LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple positioniert den XRP Ledger weiter als schnelle Abwicklungsstrecke für internationale Bankzahlungen. Gleichzeitig rückt der US-Dollar-gebundene Ripple USD (RLUSD) in den Fokus, weil er praktisch keine Volatilität mit sich bringt. Der Markt, so die Argumentation im Bericht, könnte dadurch die Rolle von XRP als Brückenwert weiter reduzieren. In 12 Monaten wird ein Kurs unter 1 USD als mögliches Szenario beschrieben.

Ripple bewirbt den XRP Ledger seit Jahren als Infrastrukturschicht für grenzüberschreitende Zahlungen: Banken sollen damit schneller und günstiger über verschiedene Währungsräume hinweg transferieren können. Der Kern der Idee ist eine direkte „Brücken“-Nutzung, bei der ein US-amerikanisches Institut U.S.-Dollar in XRP umwandelt, den Transfer über das Ledger abwickelt und der Empfänger die Position bei Erhalt wieder in Euro konvertiert. Laut der vorliegenden Darstellung können dabei sehr niedrige Transaktionskosten anfallen, und die Abwicklung soll nahezu in Echtzeit erfolgen.
Technisch knüpft das an die Funktionsweise des XRP Ledgers an, die für Pay-Workflow-typische Anforderungen wie kurze Laufzeiten und planbare Gebühren ausgelegt sein soll. Im Bericht wird zudem auf einen Upgrade-Zyklus eingegangen: Bereits im Juni habe Ripple Bugs behoben und den Speicherverbrauch reduziert. Das zielt in der Praxis auf schnellere Verarbeitung und effizientere Ressourcennutzung ab, auch wenn daraus nicht automatisch ein Kursimpuls für XRP folgt. Damit verschiebt sich die Diskussion von „Kann das Netzwerk besser werden?“ zu „Verändert eine bessere Netzinfrastruktur auch die Marktnachfrage nach dem Token?“
Genau hier setzt der Argumentationsstrang mit der Markt- und Systemlogik der traditionellen Zahlungswege an: Das globale Finanzsystem gilt als stark fragmentiert, weil nicht alle Banken direkte Gegenbeziehungen haben. In der Folge müssen Institute häufig auf Korrespondenzbanken zurückgreifen, was Kosten erhöht und Settlement-Prozesse verlangsamt. Als Gegenmodell wird Ripple als direkter Kommunikationskanal zwischen Banken beschrieben, der Zahlungen innerhalb weniger Sekunden über das Ledger abwickeln kann. Allerdings wird betont, dass XRP nicht mehr zwangsläufig „zentral“ im Zahlungsfluss bleiben muss.
Im Spätherbst 2024 hat Ripple nach den Angaben außerdem einen US-Dollar-denominierten Stablecoin eingeführt: Ripple USD (RLUSD). Der entscheidende Punkt für Banken ist aus Sicht des Berichts die praktisch fehlende Volatilität. Wenn Banken RLUSD länger halten müssen, besteht demnach weniger Risiko, dass sich der Wert zwischenzeitlich stark bewegt. Zusätzlich wird darauf verwiesen, dass in vielen Ländern in Asien, Europa und den Amerikas bereits regulatorische Rahmenbedingungen für Stablecoins existieren – ein Faktor, der für Institute in der Risikoprüfung typischerweise stärker wiegt als reine technische Machbarkeit. Dass RLUSD auf dem XRP Ledger läuft, bleibt dabei relevant: Transaktionsgebühren müssen weiterhin in XRP gezahlt werden, wodurch eine „organische“ Nachfrage nach XRP nicht vollständig verschwindet.
Dennoch leitet der Bericht daraus ab, dass XRP als Brücken-Asset mittelfristig an Bedeutung verlieren könnte, weil Stablecoins einen größeren Anteil an Zahlungsvolumen übernehmen könnten. Denn während XRP als Token Kursschwankungen ausgesetzt ist, dienen Stablecoins vor allem der Werterhaltung über den Zeitraum zwischen Umwandlung, Transfer und Finalisierung. Der Text stellt außerdem heraus, dass XRP ursprünglich nicht als Anlageinstrument konzipiert gewesen sei und dass Bridge-Currency-Mechanismen oft keinen systematischen Wertzuwachs erzeugen: Für jede Kaufseite gibt es im idealisierten Modell eine Gegenverkaufsseite am Zielende. Damit werden spekulative Preistreiber als fragiler Motor beschrieben, der bei ausbleibenden schnellen Renditen Käufer nicht langfristig bindet.
Für die Kursprognose wird der Blick auf frühere Zyklen gelegt: XRP sei bereits in der Vergangenheit stark gestiegen und anschließend deutlich gefallen, wobei das Berichtsszenario eine erneute Abwärtsphase plausibel macht. Konkret wird genannt, dass XRP im Vergleich zum vorjährigen Rekordniveau um 64% nachgegeben habe (Stand: 26. Oktober) und dass der Kurs in einem ähnlichen Verlauf auf etwa 0,18 USD fallen könnte. Die Prognose vermeidet allerdings die strikte Gleichsetzung, weil davon ausgegangen wird, dass die „organische“ Nachfrage für XRP als Gebührenkomponente weiterhin höher sein könnte als im Jahr 2018 – auch wenn die Upside-Bewegung durch die Verschiebung hin zu RLUSD gedeckelt werden könnte.
Für Unternehmen und Entwickler in der Zahlungs- und Krypto-Infrastruktur ergibt sich daraus vor allem eine Architekturfrage: Geht es primär um die Token-Story, oder um die Ausführungsqualität der Zahlungspipeline? Wenn Stablecoins die beabsichtigte Werterhaltung besser abdecken, dann wird XRP stärker zur Betriebsgröße für Transaktionskosten statt zur zentralen Währung im Settlement-Prozess. Gleichzeitig zeigt der Bericht, wie eng Token-Ökonomie, Gebührenmechanik und regulatorische Akzeptanz miteinander verknüpft sind. Selbst wenn XRP weiterhin Gebührenbedarf erzeugt, hängt die weitere Kursentwicklung damit zunehmend an der Frage, wie viel Volumen tatsächlich in den „Bridge“-Teil fällt – und wie schnell Banken die risikoärmeren Alternativen in ihren Workflows verankern.
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