LONDON (IT BOLTWISE) – Rund 540 Millionen US-Dollar XRP sind laut Marktbeobachtung in einem Tag von Binance abgeflossen. Gleichzeitig rutschte der Kurs in 24 Stunden um 7,66 % auf 1,21 US-Dollar ab. Spot-ETF-Daten zeigen über mehrere Sitzungen hinweg keine Netto-Zuflüsse. Entscheidend bleibt nun, ob XRP die Fibonacci-Unterstützung bei 1,21 US-Dollar verteidigt und danach ein höheres Tief bildet.

Der jüngste Rückschlag bei XRP wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Während innerhalb eines Tages etwa 540 Millionen US-Dollar an XRP von Binance abgezogen wurden, gab der Kurs im gleichen 24-Stunden-Zeitraum um 7,66 % nach und notierte zuletzt bei 1,21 US-Dollar. Solche Konstellationen sind im Kryptomarkt nicht ungewöhnlich, weil Abflüsse von einer Börse nicht automatisch in unmittelbare Kauforders am Markt übersetzen. Entscheidend ist vielmehr, ob sich das „verfügbare Angebot“ auf den Handelsplätzen wirklich verringert und ob gleichzeitig neue Nachfrage entsteht.
Die Größenordnung des Abflusses sticht dabei besonders heraus: Am 4. November sollen 418,5 Millionen XRP Binance verlassen haben, was nach Angaben des Analysten Darkfost der größte Abflusstageswert innerhalb von neun Monaten gewesen sein soll. Verglichen wurde das mit 315 Millionen XRP, die am 29. Oktober abgezogen worden waren – jenem Tag, der in der Quelle mit dem Ereignis rund um den Binance-Hack verknüpft wird. Auffällig ist außerdem die zeitliche Nähe zu technischen Marken: Laut Darstellung folgten die Abflüsse unmittelbar nachdem XRP wieder über 1,30 US-Dollar zurückkam, außerdem eine weitere Bodenbildung im Umfeld der US-Midterm-Wahlen.
Was bedeutet das technisch für die Marktmechanik? Wenn Coins aus einer Exchange abfließen, sinkt häufig die kurzfristige Liquidität, also die Menge an XRP, die „bereit zum Verkauf“ an der jeweiligen Handelsplattform ist. Darkfost stellt jedoch auch klar, dass selbst große Abflüsse keine Rally garantieren: Ein Teil der Bewegung kann interne Transfers zwischen Plattformkonten widerspiegeln. Genau hier wird der zweite Prüfstein relevant: Nicht nur „Angebot verschiebt sich“, sondern „Kauftätigkeit setzt ein“ muss sich in den Flows abbilden. Bei XRP kommt dafür insbesondere die institutionellere Sicht über die US-Spot-ETFs ins Spiel.
Bei den ETF-Daten bleibt das Bild allerdings zunächst ruhig. Laut den genannten Marktdaten verzeichneten US-Spot-XRP-ETFs am 3., 4. und 5. November jeweils einen Netto-Flow von 0. Das bedeutet: Während auf der Börsenseite Abflüsse sichtbar waren, kamen aus ETF-Sicht keine zusätzlichen Mittel im großen Stil nach. Schon der Blick auf den Monat zuvor liefert eine zusätzliche Dimension: Im Oktober seien nur 18,8 Millionen US-Dollar netto in die Fonds geflossen, gegenüber 121,4 Millionen US-Dollar im September. Damit handelt es sich nach der Quelle um den niedrigsten monatlichen Netto-Gesamtwert seit März, als es bereits zu Netto-Abflüssen gekommen war.
Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus der Kursanalyse auf die Frage, ob XRP die aktuelle Unterstützungszone halten kann. Mehrere Marktbeobachter verweisen auf 1,21 US-Dollar als 61,8%-Fibonacci-Retracement-Level, das zuvor als Rückprallmarke fungiert hatte. Der Kurs stieg zwar zeitweise in Richtung eines Widerstands nahe 1,34 US-Dollar, durchbrach diese Zone jedoch nicht. Stattdessen fiel XRP erneut zurück auf 1,21 US-Dollar – und damit wird genau dieses zuvor verteidigte Niveau erneut zum Prüfstein.
Der nächste Schritt liegt aus Sicht des Analysten Darkfost in einer klaren Sequenz: XRP müsse ein höheres Tief ausbilden und anschließend die 1,34-US-Dollar-Marke überwinden, um das Chartbild als Boden zu bestätigen. Gleichzeitig deutet die Quelle darauf hin, dass der letzte Bounce an „Momentum“ verloren habe. Unterhalb von 1,21 US-Dollar markiert die Analyse weitere Strukturpunkte: Als nächster relevanter Bereich wird das 78,6%-Retracement nahe 1,11 US-Dollar genannt. In den kommenden Tagen soll sich demnach zeigen, ob die Binance-Abflüsse eher ein isolierter Spike waren oder ob sie den Rückgang fortsetzen.
Für Marktteilnehmer bedeutet das vor allem: Die Narrativ-Frage „Abflüsse erhöhen den Kurs“ greift hier offensichtlich noch nicht. Entscheidend wird sein, ob aus ETF-Sicht wieder Netto-Zuflüsse einsetzen, denn genau diese Nachfragekomponente würde das Setup ergänzen, das aktuell offenbar fehlt. Bis dahin bleibt 1,21 US-Dollar eine Zone, an der sich sowohl kurzfristiges Händlerverhalten als auch die Signalwirkung für spätere Käufe verdichten. Wer XRP handelt oder in Krypto-ETFs investiert, sollte deshalb nicht nur auf Börsenflows schauen, sondern die Kombination aus Exchange-Liquidität und institutionellen ETF-Impulsen eng zusammen lesen.
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