SAN SEBASTIAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Zinemaldia Startup Challenge bringt dieses Jahr 10 Startups aus Spanien und ganz Europa nach San Sebastián. Die Auswahl deckt Themen ab, die für die AV-Industrie derzeit zentral sind: KI-gestützte Fehleranalyse, virtuelle Produktionsumgebungen und Remote-Location-Scouting. Für die Teilnehmer geht es am 24. September bei Zinemaldia & Technology in die Pitch-Runde. Zusätzlich wird ein Preis für unternehmerische Werte vergeben, während ein Wettbewerbsteilnehmerteam bereits an der Schnittstelle zu Compliance und neuen Märkten gearbeitet hat.

Die Zinemaldia Startup Challenge ist in den vergangenen Jahren zu einem saisonalen Stimmungsmesser für die Film- und Medienbranche geworden. In diesem Jahr findet das Event in San Sebastián statt, und die Veranstalter stellen eine Auswahl von 10 Projekten ins Rampenlicht, die von Spanien bis nach Finnland und Belgien reichen. Auffällig ist dabei nicht nur die thematische Bandbreite, sondern auch die Breite der eingereichten Ideen: Berichten zufolge kamen in diesem Jahr 68 Einreichungen zusammen, damit erreicht der Wettbewerb sein bisher größtes Starterfeld seit dem Start 2019.
Technisch betrachtet liegt der Schwerpunkt auf Werkzeugen, die sich direkt in bestehende Produktionsabläufe einklinken lassen. Das reicht von KI-gestützter Bild- und Raumrekonstruktion bis hin zu Echtzeit-Workflows für virtuelle Umgebungen. Dymensium aus Spanien setzt etwa auf 4D Gaussian Splatting, um hochauflösende digitale Doubletten und immersive Umfelder zu erzeugen. Damit zielt das Team auf einen Effekt, den viele Studios derzeit suchen: fotorealistische Darstellung ohne den zeitlichen Overhead klassischer, stärker manuell geprägter Assets. Volum entwickelt parallel Systeme für Volumetric Capture und Telepräsenz in Echtzeit, während HAMO auf interaktive digitale Charaktere fokussiert und intoreality.tv einen Player kombiniert, der „herkömmliche“ Videoquellen mit VR180- und VR360-Feeds zusammenführt.
Neben der Erstellung neuer visueller Inhalte rückt in der Auswahl auch die Stabilität im laufenden Betrieb stärker in den Vordergrund. Pixentinel etwa nutzt KI, um Ausfälle und Störungen bei Live-Streaming-Prozessen zu erkennen und gezielt zu beheben. Gerade bei Webcasts und hybriden Veranstaltungen ist das ein handfestes Problem: Wenn Latenzen steigen oder Streams instabil werden, werden Ursachen meist erst spät sichtbar. Ein weiteres Signal ist der Fokus auf operative Steuerung in der Produktion: Graphrs aus Deutschland beschreibt sein Angebot als Produktions-„Betriebssystem“, das Planung, Personal und Ausrüstung zusammenführt. Das ist weniger ein einzelnes Modell als vielmehr ein Orchestrierungsansatz, der Produktionsprozesse vereinheitlichen will, sodass Teams nicht in mehreren Tools parallel arbeiten müssen.
Auch das Thema Standortarbeit erfährt einen technologischen Schub. SuperScout (UK) adressiert Location Management, während Virtual Location Scouting aus Finnland Teams ermöglicht, Drehorte remote zu bewerten. So lässt sich ein Teil der frühen Abstimmungs- und Prüfphase digitalisieren, etwa wenn Genehmigungen, Logistik oder Zeitfenster knapp sind. Daneben zeigt THELMA aus Finnland, dass „Immersion“ nicht nur durch Darstellung, sondern auch durch Rechteabsicherung gedacht wird: Das Projekt erkennt nicht autorisierte Nutzungen von Bild-, Sprach- und Ähnlichkeitsrechten öffentlicher Personen. Für Produktionshäuser bedeutet das: weniger manuelle Nacharbeit nach der Veröffentlichung, dafür früher ein Sicherheitsnetz, das Inhalte besser klassifizieren und kontrollieren kann.
Mit TheGreenShot (Belgien) kommt zusätzlich ein Nachhaltigkeitsbaustein in die Pitch-Runde. Das Projekt setzt auf eine Plattform, die Umweltauswirkungen von Produktionen misst und berichtet. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeitsberichte und interne ESG-Ziele in vielen Unternehmen konkrete Messgrößen verlangen, kann ein solcher Ansatz helfen, die Datenbasis zu strukturieren und die Begründung von Maßnahmen nachvollziehbar zu machen. Gerade im AV-Umfeld sind die Einflussfaktoren vielfältig, von Transportwegen bis zur Energieaufnahme von Set- und Postproduktion – und eine konsistente Erfassung entscheidet darüber, ob Nachhaltigkeit als „gefühlte“ Praxis oder als belastbare Kennzahl kommuniziert werden kann.
Die Gewinner werden in separaten Jurys ausgewählt: Es gibt einen spanischen und einen europäischen Sieger, dazu kommt eine Sondernennung für unternehmerische Werte. Für Teams ist das nicht nur eine Bühne. Ein Beispiel liefert Anthrotek, das 2025 den Best European Project Award erhielt: Das Unternehmen beschreibt, dass die Auszeichnung „tremendously helped“, um im Kino-Umfeld Fuß zu fassen. Außerdem habe das Preisgeld Mittel bereitgestellt, um spezialisierten Support rund um regulatorische Anforderungen für feuer-schutzbezogene Ausrüstung zu finanzieren – und genau an diesem Punkt wird sichtbar, wie stark Festivalpreise in reale Produktarbeit und Begleitung von Anforderungen hineinwirken können.
Interessant ist zudem die anschließende Weiterentwicklung: Anthrotek berichtet, dass die Arbeit später eine breitere Ausrichtung auf KI-gestützte medizinische Modelle ermöglicht habe, inklusive synthetischer Körper, Organe und Haut. Damit öffnet sich ein Markt, der zwar nicht „Filmproduktion“ ist, aber von ähnlichen Fähigkeiten in der Generierung und Modellierung digitaler Repräsentationen profitieren kann. Für die Branche insgesamt folgt daraus eine klare Lesart: KI, virtuelle Produktion und Daten-gestützte Steuerung sind zunehmend nicht mehr nur Prototypen für die Leinwand, sondern Bausteine für wiederholbare Prozesse im Betrieb. Die Pitch-Session am 24. September bei Zinemaldia & Technology bündelt diese Richtung in kurzer Zeit – und wird zeigen, welche Teams die Brücke zwischen technischer Machbarkeit und implementierbarer Produktstrategie am glaubwürdigsten schlagen.
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