den Wohnungsmarkt nicht ersetzen, müsse aber die Voraussetzungen schaffen. Aus Unternehmenssicht ist das eine Einladung, Förderprogramme so zu designen, dass sie nicht nur kurzfristig Bauaktivität auslösen, sondern auch die Finanzierungskette abbilden.
Der Kongress „WohWi im Dialog“, der seit 60 Jahren in Reit im Winkl stattfindet, bringt dazu unterschiedliche Perspektiven zusammen. Laut Veranstalter nahmen über 500 Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Politik und Verwaltung teil, was vor allem zwei Erkenntnisse begünstigt. Erstens wird sichtbar, dass Wohnungsbaupolitik längst aus mehreren Ebenen besteht: technische Regeln, Fördermechanik, Genehmigungspraxis und Finanzierung. Zweitens zeigt sich, dass der Fortschritt nur dort nachhaltig ist, wo Ländermaßnahmen in bundesweite Rechtssicherheit überführt werden. Für die nächsten Schritte heißt das: Bayern kann Pilotprojekte und vereinfachte Standards vorantreiben, der Bund muss aber die Skalierung ermöglichen, damit die Effekte wie die genannten >15 Prozent Baukostensenkung nicht auf Einzelfälle beschränkt bleiben.
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