LONDON (IT BOLTWISE) – XRP bleibt nach dem Kursrutsch um 1,07 US-Dollar in einer engen Range gefangen. Laut CoinGlass liegt das Open Interest bei rund 2,25 Milliarden US-Dollar, während sich die Positionierung über Derivate sichtbar zurückfährt. Trotz Meldungen über vier aufeinanderfolgende ETF-Zuflüsse bleibt der Sprung über 1,10 vorerst aus. Entscheidend ist nun, ob XRP die Zone um 1,05 bis 1,06 stabil hält oder darunter Richtung 1,00 rutscht.

XRP testet derzeit die psychologisch wichtige Zone um 1,05 bis 1,06 US-Dollar, ohne dass sich schon ein klarer Wendepunkt im Kursverlauf abzeichnet. Am 5. August 2026 notierte der Token nahe 1,07 US-Dollar, während Käufer den Kurs offenbar nicht nachhaltig aus dem unteren Range-Bereich herausziehen konnten. Diese Struktur wirkt weniger wie eine typische Liquidationskatastrophe, sondern eher wie eine Marktphase mit gedämpfter Überzeugung: Der Preis rutscht zwar weiter, aber die Signale aus Momentum, Spot-Flows und Derivaten liefern noch keinen Hinweis auf eine bereits bestätigte Erholung.
Technisch betrachtet bleibt das kurzfristige Bild deshalb fragil. Auf Basis der beschriebenen XRP/USDT-Tagesstruktur zeigt sich ein breiter Abwärtstrend von zuvor über 2,50 US-Dollar bis in den Bereich um 1,0676; in den jüngsten Kerzen formt sich nahe dem unteren Ende eine eher enge Konsolidierung. Der Relative-Strength-Index lag bei 43,71 und damit unter dem neutralen Niveau von 50 – zugleich aber nicht in einem extrem überverkauften Bereich. Auch der MACD bleibt leicht bärisch: Die MACD-Linie liegt bei etwa -0,0110 unter der Signal-Linie um rund -0,0101, das Histogramm ist mit ungefähr -0,0009 ebenfalls minimal negativ. Das spricht für schwachen Abwärtsdruck, jedoch eher gegen einen ruckartigen Beschleuniger nach unten.
Wichtig ist dabei das konkrete Chart-Muster um die genannten Marken. Ein täglicher Schlusskurs unter 1,05 würde die Tür Richtung 1,00 aufstoßen; dort wird zudem auf Tiefs aus Ende Juni und den Bereich um 1,01 verwiesen. Umgekehrt gilt 1,10 als erste Recovery-Barriere: Erst wenn XRP darüber stabil zurückkehrt, wäre ein erstes Signal, dass Käufer wieder die Kontrolle gewinnen. Darüber hinaus müsste der Kurs noch die Zone 1,13 bis 1,15 überwinden, die seit Juni mehrfach als Hürde fungierte. In diesem Kontext zeigt sich auch, warum einzelne Social-Media-Ziele wie „23“ oder „50+“ aus Sicht der beschriebenen Indikatoren schwer einzuordnen sind: Sie liegen weit entfernt vom aktuellen Momentum und werden im vorliegenden Setup nicht durch eine etablierte Ausbruchstruktur gestützt.
Bei den Derivaten fällt vor allem die abnehmende Hebelwirkung auf. CoinGlass meldete Futures-Volumen in der Größenordnung von 1,35 Milliarden US-Dollar und ein Open Interest von insgesamt rund 2,25 Milliarden US-Dollar, während gleichzeitig berichtet wurde, dass Volumen um 10,27 % und Open Interest um 5,59 % gegenüber dem Vortag zurückgingen. In solchen Konstellationen bedeutet fallendes Open Interest häufig, dass Marktteilnehmer bestehende Positionen schließen, statt aggressive neue Wetten aufzubauen. Das kann die Wahrscheinlichkeit großer, liquidationsgetriebener Abwärtsbewegungen senken, ersetzt aber nicht die Voraussetzung für einen Kursanstieg: Spot-Nachfrage und bestätigende Preisstruktur müssen parallel wieder anziehen.
Auch die Liquidations- und Funding-Signale stützen diese Einordnung als „Positioning-Reset“ statt als erzwungene Kapitulation. Laut den beschriebenen CryptoQuant-Ergebnissen waren Liquidationen zuletzt im Gleichgewicht, das Funding blieb nahe neutral (etwa zwischen -0,009 und +0,010). Parallel dazu wird auf eine Open-Interest-Komponente verwiesen, die in einen sechsmonatigen Tiefbereich zwischen 362 Millionen und 369 Millionen US-Dollar gefallen ist; zugleich sank die geschätzte Leverage-Relation Richtung 0,139 bis 0,142. Zusätzlich deutet eine beobachtete Kompression der Netzwerkbewertung stärker als die Transaktionsaktivität auf einen Markt hin, der seine Bewertung anpasst, während die Ledger-Nutzung nicht im gleichen Maß einbricht. Der für Anleger wichtige Punkt: Das kann Risiko kurzfristig dämpfen, liefert aber allein noch keine verlässliche Timing-Information für einen Reversal.
Der Blick auf institutionelle Nachfrage zeigt ebenfalls ein differenziertes Bild. Für die USA werden fortlaufende Zuflüsse zu Spot-XRP-Exchange-Traded-Funds genannt: vier aufeinanderfolgende Inflows mit insgesamt rund 15,4 Millionen US-Dollar, obwohl XRP in dieser Zeit nahe 1,08 US-Dollar verharrte. Daraus folgt nicht, dass ETF-Nachfrage wertlos wäre, sondern dass sie im Moment offenbar gegen andere Marktkräfte anläuft – etwa Token-Verkäufe, Hedging-Aktivitäten über Derivate oder schwächere Off-Exchange-Nachfrage. Genau diese Konkurrenz um den Tokenpreis ist für das Verständnis zentral: Selbst wenn regulierte Produkte Kapital anziehen, muss dieses Kapital in Summe groß genug sein, um den breiteren Trend gegen die übrigen Flüsse durchzusetzen.
Rechtlich und strategisch bleiben parallel mehrere Entwicklungen relevant, die eher den Rahmen beeinflussen als das unmittelbare Kursmuster zu erklären. Im Ripple-SEC-Kontext wurden die Berufungen 2025 von beiden Seiten zurückgezogen; das erstinstanzliche Endurteil blieb damit in Kraft, einschließlich einer genannten Strafe in Höhe von 125,04 Millionen US-Dollar und einer Verfügung zu künftigen Registrierungsverstößen. Zusätzlich wird auf das weitere Gesetzgebungsumfeld in den USA verwiesen: Der CLARITY Act ist im Senat zwar auf der Agenda, eine abschließende Entscheidung ist jedoch noch nicht bestätigt. Auf der Produktseite kündigte Ripple zudem strategische Investitionen in ZILO und Licuido an, um Komponenten für Transfer Agency, Token-Issuance, Handel und Collateral-Tools im institutionellen Umfeld auf dem XRP Ledger zu stärken; konkrete Investitionssummen wurden dabei nicht genannt. Unmittelbar für die Kursrichtung bleibt damit voraussichtlich vor allem der Markt selbst ausschlaggebend – das zentrale Signal ist, ob XRP die Zone um 1,05 bis 1,06 verteidigt, 1,10 zurückerobert und darüber mit steigenden Umsätzen bestätigt, während das Open Interest bei stabilen Kursniveaus nicht weiter neue Tiefs ansteuert.
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